Chris Farren – Born Hot

Rezensiert von am 20. Oktober 2019

       

Kann man Chris Farren ernst nehmen? Einen Artist, der mit seinem Oberlippenbart, gegeelten Haaren und modischen Hemden auf der Bühne wie der letzte Dandy wirkt? Einen Artist, der eine halbnackt posende Zeichnung von sich als Artwork für ein Album namens “Born Hot” wählt und dazu noch riesige Werbetafeln in amerikanischen Städten mietet um dort dieses Artwork abzubilden? Naja ganz so ernst scheint sich Chris Farren selbst nicht wirklich zu nehmen und passt damit super in das Zeitalter von Memes und Internet Humor. Gerade im Netz hat sich der Sänger von Antarctigo Vespucci und Fake Problems so zur Kultfigur der High School und College Jugend entwickelt. “Born Hot” ist nach “Can’t Die” von 2016, sein zweites Studioalbum (abgesehen von seinem Weihnachtsalbum). 

“Born Hot” unterscheidet sich deutlich von “Can’t Die”, denn die Melancholie und der Pop-Punk Einfluss vieler Songs musste einem 80s Pop-Rock weichen der an manchen Stellen mit groovigen Synthies auf die Spitze getrieben wird. Doch die Texte stellen oftmals einen starken Gegensatz zu der musikalischen Begleitung dar. “Does the Good Outweigh the Bad” ist das beste Beispiel – über einen flotten Rhythmus, auf welchem ein Glockenspiel einsetzt und der somit wie aus einem 70er Jahre Commercial entnommen wirkt, singt Farren “Sharp left turn to depression / I spent the day in bed again / HD Jerk Off Instructions / I wish I didn’t watch”. Hier wirkt alles überspitzt und die Linien zwischen ernsten, sensiblen Themen und selbstironischer Comedy verlaufen fließend. Gerade das gibt dem Album etwas erfrischendes.

Weitere Songs wie “Search 4 Me” oder “R U Still There?” behandeln auf ebenfalls schwungvollen, poppigen Melodien kombiniert mit Farrens hoher Stimme die Angst vor dem Allein sein und Verlassen werden und kreieren in dieser Kombination ein befremdliches Gefühl, dass in seiner Eingänglichkeit Farren schon fast wahnsinnig erscheinen lässt.

Allerdings hat sich dieses schmalzige, power-poppige Singen über mentale Probleme dann doch schnell auserzählt und man wünscht sich, dass ein wenig mehr musikalische Abwechslung in das Album kommt. Die gibt es auch, jedoch spürbar erst bei den letzten zwei Tracks. “Floruit De Maga” besitzt zwar auch einen schnellen Drum-Rhythmus sowie eingängigen Refrain, aber Farrens Gesang verwandelt sich vom rein schmalzigen Pop im Verlauf des Songs in ein verzweifeltes, verzerrtes Flehen. “Credits” ist als Closer perfekt. Eine reduzierte Ballade, welche den Abspann eines Filmes mit einer zerbrechenden Beziehung vergleicht: “There you go Again / Trying to rewrite the ending / So it looks like the beginning”.

“Born Hot” ist ein Album das wirkt, als würde dir nach einem richtigen Scheißtag, auch noch die Katze auf den Teppich pinkeln – irgendwann musst du einfach lachen und das ganze mit Humor nehmen um nicht ganz in einem Loch zu versinken. Farren untermalt das ganze mit 80s Schmalz und wagt somit eine musikalisch-ironische Brechung der teils depressiven Songtexte. Auf Albumlänge wünscht man sich dann allerdings etwas mehr Dynamik um dann schlussendlich, wie Chris Farren am Ende seiner Live-Shows, behaupten zu können “Another perfect Set by Chris Farren”.


Label: Big Scary Monsters
Veröffentlicht am: 11.10.2019
Interpret: Chris Farren
Name: Born Hot
Online: Zur Seite des Interpreten.


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