Carwyn Ellis & Rio 18 – Mas

Written by on 9. März 2021

Wie bringt man Wales und Brasilien zusammen? Das können wir aus mehreren Richtungen angehen: Rassistische Tendenzen im Königshaus der Brit*innen passen gut zum rechtextremen Präsidenten Bolsonaro in Brasilien. Beide Länder können mit einer fancy, neuen Covidmutation auffahren. Vielleicht etwas positives. Ich denke bei beiden Ländern zuerst an die Farbe grün. Musikalisch verbindet die beiden Länder außerdem unser Album der Woche. 

Carwyn Ellis & Rio 18 sind der Waliser Carwyn Ellis, gleichzeitig auch Keyboarder der britischen Rockband The Pretenders, und seine brasilianische Band Rio 18. Gemeinsam haben sie mit Mas eine Hälfte eines Zwillingsalbums rausgebracht, dessen andere Hälfte auf den Namen Joia! hört. Herausgebracht nicht nur von der selben Band, sondern auch zur selben Zeit. Mas kommt im Gegensatz zu Joia! weniger experimentell daher, so verbinden Carwyn Ellis & Rio 18 auf Joia! die südamerikanische und britische Instrumentalisierung vielleicht noch etwas mutiger miteinander als auf Mas. Während man auf dem einen Album das Gefühl hat etwas neues, aber auch zuweilen noch ungeschliffenes, zu erleben, fließen auf dem anderen die musikalischen Welten mehr ineinander.

Auf Mas könnte man meinen, es hätte nie etwas anderes gegeben, als die walisisch-brasilianische Verbindung. Die beiden Einstiegtracks des Albums bringen Easy-Listening-Strandtag-Musik ins Ohr. Der walisische Gesang zeigt seine Ähnlichkeit zum brasilianischen-Portugiesisch. Eine interessante Kombination, die auffällt.

Besonders hervor sticht die walisische Zunge auch bei “Dwyn Dŵr”, was sich ein bisschen anhört wie Zahnspange im Mund. Auf diesem und dem folgenden Track wandelt sich der Sound von Bossa Nova-Klängen zu ChaChaCha- Rhythmen – und höre ich da nicht den unverkennbaren Britrocksound aus einem vergangenen Jahrhundert herausstechen? Keine Frage, auf dem treibenden Song “Golau Glas” hören wir diesen ganz charakteristischen Megafoneffekt. Was zunächst bleibt sind die südamerikanischen Bongos, aber mittlerweile zeigt das Album, dass es nicht nur südamerikanische Klänge mit walisischem Gesang kann, sondern eben auch eine brasilianische Band hat, die musikalisch sehr breit mit einem Haufen Alleskönnern aufgestellt ist.

In der Mitte des Albums verliert mich Mas ein wenig. Es wabert ein großer Klangteppich unter allem daher, ich fühle mich in Supermarktgänge versetzt, so kommen mir Track 5-7 kommen mir etwas austauschbar vor. Am besten gefallen mir dann doch die letzten Songs, und besonders die beiden Featuretracks auf dem Album. Ab hier wird Mas noch einmal sehr verträumt. Der “Der Pate”-mäßige Einstieg in “Y Cariadon” holt mich beschwingt aus der eintönigeren Albummitte ab und lässt mich träumerisch, sommerlich-leicht hin- und herschwingen. Der gedudelte Gesang auf “Cwmwl Pluog” mit den auf- und ablaufenden Tonleitern im Hintergrund, lässt mich noch einmal tief fallen – oder vielleicht doch hoch in den Wolken schweben? Eben ein ganz träumerischer musikalischer Zustand, untermalt von ausgelassenen, erleichternden Seufzern der Sängerin Nina Miranda. Den Abgesang bildet dann aber wieder Carwyn Ellis, mit Meeresrauschen und einem sich entfernendem Chor der Nymphen, endet der musikalische Strandgang.

rezensiert von Mel Kinkel.


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