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Caroline Polachek – Desire, I Want to Turn Into You

Rezensiert von am 20. Februar 2023

       

Pünktlich zum Valentinstag schenkt Caroline Polachek uns eine Reise auf ihre Insel der Liebe und Sehnsucht. Desire, I Want to Turn Into You heißt das zweite Studioalbum der Sängerin und Produzentin. Bekannt wurde Caroline Polachek bereits als Teil der Synth-Pop Band Chairlift. 2019 startete Polachek auch als Solokünstlerin durch. Ihr erstes Studioalbum Pang war ein voller Erfolg und lieferte unter anderem den viralen TikTok Song So Hot, You’re Hurting My Feelings. Zwischen den beiden Alben veröffentlichte sie einige Singles, vier davon erscheinen nun auch auf Desire, I Want to Turn Into You. Der Titel beschreibt das Gefühl des Albums bereits sehr treffend. Die Platte steckt voller Emotionen. Die, die dabei am meisten durchkommt: das Begehren.

Bereits wenn man das Albumcover betrachtet, gibt es viele Hinweise auf den Inhalt der Platte zu entdecken. Wie ein Raubtier auf Beutejagd, pirscht Polachek sich auf allen Vieren an die Kamera heran. Die Szenerie: ein Bahnwaggon gefüllt mit unterschiedlichsten Menschen, so wie man es in jeder größeren Stadt erwarten würde, inklusive bemalten und beklebten Wänden. Abgesehen davon, dass Polachek in Sand krabbelt, sind auch die anderen Details auf dem Cover nicht ganz so unscheinbar, wie sie auf den ersten Blick vielleicht wirken und ganz bestimmt nicht willkürlich gewählt. Beispielsweise sieht man Danny L Harle, der zusammen mit Polachek das Album produziert hat, im Hintergrund stehen. Er hat seine kleine Tochter auf dem Arm, deren Lachen im Song Bunny is a Rider gesampelt wird. Passend dazu hat sie einen Plüschhasen in der Hand. Schaut man sich die Kritzeleien und Sticker in dem Bahnwaggon genauer an, lassen sich noch viele weitere Hinweise auf Inhalte des Albums entdecken.

Auch innerhalb der Songs passiert mindestens genau so viel wie auf dem Albumcover. Insgesamt arbeitet Polachek viel mit schnellen, meist elektronischen Beats im Hintergrund, während ihre langgezogenen Vocals melodisch über den Rhythmus fliegen. So auch im Opener des Albums Welcome to my Island

Passend zum Albumcover, auf dem sie aus der Bahn in den Sand krabbelt, empfängt Caroline Polachek uns also nun auf ihrer Insel, von der wir auch so schnell nicht wieder verschwinden sollen. 

Welcome to my island

Hope you like me, you ain’t leavin’

Desire (Hey, hey, hey, hey)

I wanna turn into you

singt sie. Fans vermuten, dass ihr aktueller Partner, Matt Copson, die Inspiration für das Thema des Albums gewesen sein soll. Zumindest bei den Musikvideos zu den Singleauskopplungen des Albums hat er künstlerisch mitgewirkt. Und da Caroline und Matt den Lockdown, also auch einen Teil der Entstehungsphase von “Desire”, zusammen in Italien verbrachten, kann man dem Sound und Gefühl des Albums und vor allem Lyrics wie diesen nach nur vermuten, dass die beiden schwer in love sind. 

Auf den Opener folgt der Song Pretty In Possible, der mit einer wunderschön gesungenen Melodie eröffnet, die im vorletzten Track Smoke wieder aufgegriffen wird. Dieser Song ist etwas ruhiger als Welcome to my Island, baut sich sehr stimmig auf und erinnert sogar vielleicht etwas an Tom’s Diner, gepaart mit elektronischen Pop-Einflüssen.

Der dritte Song auf Desire, Bunny is a Rider, ist mit knapp 17 Millionen Streams auf Spotify der meistgehörte Track des Albums. In dem Song geht es um Bunny, eine imaginäre Person, die das Gefühl der Freiheit durch Unerreichbarkeit erlangt. Im Video zum Song wird ihre Psyche durch ein Labyrinth räumlich dargestellt. Polachek läuft, von einem Minotaurus gejagt, durch das Labyrinth und wer genau hinschaut, kann im Set deutliche Hinweise auf Polacheks Biografie entdecken. 

Mit Sunset, dem vierten Song auf der Platte, sind wir endgültig im Sommer angekommen. Der kalte Februar rückt komplett in den Hintergrund, denn jetzt gibt es nur noch schnelle Flamenco-Pop Gitarrenrhythmen, und dazu die wunderschön fließenden Vocals von Caroline Polachek, die uns schon fast hypnotisch in das Gefühl des Songs ziehen. Das Musikvideo visualisiert diese Atmosphäre perfekt und fühlt sich an wie ein Kurzurlaub. 

Desire hat noch viele weitere Highlights zu bieten, da wäre zum Beispiel einer der ruhigen Songs, Fly to You, auf dem Grimes und Dido gefeatured sind. Diese Kombination hätte man wohl kaum zusammen auf einem Track vermutet, aber sie funktioniert einfach. Oder I Believe, der sehr in Richtung Hyperpop geht und unglaublich viel Spaß macht. Desire I Want to Turn Into You hat alles von Dudelsack auf Blood and Butter bis Kinderchor auf Billions und Butterfly Net und inhaltlich gibt es bei jedem Hören ein neues Easter Egg zu finden. Je öfter diese Platte läuft, desto mehr Spaß macht sie. Also Caroline: Yes, I like you. No, I’m not leaving. Danke für die Einladung auf deine Insel. 


Label: Perpetual Novice
Veröffentlicht am: 14.02.2023
Interpret: Caroline Polachek
Name: Desire, I Want to Turn Into You
Online: Zur Seite des Interpreten.


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