Sorry – 925

Rezensiert von am 30. März 2020

       

Die Unperfektheit in ihrer perfekten Form, genau das will die Band Sorry sein. Sich nicht den Dingen hingeben, wie sie sein sollen, sondern immer so eine gewisse Anti-Haltung Hässlichkeit und Negativität beibehalten, um sich nicht in eine Form drücken zu lassen. Nichts drückt diese Haltung so gut aus wie der Albumtitel ihres Debutalbums “925”. Ist mit 925 doch die Qualität von Sterling Silber gemeint, welches eben kein Gold ist und nichtmal perfektes Silber. So besteht Sterling SIlber nur zu 92,5% aus Silber, der Rest sind irgendwelche anderen Ingredienzen. Nichts ist also perfekt, auch nicht die Band Sorry. Das zeigt auch schon ihre Bandgeschichte. Die beiden Gründungsmitglieder von Sorry Asha Lorenz und Louis O’Brien gehen gemeinsam in London zur Schule und entschließen sich eine Band zu gründen. Das Duo startet unter dem Namen Fish. Das wiederum gefällt Derek William Dick, dem Frontmann der Progressive Rock-Band Marillion, gar nicht, der unter dem Namen Fish als Solo-Künstler aktiv ist. Der Band werden rechtliche Konsequenzen angedroht und mehrere Fans des Marillion-Sängers beschweren sich bei der Band. Der Band blieb also nichts anderes übrig als “Sorry” zu sagen – Der neue Bandname war geboren. Dem Duo schlossen sich dann Schlagzeuger Lincoln Barrett und Bassist Campbell Brown an und so entstand kurzerhand ein Quartett. Nach einzelnen veröffentlichten Singles und Mixtapes folgt dann nun also das Debutalbum. Und das klingt eben genau so wie man sich die wilde Jugend anfang Zwanzigjähriger vorstellt die sich gerne ausprobieren und dabei auch gerne mal Grenzen sprengen.

Gleich der Opener des Albums “Right Round The Clock” führt in den wilden spannenden Stil der Band ein. Los geht es mit Klavier und Saxophon, die aber schnell von einem pulsierenden Elektrogroove abgelöst. Während Asha Lorenz für melodische Gesangsparts sorgt, bringen die fast schon eher gesprochenen Gesangsteile von Louis O’Brien einen spannenden Kontrast in den Gesang. Im Refrain werden Klavier und Saxophon und pulsierender Drumbeat dann auf elegante Weise vermischt. Textlich wird dem Zuhörer eine Liebesgeschichte zwischen zwei Individuen geschildert, wobei in Frage gestellt wird, ob die beiden Überhaupt wissen, was Liebe ist. Der Track bietet zudem eine Hommage an den bekannten Song “Mad World” von Tears for Fears: I’m feeling kind of crazy, I’m feeling kind of mad. The dreams in which we’re famous are the best I’ve ever had.
Nicht durch Zufall befindet sich später auf dem Album in dem Song “As The Sun Sets” eine eindeutige Referenz auf den Louis Armstrong Klassiker “What A Wonderful World”.
Genau zwischen der Mad World und der Wonderful World bewegt sich das Album nämlich. Zwischen all diesen positiven und negativen Erfahrungen, die man in seiner Jugend sammeln muss, die diese Welt so verrückt, aber auch so schön macht. So merkt man, dass die Band Themen und Gefühle aufgreifen, die sie wirklich umtreiben, wie die unerfüllte bittere Liebe (Ode To Boy, Rosie) oder auch das Showbiz (Starstruck), was später einmal auf die Band warten könnte.
Vielfach merkt man an der Musik, dass die Band noch nach Erfahrungen sucht, wobei sie die Musik als ihre Spielwiese begreifen auf der zig verschiedene Genres angegangen werden. Nicht selten weisen die Songs dabei eine gewisse Düsterkeit auf. Es drängt sich stilistisch ein wenig der Vergleich zu Billie Eilish auf, die ja diese Düsterkeit in Songs bereits im vergangenen Jahr sehr populär gemacht hat. Songs wie “In Unison”, “Snakes”, “Wolf” oder “Rosie” verwenden dazu gerne Harmonien, die bei ersten Hören vielleicht etwas schauerlich klingen, letztendlich lassen sich doch aber immer auch Parts in den Songs finden, die diesen schauerlichen Passagen melodiös eingängig entgegenwirken.Ein nicht seltenes und spannendes Element sind dabei die kleinen elektronischen Spielereien, die sich in den Songs verstecken. Demgegenüber stehen aber auch Songs wie “Starstruck”, “Perfect”, “As The Sun Sets” oder “More”, die deutlich glatter und eingängiger daherkommen und eindeutig Richtung Indie-Rock tendieren. So entsteht auf der Platte eine gelungene Abwechslung, bei der man von vornherein nie genau weiß was man beim nächsten Song bekommt. Besonders gelingt dieser Überraschungseffekt mit “Rock’n’Roll Star”. Der Anfang ist dem Swing entlehnt . So startet der Song mit der klassischen Kontrabassline die so typisch für den Swing ist, bis dann sehr spannende Bläserelemente in den Song starten. In der zweiten Strophe ändert sich dann der Grundgroove zu klassischem Rock’n’Roll a la Elvis Presley und die Harmonien erinnern fast an alte Countryballaden.

Sorry probieren sich auf “925” in wunderbar spannender Weise mit unglaublich vielen verschiedenen musikalischen Einflüssen aus und liefern dabei ein spannendes Album, das zeigt, dass sie sich in keine musikalische Sparte drücken lassen, sondern sich schlichtweg einfach ausleben wollen und dabei authentisch die Themen behandeln, die bei ihnen in den Köpfen stecken und dabei machen sie klar, dass es vollkommen normal ist absolut unperfekt zu sein.


Label: DOMINO RECORDING
Veröffentlicht am: 27.03.2020
Interpret: Sorry
Name: 925
Online: Zur Seite des Interpreten.


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