Bilderbuch – Gelb ist das Feld

Rezensiert von am 17. April 2022

       

rezensiert von Daniel Nierhaus

Was macht eigentlich Bilderbuch aus? Ich denke, es ist die Ungreifbarkeit ihrer Musik. Genreflüssig, dreamy und vielleicht ein bisschen hoffnungsvoll oder verspielt, aber in keine Schublade steckbar, da das Bilderbuch das ganze Buchregal füllen kann. Sich selbst mit jedem Album redefinierend und sich selbst trotzdem treu bleibend schaffen die vier – ehemals als Schülerband in Oberösterreich organisierten -Musiker eine Soundkollektion, die durch ihre Vielgesichtigkeit, Authentizität und Qualität beeindruckt. Effektiv kann ich Bilderbuch nicht besser beschreiben als mein Onkel: “Du kannst Bilderbuch bei jedem Song mit anderen Artists vergleichen, die diesem Song ähnliche Musik produzieren oder halt gar nicht.” *

©: Lucas Christiansen

Und die neueste Seite im Bilderbuch, die wir entdecken können, zeigt im Kern eine Rose, deren geschichtete Blütenblätter sie zu einem Strudel formen, der unsereins durch dieses Cover-Art in die Musik saugt. Zwischenstopp auf dem Weg in die Musik ist der Albumtitel. “Gelb ist das Feld” und es ist wohl jedereins selbst überlassen, was für eine Rolle Songanordnung und -titel spielen, aber es sei hier erwähnt, dass der Titeltrack gleichzeitig das Schlusslicht bildet.

Der ersten Schritte zum gelben Feld führen bergauf

Der Anfang geht “Bergauf”. Bilderbuch schafft es, das Gefühl eines Aufstiegs greifbar zu machen. Und mit knapp über 6 Minuten Länge lässt sich Bilderbuch auch Zeit, den ersten Ton des Albums zu setzen. Träumerisch säuselt der Leadsänger Maurice Ernst “Wir sind zu weit weg um nah zu sein” über einen Dschungel aus einer strukturgebenden Akustikgitarre, die im Tanz mit einer elektrischen steckt und dabei durch beinahe nach Beifall klingenden Claps und tatsächlichem Jubel angefeuert wird. Der instrumentale unkünstliche, aber musikalisch künstlerische Auftakt leitet passend in das Album ein – die ersten Schritte auf dem Weg zum gelben Feld machen Hunger auf mehr.

Präsente Strukturen zwischen deiner und meiner Welt

Lieblingsstück des Werkes ist für mich der vorletzte Titel “Zwischen deiner und meiner Welt”. Lyrisch werden verschiedene Beeinflussungen auf das Feld aufgegriffen, wie zum Beispiel der Wind, der Wellen darüber peitscht. Hier ist das Feld das, was irgendwo zwischen Deiner und meiner Welt liegt, es symbolisiert die Distanz und damit das, was durch die Sehnsucht überwunden wird, wenn Du meinen Namen in Dein Display flüsterst. 

Musikalisch haben wir in diesem Lied den größten Bruch zur sonstigen Stimmung des Albums. Durch alle Lieder zieht sich eine gewisse “Waberigkeit”, sowohl in den Melodien als auch in der Stimme von Maurice, die meist eher gedankenverloren über und gleichzeitig als Teil der Soundlandschaft Form annimmt. Dagegen ist das ultrapräsente Schreien einer E-Gitarre und die klare Form des Schlagzeugs und der Stimme eine – für mich zumindest – willkommene Abwechslung. Diese Art der nebligen Formlosigkeit ist zwar auch ein Merkmal von Bilderbuch, aber die musikalisch vertrauteren Strukturen bieten hier schlicht einen leichteren Zugang.

©: Hendrik Schneider

Für mich ist das Hauptmerkmal des Albums, wie fließend es Deine eigene Herangehensweise akzeptiert und möglich macht. Du kannst es einfach anmachen und die Szenerie auf dieser Wanderung genießen oder genauso gut all Deinen Fokus und Dich selbst auf die harmonisch-positiven Vibes vom “Dopamine Beach” legen, über den in “Schwarzes Karma” gesungen wird. Fließend macht das Album für mich auch die einheitliche Klangfarbe, die ich perfekt im Rosa des Albumcovers beschrieben sehe. Dadurch fehlen vielleicht etwas Kontrast und Abwechslung, aber die vermittelte Stimmung macht diesen Umstand wett. Dieses Album bietet nicht unbedingt viele Tracks, die besonders herausstechen, sondern eher die Möglichkeit, in diese frohe und sorglose Stimmung springen zu können und Dir selbst zu überlassen, wie tief Du darüber hinaus weitertauchen willst – und für mich ist heutzutage ein bisschen kanalisierte Fröhlich- und Sorglosigkeit erholsam, lohnens- und ein Reinhören wert.

*(Naja Wikipedia zumindest sagt “bis Die Pest im Piemont (2011): Indie-Rock, Indie-Pop, Post-Punk; seit Feinste Seide (2013): Art Pop, Alternative R&B, Hip-Hop”)


Label: Maschin Records
Veröffentlicht am: 08.04.2022
Interpret: Bilderbuch
Name: Gelb ist das Feld
Online: Zur Seite des Interpreten.


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