Agar Agar – Player Non Player

Rezensiert von am 2023-01-22

       

Millionenfrage! Was ist “Agar Agar”? A: Ein Ausruf aus der Steinzeit, B: Das vegetarische Gelee auf deinem Lieblingserdbeerkuchen, C: Dieses Online-Game mit den bunten Kreisen,  oder D: Zwei französische Musiker*innen, die das Album der Woche stellen? Alles richtig! Allerdings geht es hier ausschließlich um das Duo Agar Agar, dessen jüngster Release als Album der Woche gewählt wurde!

Clara Cappagli und Armand Bultheel gibt es unter diesem Namen seit 2016. Ihr Debüt-Album “The Dog and the Future” ist damals schon  in der Musikszene eingeschlagen – eher ungewöhnlich für ein erstes Album mit experimentellem Charakter. Aber gewundert hat es trotzdem niemanden, denn der Sound traf den Zeitgeist und ist auf das erste Aufschäumen der neo-elektronischen Welle aufgesprungen. Die Fusion von verschiedenen Genres und Publikum erfordert Mut und die Pariser sind ein Paradebeispiel dafür, dass sich dieser Mut auszahlen kann.

Nach dem Verzeichnen des ersten musikalischen Erfolgs, haben Agar Agar ihre Hörer*innenschaft ganze fünf Jahre auf ein neues Album warten lassen, bis am Samstag “Player Non Player” erschienen ist  – und das Warten hat sich gelohnt! Fans und Kritik überschlagen sich mit Lob über den “futuristischen Sound von Morgen” und die “phantastische Videospiel Utopie”. 

Doch was genau ist auf dem Album zu hören? 12 Songs, 12 Variationen, Minimalkonsens: Ein Mix aus Pop und elektronischer Musik. Die Künstler*innen wagen einen Rundumschlag in den Großteil der elektronischen Subgenres. Melodische Trance-Sounds und Breakbeat-Kicks dominieren das Album. Doch auch House-Rhythms und Acid-Synthesizer sind wieder zu finden. Wenn es – wie im Song “Trouble” – mal richtig nach vorne gehen soll, dann wird sich an den typischen Drummachines aus Jungle und Drum and Bass bedient. Wenn den Zuhörer*innen – wie in “Plaine” oder “Dragon” – eine kurze Verschnaufpause genehmigt wird, greift die Produktion auf sphärische Ambient-Interludes zurück. Es spielt keine Rolle, über welche Sounds sich Armand Bultheel in den Beats ausdrückt, die Kombination mit Clara Cappaglis Popgesang erweckt den Eindruck, als würden Elektro und Pop schon immer zusammengehören.

Und auch inhaltlich wird die elektronische Schiene gefahren: Die Lyrics kommen immer wieder auf Gaming-Elemente zurück. Es geht um Drachen, Monster, Reiter und große Träume. Zusammen mit Cover und Musikvideo zum Song Trouble wird das Gesamtbild einer elektronischen Welt perfekt: Der offizielle Visualizer erzählt die Geschichte eines Videospiel-Charakters, der in einer Sphäre über den Wolken lebt und dadurch nie von den Spielenden gefunden werden kann. Das klingt zuerst wie eine dystopische Black-Mirror-Folge. Doch dieses Schicksal wird mit wunderschönen animierten Landschaften und Texten über das Privileg des Alleinseins kontrastiert. Bis sich der Charakter dann wieder den Kontakt zur restlichen Welt wünscht. Und dann doch die Langeweile genießt. Uns so weiter. Storytelling at it’s finest. Irgendwo zwischen Utopie und Dystopie, tiefgründigen Texten und 140 bpm.

Agar Agar ist der französische Beitrag zur neuen Welle des Synthie-Pop. Die Band ist variabel in ihrer Produktion, entwickelt ein Konzept, zieht einen roten Faden durch alle Formen des künstlerischen Ausdrucks und zeigt, dass sie eine bunte Facette an Emotionen vermitteln kann. Und on top of that macht Sie aus deinem Konzertbesuch eine wilde Clubnacht.

von Leonard Raffel


Label: Grönland Records
Veröffentlicht am: 20.12.2022
Interpret: Agar Agar
Name: Player Non Player
Online: Zur Seite des Interpreten.


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