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Moebius

19:00 23:59

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Lauren Sanderson- LAUREN

Rezensiert von on 1. Juni 2026

       

Dieses Album auf ein einziges Genre festzulegen ist schier unmöglich. Es vereint Hip-Hop mit Hyperpop, Rock, Metal und Punk-Einflüssen. Vielmehr als an aktuellen Hip-Hop, erinnert es an die Female Rage und den Rock der frühen 2000er á la Gwen Stefani, P!NK oder Avril Lavigne. Sanderson verwendet alles, was laut ist, stark wütet und die Aufmerksamkeit direkt auf sich zieht. Schließlich hat sie ein Ziel, das Durchsetzungskraft und eine gewisse Brutalität verlangt: queeres Empowerment.

Der Opener „COME SAY SUM“ gibt von Sekunde eins an zu verstehen, dass es hier nicht um Höflichkeit geht. Der Track fordert heraus, ist aufmüpfig und mit klarer Attitüde gebaut. Es gibt eine Feature-Version mit Fred Durst, dem Frontmann von Limp Bizkit, welche dem Song zusätzlich eine aggressive, brachiale Kante gibt. So wird der genannte Nu-Metal-Einfluss, der auf dem Album immer wieder auftaucht, unterstrichen. „COME SAY SUM“ ist der perfekte Einstieg, weil er sofort die Richtung dieses Albums vorgibt: Wut, Stärke, Kompromisslosigkeit.

Lyrics wie „Good luck getting out alive, I don’t like to play nice“ zeigen, dass es nicht nur um Ärger geht, sondern um eine tieferliegende Wut, die sich über Jahre angesammelt hat. I’ve heard that all my life“– hier wird klar, dass Sanderson gegen Abwertung, gegen Herabsetzung und gegen Leute kämpft, die sie kleinreden wollen. Der direkte Befehl shut the fuck up“ im Chorus ist eine klare Grenze, die sie zieht. Man könnte auch sagen, der gesamte Track ist eine Art musikalischer Mittelfinger.

Ähnlich hitzig geht es mit dem zweiten Track “POSSESSIVE“ weiter. Der Song steigt ein mit einem Cheer wie von Cheerleadern- ein fast schon spielerischer, tanzbarer Moment, der sofort ins Ohr geht und den Titel Be possessive, be, be possessive“ wiederholt. Doch schon nach diesen ersten Sekunden kippt die Energie in etwas Wütendes und unmissverständlich Dominantes. Schon der Titel gibt die Richtung vor: eng, kontrollierend, wütend, emotional aufgeladen.

Zeilen wie She’s not interested, so leave a message at the beep / ‘Less you wanna lose your teeth, just some perspective“ sind nicht nur frech, sondern gar drohend – und genau das macht den Track so spannend. Als einer der frühen Tracks auf LAUREN wirkt „POSSESSIVE“ fast wie eine Eskalation nach dem Opener. Er zeigt, dass auf diesem Album keine Gefühle beschönigt werden – stattdessen werden sie laut, rau und unverblümt ausgelebt.

Doch nicht alles auf LAUREN ist pure Rage. Mit „SPELL IT OUT“ nimmt Sanderson eine andere, ebenso markante Rolle ein. Der Song ist clever geschrieben, arbeitet mit einer Alphabet-Idee, ist sexuell aufgeladen und eindeutig queer-coded. Besonders deutlich wird die Doppeldeutigkeit in der Zeile X-Y-Z, girl, I’ll finish you before me – hier wird das Alphabet bis zum Ende durchgegangen, aber in Wirklichkeit geht es um etwas ganz Anderes: Wie ein Fan auf “Genius” treffend schreibt, ist „SPELL IT OUT“ im Grunde:

Es bleibt also weiterhin frech, queer und bewusst alles andere als kindgerecht. Musikalisch bewegt sich “SPELL IT OUT” zwischen Hip-Hop, R&B und Y2K-Vibes, klingt charmant- ein Song mit einem Augenzwinkern.

Mit „SMOKING SECTION“ wechselt das Album ins Clubhafte. Der Song bewegt sich zwischen Hip-Hop und Hyperpop, bekommt im Chorus eine überraschend rockige Note und ist vor allem Eins: überraschend tanzbar. Hier geht es um flirty Club-Vibes, Spannung auf der Tanzfläche und eine Begegnung in der Raucherecke.

Auch „GIRLS NIGHT“ regt zum Tanzen und Feiern an. Er erinnert musikalisch wieder mehr an frühe 2000er und an Hip-Hop, nur eben queer gedacht und mit einem ironischen Unterton. Der Titel verspricht ebenfalls Leichtigkeit und gute Laune, ist aber tatsächlich gezielt sarkastisch: der Mädelsabend ist hier längst kein braves Sleepover mehr, sondern eine klare sexuelle Anspielung. Besonders deutlich wird das in der Zeile He can’t stay the night, no, he’s not invited / Just decline it“ – der Boyfriend ist nicht erwünscht, die Nacht gehört den Girls, und das hat wenig mit Pyjamas und Popcorn zu tun.

„ARE YOU REALLY HERE?“ ist die kleine Überraschung am Ende des Albums. Die anfängliche wütende Attitüde wird hier zugunsten eines poppigeren, radiofreundlichen Vibe etwas zurückgenommen. Der Track klingt mehr nach Mainstream, ist eingängiger und hat deutliches Ohrwurm-Potenzial – vor allem durch den sich wiederholenden Refrain Don’t wake me up, don’t wake me up / When I fall asleep, I fall in love“, der sofort im Kopf bleibt. Gegen Ende des Albums funktioniert „ARE YOU REALLY HERE?“ perfekt als kleiner Kontrast: weniger Rage, mehr Pop, mehr Gefühl, mehr Ohrwurm.

LAUREN ist das Album der Woche bei RadioQ – und das aus gutem Grund.

Lauren Sanderson zeigt mit LAUREN vor allem eines: Sie will Kante. Sie will anecken, sie will laut sein, und sie will der Wut einer lesbischen Frau Raum geben – manchmal mit Ironie, manchmal mit purer Aggression, manchmal mit Humor. Um das musikalisch zu transportieren, braucht es genau diese Entgrenzung verschiedener Genres. Das sind Genres, wie Punk oder Hip-Hop, die oft mit Aufstand, Rebellion und Aggression verbunden werden. Wie Sanderson selbst es beschreibt: 

Und genau darauf macht diese Album auch Lust: Laut aufdrehen, alles rauslassen und Lauren Sanderson in ihrer vollen Wucht genießen.


Label: Pack Records, Inc. & Create Music Group
Veröffentlicht am: 29.05.2026
Interpret: Lauren Sanderson
Name: LAUREN
Online: Zur Seite des Interpreten.

Coverbild: https://share.google/AXDDYhRqQ2IcOajg7