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Paula Hartmann legt „kleine Feuer“ im Skaters Palace

Geschrieben von am 15. Mai 2024

Knapp 1.500 Fans tanzen voller Vorfreude auf der Straße zum Soundcheck, der von außen nur leise zu erahnen ist. Das Betreten des Konzertsaals gleicht dem Eintreten in eine mystische Parallelwelt, einen Raum gefüllt von Dunst und Nebel, aus denen die Kulisse von Hausfassaden herausragt, die auf der Bühne aufgebaut ist. Schon vor Beginn wippen alle zur Musik, singen voller Vorfreude mit und schauen erwartungsvoll zur Bühne des Skaters Palace.

Mit ihrer „kleine Feuer“-Tour 2024 füllt Paula Hartmann den Saal auf ihrem Tourstopp in Münster bis auf den letzten Platz.

Mit dem Ende des letzten Songs aus der Wartezeit wird der Raum plötzlich dunkel. Geigenmusik – Gewitterlärm – knisterndes Feuer. Eine Stimme beginnt „Die gar traurige Geschichte mit dem Feuerzeug“ vorzulesen, die Geschichte eines Mädchens, das, ganz naiv und unbedacht, mit einem Feuerzeug spielt und lichterloh, mitsamt Körper und Haaren, in Brand gerät. Rotes, flackerndes Licht flutet den Raum, bis plötzlich Paula Hartmann selbst auf der Bühne steht. Das Konzert beginnt mit einem Ausschnitt des Songs „kleine Feuer“, dem namensgebenden Song der Tour und des dazugehörigen Albums. Mit tosendem Applaus und Jubel wird Paula Hartmann von Münster begrüßt. 

Das bislang zweite Album „kleine Feuer” von Paula Hartmann nach „Nie verliebt“, erschien am 08.03.2024 und erklomm sofort den zweiten Platz der deutschen Albumcharts. Das einst noch verträumte Mädchen, nun im düsteren Großstadtlabyrinth, auf der Flucht vor der finsteren Einsamkeit. „Kleine Feuer“ bildet den dunklen Nachfolger des ersten Albums von Paula Hartmann. Versunken in Berlin und in der Dunkelheit. Emotionen erleben und bis ins Kleinste beobachten, dennoch auf der Flucht vor ihnen und verloren. Verloren in Partys, Drogen und Melancholie. „Die Liebe ist tot und wenn nicht, dann stech’ ich nach“, alles, was bleibt, wird verbrannt.

Das gesamte Konzert über spielt Paula mit der Kulisse Berlins. Jeder Song verschmilzt mitsamt Texten und Klängen mit dem Bühnenbild und kann so nicht nur gesungen oder performt, sondern gefühlt und erlebt werden. Immer wieder verschwindet Paula zwischen den Songs hinter den aufgebauten Häusern und Fassaden und taucht plötzlich an einer ganz anderen Stelle in der Stadt auf. Das Zusammenspiel aus der Kulisse, der flackernden Lichtshow und der LED-Wand im Hintergrund, auf der je nach Song unterschiedliche Orte Berlins zu sehen sind, macht die Show zu einer Erkundung der Stadt in ihrer düstersten Form: mal ein zu Eigen machen, fast schon einer Bezwingung der Stadt, mal verstecktes Schleichen oder die Flucht durch dunkle Gassen. 

Jeder Song wird durch das rhythmisch pochende Bühnenlicht begleitet, das die modernen, klaren Trap-Beats untermalt. Zusammen mit den mystischen Klängen und Gesangsmelodien sowie der hohen und klaren Stimme von Paula Hartmann erschafft sie so die perfekte Mischung aus hart und weich, aus hell und dunkel, die ihre Musik und Show so nahbar macht und verzaubert. Trotz der konkret benannten Emotionen, Erlebnisse und spielerischen Liedtexte, besteht scheinbar die Möglichkeit, sich selbst und die eigene Gefühlswelt darin wiederzufinden. 

Diese emotionale Verbundenheit bekommen alle im Saal zu spüren: Auf Paulas Aufforderung während der Songs „Gekreuzte Finger“ und „Kugeln im Lauf“ streckt das gesamte Publikum ihre gekreuzten Finger oder Mittelfinger in die Höhe. Durchweg wird getanzt, gesprungen und lautstark Wort für Wort mitgesungen, wodurch es beinahe so wirkt, als würde das Set von allen ganz für sich durchlebt werden. So wissen alle Besuchenden jedes Wort des Songs „sag was“, der nicht nur im Studio, sondern auch live vor Ort durch einen Gastauftritt des Features T-Low begleitet wird und so natürlich für besonderen Jubel sorgt.

Den Song „Snoopy“ performt Paula Hartmann ganz im Liegen auf der Brücke zwischen zwei Hausfassaden. Die Lichter aus, nur ein großer weißer Mond auf der LED-Wand und Paulas Silhouette waren zu sehen. Der Song, der zudem das Ende des Albums formt, strahlt so mit seiner nostalgisch-warmen Melodie eine ganz besondere Ruhe aus und lässt den Skaters Palace für einen Moment innehalten. Kind sein und die damit verbundene Ungebundenheit, die Wehmütigkeit danach und die darin wurzelnde Flucht vor dem Erwachsenwerden: All diese Themen sind Teil des Textes und bilden so nicht nur sprachlich ein „komm endlich nach Hause, du hast genug gespielt“, sondern kündigen bereits das Ende des Konzerts, das Ende des Spiels in der Stadt, an. 

Nach der Zugabe verabschiedet sich Paula Hartmann mit ihrer DJ-Begleitung FRISO vom Skaters Palace. Die beiden verlassen die Bühne und hinterlassen eine ganz erfüllte Menschenmenge, voller Freude, von Paula Hartmann auf diese mystische, düstere und wunderbare Reise mitgenommen worden zu sein. Ich persönlich würde sagen, der Abend war absolut sehenswert und Paulas Show atemberaubend. Das war nicht bloß ein Konzert, das war Kunst!