Kakkmaddafakka-Sänger Axel Vindenes: „Um ehrlich zu sein, hätte ich gern ein eigenes Land.“

Geschrieben von am 28. August 2020

Axel Vindenes spielt und singt eigentlich seit vielen Jahren in der norwegischen Indie-Pop-Band Kakkmaddafakka. Doch jetzt macht er zusätzlich noch allein Musik: Am 28. August hat er seine erste Single „Yesterday“ veröffentlicht. Wieso er sich jetzt auch solo ausprobiert, was rappen und Golf spielen gemeinsam haben und worum es wirklich im Leben geht hat er uns im Interview verraten.

Q: Hallo Axel! 

Axel: Hallo!

Q: Es ist Ende Juli. Normalerweise würdest du jetzt auf Festivals spielen, aber das ist dieses Jahr leider nicht möglich. Was machst du mit der ganzen Freizeit, die du jetzt hast?

Axel: Ich baue einen Pool in meinem Garten. Er ist schon 5 Mal kaputt gegangen. 80000 Liter Wasser sind jedes Mal rausgebrochen. Dieses Wochenende fahre ich weg, weil ich einige Gemälde abgeben muss. Aber wenn ich wieder nach Hause komme, werde ich den Pool zum 6. Mal reparieren. Es soll ein natürlicher Pool mit Fischen werden und ich werde ihn allein bauen! Das ist eine Art Rettung für mich, denn ich bin sehr energiegeladen. Ohne die ganzen Konzerte, die wir normalerweise im Sommer spielen, wüsste ich sonst gar nicht was ich machen sollte.

Q: Und du arbeitest an deinem Soloprojekt!

Axel: Ja, das ist richtig. Ich arbeite immer an meiner Musik. Vor ein paar Jahren hat mein Bruder, der auch zu Kakkmaddafakka gehört, beschlossen solo zu spielen. Und nach einigen Jahren seiner erfolgreichen Solokarriere habe ich mich etwas unter Druck gesetzt gefühlt und wollte auch eine erfolgreiche Karriere. Das ist der Grund, warum ich jetzt auch Solo-Musik produziere. Meine erste Single wird Yesterday heißen. Außerdem wird es ein Album geben, an dem ich die ganze Zeit arbeite. Ich arbeite immer an Musik. Aber ich arbeite auch an anderen Dingen. Zum Beispiel male ich oder baue Zeug in meinem Garten.

Q: Du hast eben schon angedeutet, dass es mehr von dir zu hören geben wird. Kannst du uns mehr dazu sagen?

Ich bin ein cooler Rapper, tatsächlich der coolste Rapper der Welt, aber es ist nicht mein Beruf.

Axel Vindenes

Axel: Ja, es wird zuerst einige Singles und dann ein Album geben. Die erste Single wird am 28. August erscheinen und Yesterday heißen. Im Video fahre ich einen Ferrari und gebe mein Bestes, um zu beeindrucken. Denn das ist was ich mache: Ich versuche die Menschen zu beeindrucken und ich hoffe, dass mir das auch gelingt.

Q: Gibt es schon ein Release-Datum für das Album?

Axel: Nein, ich hoffe dieses Jahr, aber vielleicht auch erst nächstes. Dieses Jahr werden einige Singles veröffentlicht und dann sehen wir weiter. Aber ich habe schon 5 oder 6 Songs geschrieben und auf dem Album werden 9 Songs sein. Also muss ich noch einige Songs schreiben und sie aufnehmen. In diesen Zeiten ist es nicht sehr einfach zu planen. Also lebe ich von Tag zu Tag und versuche so positiv wie möglich zu sein.

Q: 2018 hast du bereits zwei Rap-Alben veröffentlicht. Was ist jetzt anders als damals?

Axel: Das Rappen ist für mich ein Hobby. Rappen hat mich immer interessiert und es ist in etwa so, wie andere Menschen Golf spielen. Ich habe Spaß daran, aber ich habe mich selbst nie ernst genommen als Rapper. Also natürlich habe ich mich ernst genommen, aber ich habe es nicht von anderen Menschen erwartet mich als richtigen Rapper anzusehen. Es ist für mich etwas sehr Persönliches und ich hatte nie das Bedürfnis Werbung dafür zu machen. Vielleicht nehme ich noch ein weiteres Rap-Album auf, aber ich bin kein hochqualitativer Rapper. Ich bin ein cooler Rapper, tatsächlich der coolste Rapper der Welt, aber es ist nicht mein Beruf. Ich bin Songwriter und für mich gibt es einen Unterschied zwischen dem Rappen und meinem jetzigen Soloprojekt. Ich möchte, dass Menschen auf mein Soloprojekt aufmerksam werden. Meine Rapmusik darf jeder genießen so viel wie er will. Es ist etwas, was ich brauche um mich als komplette Person zu fühlen und nicht, um es allen Leuten zu zeigen. Aber ich wollte, dass jeder die Möglichkeit hat, sich mein Rappen anzuhören, aber es ist nichts, womit ich beeindrucken möchte. Mit meinem Soloprojekt möchte ich beeindrucken. Das ist ein großer Unterschied. Mein ganzes Leben lang versuche ich Musik zu machen, die sehr natürlich für mich ist.

Q: Gibt es noch andere Genres, die du gerne ausprobieren möchtest?

Axel: Ja, mein nächstes Soloalbum nach diesem Elektro-Pop-Album wird etwas mehr akustisch. Vielleicht eine Gitarre und ein Kontrabass, also mehr im Singer-Songwriter-Style. Das ist natürlicher für mich. Es gibt zwei Seiten, wenn ich Solo unterwegs bin: Yesterday steht für einen großen Teil von mir: Der Teil, der gerne in Clubs geht. Und dann gibt es noch den ruhigeren Teil mit der Nylon-Gitarre, der alles etwas ruhiger mag. Aber ich musste dieses aufgedrehtere Album produzieren bevor ich das entspannte Zeug mache. Ich möchte, dass es eine perfekte Geschichte wird. Ich möchte Songs, die sehr energisch und hyperaktiv sind. Diese Seite von mir ist die tanzende Seite. Und dann wird auf jeden Fall die entspannte Seite kommen, aber dafür brauche ich etwas mehr Aufmerksamkeit.

Alex Vindenes

Q: Deine Rap-Alben hast du unter dem Künstlernamen Wild Nature produziert. Unter welchem Namen wirst du dein neues Soloprojekt veröffentlichen?

Axel: Wild Nature ist mein Spitzname. Wenn ich rappe, werde ich Wild Nature genannt. Aber ihr könnt mich auch so nennen, wenn ich singe. Ich werde immer Wild Nature sein, aber ich bin auch Manhattan und the Lion. Ich habe so viele Spitznamen. Aber jetzt werde ich mich ein bisschen auf Axel Vindenes konzentrieren. Ich bin älter geworden. Man braucht nicht immer Spitznamen, aber es sollte cool klingen.

Ich war stocksauer, als die Regierung uns davon abgehalten hat unser tägliches Brot zu verdienen.

Axel Vindenes

Q: Das Coronavirus zwang Kakkmaddafakka dazu die Tour abzubrechen. War es nicht sogar ein bisschen angenehm, dass du nun mehr Zeit hattest, dein Soloprojekt vorzubereiten?

Axel: Um ehrlich zu sein, stimmt das. Seit 16 Jahren haben wir nie einen Auftritt abgelehnt. Ich habe immer die Konzerte und die Band an erste Stelle gesetzt. Es gab keinen Sommer, in dem wir auf keinen Festivals gespielt haben und ohne das Wissen „Ich habe in ein paar Tagen einen Auftritt.“ Ich war stocksauer, als die Regierung uns davon abgehalten hat unser tägliches Brot zu verdienen. Aber auf der anderen Seite war ich auch sehr froh darüber etwas Freizeit zu haben und mich auf andere Sachen konzentrieren zu können. Es fühlte sich an, als würde Gott zu mir sagen „Axe, du brauchst eine Pause! Entspann dich! Das ist gut für dich.“ Und das ist im Grunde wie ich mich fühle: Zwei Gefühle auf einmal. So geht es mir öfter (lacht): Ein fröhliches Gefühl und ein nicht so fröhliches. Man sollte immer versuchen auf die positive Seite von Dingen zu sehen. Das versuche ich immer, egal in welcher Situation ich mich befinde. Ich versuche immer als Gewinner aus jeder Situation zu gehen. Immer positiv bleiben!

Q: Mit Kakkmaddafakka hattest du einen Live-Auftritt beim Verftet Online Festival. War es nicht komisch auf der Bühne Stimmung zu machen, ohne direktes Feedback vom Publikum zu bekommen?

Axel: Ja, es war sehr komisch. Vor allem, weil wir ein sehr energiegeladenes Publikum gewohnt sind und so viel angelächelt werden. Und umher zu hüpfen ist sehr natürlich für mich, aber da jetzt kein Publikum da war, fühlte es sich schwer an. Ich musste sehr routiniert vorgehen, um stimmungsvoll zu sein. Ich denke, dass andere Bands, die nicht so viele Auftritte hatten wie wir das nicht so einfach hätten machen können. Aber wir sind sehr cool (lacht) und es dauert einige Live-Konzerte bis man so cool wird. Ich bin aber sehr dankbar, dass dieses Konzert vielen Leuten etwas bedeutet hat. Das macht mich sehr glücklich. 

Q: Aber nicht nur Musik macht dich glücklich. Du malst auch und hast sogar eine eigene Religion gegründet. Gibt es überhaupt noch etwas auf deiner Bucketlist, was du noch erreichen möchtest?

Axel: Das ist eine gute Frage. Um ehrlich zu sein, hätte ich gern ein eigenes Land. Ich denke, es ist Zeit, dass neue Länder entstehen. In meinem Land würde es viel besser sein als in den heutigen Ländern. Aber natürlich denke ich nicht, dass das sehr realistisch ist. Alles was ich möchte ist gute Musik und Kunst für die Menschen zu machen. Vielleicht hätte ich gern einen großen Bauernhof. Aber dort würde ich keine Milch produzieren, sondern Kultur. Außerdem wäre es toll einige schwarze Pferde zu haben und zu leben wie ein Milliardär! Das bin ich natürlich noch nicht, aber ich bin ein Träumer. Ich werde auch nie aufhören zu träumen und cooles Zeug zu machen, denn darum geht es im Leben. Ich habe viele Ideen. Ich habe immer noch nicht auf allen Festivals in Deutschland gespielt, zum Beispiel auf der großen Bühne von Rock am Ring. Es geht immer noch mehr.

Wenn ich die Solo-Musik und den Pool fertig habe, wird wieder mehr Zeit sein zu malen.

Axel Vindenes

Q: Du hattest sogar schon einige Ausstellungen mit deinen Gemälden. In einem Interview hast du gesagt, dass du gewissermaßen gezwungen warst diese Ausstellungen zu machen, weil bei dir zu Hause kein Platz mehr für mehr Bilder war. Du hättest aufhören müssen zu malen. Ging dein Plan auf und hast du jetzt wieder mehr Platz zu Hause?

Axel: Lustig, dass du fragst. Nach diesem Interview werde ich mein Auto mit meinen Gemälden beladen und in den Osten Norwegens fahren, um sie an meine Galerie zu liefern. Das wird ein sehr befreiendes Gefühl sein! Dann werde ich wieder malen können, da alles was verkauft werden kann aus dem Haus ist. Wenn ich die Solo-Musik und den Pool fertig habe, wird wieder mehr Zeit sein zu malen. Ich bin gerade ziemlich gut in Form: Ich male hübsche Katzen und viel anderes cooles Zeug.

Alex Vindenes

Q: Werden wir deine Kunst auch auf dem Cover oder im Booklet deines Albums finden?

Axel: Das habe ich noch nicht entschieden. Vielleicht im Booklet, aber nicht auf dem Cover. Ich hätte gerne meine Zeichnungen in einem Musikvideo. Die Menschen wissen, dass ich auch ein Künstler bin, aber ich bin auch ein schöner Mann. Wenn ich ein Foto von mir selbst auf das Cover machen werde, werden die Leute das auch lieben. Mein Plan ist es mehr von mir selbst zu verwenden, damit die Menschen auf mich aufmerksam werden. Wenn du Erfolg im Leben haben willst, musst du jede Saite spielen. Wenn du also sexy bist oder Muskeln hast, zeig es! Das ist meine Idee und für mich funktioniert es gut. Es geht um Selbstbewusstsein und davon habe ich viel. Ich glaube, dass wenn ich selbstbewusst bin, mögen das die Menschen.

Q: Und wenn die Menschen es mögen, wirst du auch auf Tour gehen?

Axel: Hoffentlich! Ich habe schon Pläne für die Liveshow. Das wird nicht wie das Rappen, denn ich habe nie ein Rap-Konzert gegeben. Aber dieses Mal werde ich viele Konzerte spielen. Aber natürlich werde ich weiterhin mit Kakkmaddafakka spielen, denn das wird immer Priorität haben für mich. Aber dieses Soloprojekt soll so sein, dass ich auf Partys gehe und den DJ mache. Mehr brauche ich nicht, damit es allen Spaß macht. Bei einigen Shows werde ich allein nur mit einem Mikrofon auf der Bühne stehen, bei anderen werde ich meine Musik auflegen und dann ein paar Songs zwischendurch singen. Wir werden sehen. Ich habe eine Menge guter Ideen. Das Problem an einer Band ist, dass man die ganzen Instrumente benötigt. Das ist stressig, denn es gibt viele Orte, an denen man nicht spielen kann. Mit diesem Projekt werde ich allerdings ganz frei sein. Wenn jemand fragt, ob ich auf einer Veranstaltung spielen kann, sage ich nur „Ja, gerne das ist kein Problem.“ denn ich habe keine Ausrüstung. Ich habe mein Mikrofon und mich und das ist alles, was ich brauche. Aber wir werden sehen. Wenn ich es doch nicht mag, werde ich damit wieder aufhören.

Q: Apropos aufhören: Sowohl dein Bruder als auch du selbst haben nun ihr eigenes Soloprojekt. Ist das nun das Ende von Kakkmaddafakka?

Axel: Überhaupt nicht! Tatsächlich arbeiten wir gerade an einem neuen Album, welches unser Meisterwerk werden wird. Kakkmaddafakka ist sehr wichtig für uns alle, denn nur wegen Kakkmaddafakka können wir überhaupt unsere Soloprojekte umzusetzen. Aber natürlich ist es auch sehr gesund mal eine Pause zu machen, um dich um andere Dinge zu kümmern. Wir sind schon länger aktiv als die Beatles es waren!

Das Interview führte Katrin Range.


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