GEORG FRIEDRICH HÄNDEL UND DER SPÄTBAROCK

Geschrieben von am 15. Mai 2017

In Italien wurde der Komponist als „Il sassone“ bekannt und in England mischte er die Adelsfeste auf.

Georg Friedrich Händel wurde am 23. Februar 1685 in Halle an der Saale geboren. Sein Vater Georg Händel war Kammerdiener und Wundarzt. Er hatte eine juristische Karriere für seinen Sohn vorgesehen. Händels musikalisches Talent wurde allerdings schon früh entdeckt. Mit fünf Jahren besuchte er mit seinem Vater den Hof des Herzogs Johann Adolf von Sachsen-Weißenfels und dieser drängte Händels Vater dazu, das musikalische Talent von ihm zu fördern. Georg Friedrich Händel bekam daraufhin Unterricht von Friedrich Wilhelm Zachow, dem Organisten der Marktkirche in Halle. Als der Vater starb, entschloss sich Händel 1702 aber doch erst mal dazu ein Jura-Studium in Halle zu starten.
Zu dieser Zeit etwa machte Händel mit dem späteren Komponisten Georg Philipp Telemann die Bekanntschaft. Auch er studierte Jura, aber beide wollten eigentlich immer Musik machen. Nach nur einem Monat brach Händel sein Studium ab und widmete sich der Musik. Noch im selben Jahr bekam er eine Stelle als Organist am calvinistischen Dom in Halle. Händel war ein hervorragender Organist und wusste, wie er mit seinen Improvisationen an der Orgel die Zuhörer begeistern konnte.

Bald zog es Händel jedoch schon aus Halle weg, hin nach Hamburg. Dort hatte er 1703 die Möglichkeit als Geiger und Cembalist am ersten bürgerlichen Opernhaus am Gänsemarkt zu arbeiten. In Hamburg freundet er sich auch mit dem Komponisten Johann Mattheson an. Schon bald kam es aber zum Streit zwischen den Beiden. 1704 wurde Matthesons Oper Cleopatra aufgeführt. Händel spielte wie üblich das Cembalo, von dem aus er auch das Orchester dirigierte. Nun wollte Mattheson als Komponist der Oper bei der Vorstellung aber selbst das Orchester leiten. Händel weigerte sich ihm Platz zu machen und so kam es zu einem Degenduell der Beiden vor der Oper am Gänsemarkt. Für beide hätte es dabei sehr unglücklich ausgehen können, sie ließen schließlich aber doch voneinander ab. Die Freundschaft der Beiden war damit allerdings beendet.
Eine Freundschaft zwischen zwei Komponisten kann aber auch ganz anders aussehen. Händel und Telemann waren ihr Leben lang befreundet und besuchten sich gegenseitig. Bei ihren Treffen tauschten sie sich vor allem über musikalische Fragen der Melodielehre aus. Sie respektierten sich als Musiker und unterstützten einander. Teilweise entlehnte Händel Ausschnitte aus Kompositionen von Telemann und fügte sie in seine eigenen ein. Das war eine ganz gängige Praxis zu dieser Zeit und auf keinen Fall ein Plagiat. Eher im Gegenteil, Entlehnungen waren ein Beweis für die Anerkennung, die man dem jeweiligen Komponisten entgegen brachte. Ein Beispiel hierfür ist The Arrival of the Queen Sheba aus Händels Oratorium Solomon, bei dem er Teile aus Telemanns Violinkonzert verwendet.

Händel war also in Hamburg angekommen und konnte auch schnell die ersten Erfolge erzielen. In Hamburg entstanden unter anderem seine erste Oper Almira und später auch die Opern NeroFlorindo und Daphne. Trotzdem war Händel rastlos. Er wollte sich weiterbilden und fuhr deshalb 1706 nach Italien, nachdem ein Prinz der Medici ihn dorthin eingeladen hatte. Italien war schon in Zeiten des Frühbarocks das musikalische Zentrum und Händel wurde dort als „Il sassone – der Sachse“ bekannt. Er reiste viel umher und machte unter anderem Stopp in Florenz, Rom, Neapel und Venedig. Während seiner Zeit in Italien komponierte Händel Kantaten, Opern aber auch die Vertonung des Psalms 110, bekannt unter dem Namen Dixit Dominus. Es ist das früheste geistliche noch erhaltene Werk Händels und verhalf neben anderen Werken Händel zu seinem internationalen Ruhm.

1710 nahm Händel Abschied von Italien und ging zurück nach Deutschland, genauer nach Hannover. Dort wurde er Kapellmeister bei Georg Ludwig von Hannover, dem Kurfürsten. Vom Reisen wollte Händel sich aber trotz dieser Stelle nicht abhalten lassen und traf eine entsprechende Vereinbarung mit seinem Dienstherren. Schon bald fuhr er nach London, um dort 1711 seine Oper Rinaldo uraufzuführen – und zu feiern, denn diese Oper zählt zu seinen größten Erfolgen. Mit Rinaldo brachte Händel die italienische Oper nach England. Viel mehr noch die Form der Oper überhaupt, denn die Oper hatte Claudio Monteverdi in Italien erst erfunden und eine englische Oper gab es noch nicht. Zum Erfolg der Oper hat vor allem die Sarabanden-Arie Lascia ch’io pianga beigetragen, mit einem musikalischem Thema, das Händel auch schon in seiner Oper Almira verwendet hatte.

Die Oper Rinaldo markiert den entscheidenden Wendepunkt in Händels bis dahin schon sehr erfolgreichen Leben. Allein in der ersten Saison wird die Oper 15 Mal gespielt und bis 1917 mehrfach wiederholt. Nach dem Ende der Opernsaison kehrte Händel wieder zurück nach Hannover, entschloss sich aber nur wenige Monate später nach London zu ziehen. Zwei Jahre später, 1714, traf er dann wieder auf seinen alten Dienstherrn, den Kurfürsten von Hannover, denn der wurde im gleichen Jahr als George I. zum König gekrönt. Und weil der Barock und die Barockmusik vor allem auch die Kunst des Absolutismus ist, zählte die Aristokratie zu den bedeutendsten Förderern der barocken Künstler. Händel wurde entsprechend durch George I. gefördert und dieser gab ihm den Auftrag für die Wassermusik. George I. war noch nicht so richtig beliebt bei seinen Leuten und Händels Musik sollte sein Ansehen entsprechend bessern. Etwa 1717 komponierte Händel also seine Wassermusik, die während einer Bootsfahrt, zu der der König eingeladen hatte, auf der Themse gespielt wurde. Das Ganze muss man sich so vorstellen: die Musiker fuhren auf eigenen Booten dem König samt Hofstaat und Gästen hinterher und musizierten. Der König soll sogar so begeistert gewesen sein, dass die Musiker, über 100 an der Zahl, das Stück während der Fahrt dreimal wiederholen mussten. Außerdem bekam Händel fortan ein doppelt so hohes Gehalt als Belohnung. 

Georg Friedrich Händel hatte aber nicht nur Talent für die Musik, er wusste auch wie man Geschäfte macht. 1719 gründete er die Royal Academy of Music: Eine Art Aktiengesellschaft mit Händel als musikalischen Direktor, die die Etablierung der italienischen Oper in London weiter voran treiben sollte. Die erste Oper für die Akademie wurde Radamisto im Jahr 1720. Sie handelt von der Macht der ehelichen Liebe, Treue, Rache und Vergebung. Radamisto ist eine „oper seria“ und entspricht ganz den barocken Vorstellungen des Adels von einer pompösen Inszenierung. Auch die bedeutendste Oper dieser Zeit Giulio Cesare von 1724, Händels nächster großer Erfolg, zählt zu dieser Form. Inhaltlich gehts um Folgendes: Der antike Held Julius Cäsar rettet die Frau, die er liebt, namentlich Cleopatra und dazu auch noch gleich das ganze Königreich. Übertrieben? Für den Barock auf keinen Fall. 

So erfolgreich Händels Opern auch waren, kam die Opernakademie in finanzielle Schwierigkeiten. Denn zum einen waren die Primadonnen sehr teuer und zum anderen bekam die Opernakademie zunehmend Konkurrenz durch die Operngesellschaft Opera of Nobility. In den Jahren veränderte sich dann auch der Publikumsgeschmack zunehmend hinzu leichteren und politisch-satirischen und vor allem englischsprachen Musikdarbietungen. So musste 1727 die Opernakademie schließlich aufgelöst werden. Inzwischen war Händel übrigens auch zum britischen Staatsbürger geworden und schrieb im selben Jahr auch zur Krönung George II. die Coronation Anthems. Vor allem die erste „Hymne“ Zadok the priest ist sehr bekannt geworden, denn diese wurde seither bei jeder Krönung eines englischen Monarchen verwendet und auch die Hymne der UEFA Champions League ist an diesem ersten Teil der Anthems orientiert.

Das Jahr 1737: Händel erleidet einen gesundheitlichen Zusammenbruch, wahrscheinlich einen Schlaganfall mit Lähmungserscheinungen. Ihm geht es aber nicht nur gesundheitlich schlecht, auch finanziell wird sein Vermögen kleiner. Das ändert sich aber bald wieder, denn anstatt nur auf Opern zu setzen, bringt Händel nun vermehrt Oratorien auf die Bühne. Im Unterschied zur Oper, bei der die Handlungen auch schauspielerisch dargestellt werden, wird beim Oratorium nur gesungen. Außerdem haben Oratorien biblisch-christliche Themen zum Inhalt. So brachte Händel also nicht nur die italienische Oper nach England, sondern ist auch maßgeblich dafür verantwortlich gewesen, dass die Musikgattung des Oratoriums in England bekannt wurde. Und für ihn zahlte sich das Ganze auch aus, denn durch seinen künstlerischen Erfolg sah es auch finanziell wieder besser bei ihm aus. 
1742 schaffte Händel mit dem Oratorium Messiahs eines der populärsten Beispiele für christliche Musik. Gerade einmal 23 Tage hatte er an dem Werk geschrieben bis es in Dublin uraufgeführt wurde. Die Uraufführung fand zugunsten von Schuldgefangenen und Armenkrankenhäusern statt und auch in Zukunft achtete Händel immer darauf, dass der Erlös sämtlicher Aufführungen des Messiahs armen und notleidenden Menschen zugutekam.

In seinen letzten Jahren komponierte Händel hauptsächlich Oratorien. In dieser Zeit bekam er auch immer mehr Probleme mit seinen Augen bis er 1752 nahezu erblindet war. Händel musste seine Arbeit immer wieder unterbrechen, aber trotzdem wirkte er bis zuletzt an den Aufführungen seiner Stücke mit und improvisierte seine Orgelkonzert. Am 14. April 1759 starb Händel im Alter von 74 Jahren in London und wurde einige Tage später in der Londoner Westminster Abbey beigesetzt.
Anders als viele seiner berühmten Zeitgenossen wie Johann Sebastian Bach oder Georg Philipp Telemann geriet Händel nach seinem Tod nicht in Vergessenheit. In England wurden seine Kompositionen, besonders die Oratorien weiterhin aufgeführt und in Deutschland entwickelte sich um sein Messiahs-Oratorium ein regelrechter Kult. Händel hinterlässt ein umfassendes Werk mit mehr als 40 Opern und 25 Oratorien und übte auch auf die nachfolgenden Komponisten Einfluss aus. Beethoven beispielsweise sagte: „Händel ist der größte Komponist, der je gelebt hat. Ich würde mein Haupt entblößen und an seinem Grabe niederknien“.


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