Toro Y Moi – Outer Peace

Rezensiert von am 20. Januar 2019

       

Achja die 70er und 80er, war damals nicht alles besser? Niemand ahnte so richtig was vom Klimawandel oder Börsencrashs und Präsidenten wurden höchstens richtig seriöse Schauspieler. Die coolen Jungs stellten ihren Afros zur Schau, hatten mindestens ein richtig gutes Glitzer-Outfit im Kleiderschrank und aus jeder Richtung schien ein frischer Musik-Stil zu kommen. Da ist es doch umso besser, dass wir uns dank all der Retro-Wellen immer wieder in die gute alte Zeit hineinversetzen können. Abzuebben scheinen sie ja schließlich nicht. Nur wird es immer schwieriger das ganze noch irgendwie frisch und einfallsreich klingen zu lassen.

Was macht man am also am besten…? Einfach alles an möglichen Zutaten in einen Topf werfen! Zumindest wenn es nach Toro Y Moi, dem Musikprojekt von Chaz Bear geht. Eigentlich verrät das bereits sein Künstlername, der vereint nämlich Spanisch und Französisch (übers. Der Stier und Ich). „Outer Peace“ ist sein nun sechstes Album und bewegt sich einmal mehr weg von seinen Funk & Disco Wurzeln zu mehr House und Dance-Pop. Als eines der Aushängeschilder des sogenannten Chillwave (zu dem er sich selbst nie zählte), wurde er 2011 mit seinem Debüt und dessen unterwasserartigem Traum-Sound schnell Kritikerliebling und Vorreiter einer Musikszene. Seitdem gab es kaum ein Genre was er nicht erforscht hat. Ob R&B, Power Pop, House oder Jazz-Prog – keines seiner Alben glich dem vorherigen. Seine ständigen Stilwechsel kommen ihm nun auf seiner neuesten Scheibe wirklich zugute. Man hat das Gefühl hier jemandem zuzuhören, der musikalisch gereift ist und absolut keine Grenzen sieht, solange es zu einem stimmigen Ganzen führt.

Outer Peace hat eine deutliche Handschrift, aber ist auch erfrischend abwechslungsreich und ungeahnt experimentierfreudig. Zwar wirkt das Album dadurch manchmal etwas kollagenartig, man muss Toro Y Moi aber zugute halten, dass hier wirklich versucht wird, sich nie mit dem rein nostalgischen Blick auf die 70er und 80er abzufinden. Die große Vielfalt zeigt sich dabei oftmals bereits in einem einzigen Song. Ordinary Pleasure beginnt beispielsweise mit Bongo-Trommeln um danach mit Dance-Beat, funkigem Bass und Chaz Bears warmer Stimme ordentlich das Tanzbein zu schwingen.  

Die Songs auf Outer Peace sind für sich genommen oft sehr auf das Wesentliche reduziert und wirken nie überladen. Zu einem großen Teil sprühen sie vor allem vor positiver Stimmung. Umso paradoxer wird es, wenn Bear in Ordinary Pleasure fast schon resigniert singt: „its always the same; I feel like I’ve seen it all“ um im Refrain ein lakonisches „Maximize all the Pleasure“ zum Besten zu geben. Seine Texte offenbaren, das hinter dem luftigem und lebensbejahenden Sound mitunter dann doch mehr zu stecken scheint. Das Spiel mit der Metaebene beherrscht er jedenfalls. Beim Hören stört dies glücklicherweise nicht, sondern gibt dem Ganzen erst sein markantes Gesicht wenn er Fragen stellt wie: „Does Sex even sell anymore?“

Toro Y Moi bedient sich in Daft Punk-Manier bei allen modernen Mittel der elektronischen Musik und versucht scheinbar auch dem noch so großen Auto-Tune-Hater zuzurufen: Hey auch damit kannst du kreativ sein! Monte Carlo reizt das Spiel mit Autotune beispielsweise ganz besonders stark aus, bleibt aber stets vielschichtig und unkonventionell genug um nicht in generische Pop-Gefilde abzurutschen. Freelance kommt mit Ohrwurm-Refrain und groovigem Funk daher.
Ganz anders sind dagegen das sphärische „Miss Me“ und das zurückgenommene „New House“. Ersteres ist eine Zusammenarbeit mit der Sängerin Abra. Deren sanfte Stimme begleitet uns in immer luftigere Höhen während der Beat Erinnerungen an Massive Attack oder Portishead weckt.
Erwähnenswert sind vor allem auch noch die unheimlich eingängige Single „Freelance“ welche Disco House mit abermals gepitchter Stimme zu einem hypnotischen Ohrwurm werden lässt. Und das von Funk und Groove triefende „Laws of the Universe“ das textlich die ein oder andere Überraschung parat hält.

Outer Peace trifft mit seinem modernen, tanzbaren Pop und den vielen Anleihen an die Retro-Sounds der 80er und 70er den Zeitgeist. Stillstand ist jedenfalls bei Toro Y Moi keineswegs angesagt und für alle die, die mit den ewigen Retrowellen wenig anfangen können sei gesagt: Hier ist jemand der seine ganz eigene Welle reitet.

Rezensiert von Jonas Klein


Label: Carpark Records
Veröffentlicht am: 18.01.2019
Interpret: Toro Y Moi
Name: Outer Peace
Online: Zur Seite des Interpreten.


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