Throw The Dice – Soft loft
Rezensiert von Luka Ray Neumann on 16. September 2026
Die Schönheit der Nostalgie liegt in der Naivität der Erinnerung.
Während der Spätsommer im vollen Gange ist, hat die Schweizer Band Soft Loft ihr zweites Album „Throw The Dice“ am 4. September veröffentlicht. „Throw The Dice“ lässt sich aber nicht nur als musikalische pastellfarbige Wolke illustrieren, sondern auch als Sammlung von Erinnerungen, die sich nun mit der Gegenwart konfrontiert sehen. In der Wolke lassen sich aber auch Blitze im Form von sehr direkten und schmerzvollen Lyrics finden.
Das aktuelle Album der Woche von Radio Q startet mit dem Intro „Where is Mr. Raccoon?”. Sanfte Klänge von unter anderem Streichinstrumenten und Gitarren bilden hierbei das weiche Fundament für Jorina Stamms Stimme. Die Verzerrung der Stimme lässt den Songtext nostalgisch und gleichzeitig wie einen zukünftigen Traum klingen.
„Gravity’s Pull“ ist der erste Song auf dem neuen Album der Band, deren Name durch einen Bandnamengenerator entstanden ist. Musikalisch ist es ein warmer Indie-Pop Song, der durch die verschiedenen Ebenen der Instrumente und Vocals das Push and Pull von dem Wunsch nach und der Angst vor Veränderung lautmalerisch darstellt. Der Songtext zeigt, wie schwer das Loslassen und die Akzeptanz der schon geschehenen Veränderung sein kann.
Nach diesem Push and Pull nimmt sich das lyrische Ich eine kleine Auszeit für sich im Song „Wednesdays“. Es geht Spazieren, kauft sich selbst Blumen (Alexa play Miley Cyrus) und verbringt Zeit mich sich selbst. Zwischen akustischen Gitarren und warmen Drums wird deutlich, dass die eigene Zufriedenheit nicht von anderen abhängig sein sollte.
Nun folgt mein Lieblingssong „F U WANT IT“. Das Was Wäre Wenn einer ehemaligen Beziehung, die vielleicht doch nochmal eine Chance hat, wirbelt verloren geglaubte Gefühle auf. Die Band reißt die Zuhörenden mit in den Tornado des Overthinkings des lyrischen Ichs. Verstärkt wird dieses Gefühl auch durch die gelayerten Background Vocals im Refrain. Der Titel zeigt den inneren Konflikt. Auf der einen Seite möchte das lyrische Ich nochmal eine Beziehung mit der Ex-Person eingehen und auf der anderen Seite hofft es, dass die andere Person es nicht möchte damit Windstille einkehrt. Wie oft kann eine Person rein und raus aus dem eigenen Leben tanzen ohne dir auf die Füße zu treten?
„Wrists That Won’t Be Mine“ hört sich wie die Fortführung der Geschichte des vorherigen Songs an. Bemerkenswert ist hierbei die Produktion der Ballade. Im Gegensatz zu fast allen anderen Tracks sind hier nur eine akustische Gitarre und Harmonien der Vocals zusätzlich zu den Main Vocals zu hören. Keine Drums, keine Synths und auch kein Bass. Diese Intimität braucht aber auch der Songtext von „Wrists That Won’t Be Mine“:
„Love me once love me twice/ Love me three times throw a dice/ And we’ll meet some other time/ Tuck me in, let me know/ That we’ll live another life/ And feel all the different kinds“

Darauf folgt die erste Single, die von „Throw The Dice“ veröffentlicht wurde. „Caught“ behandelt immer noch das Motiv der „Was wäre wenn“-Fragen der zwei vorherigen Songs. Jedoch hat sich etwas verändert: „We don’t even talk anymore“. Es besteht kein Kontakt mehr zwischen den beiden, wenngleich das lyrische Ich immer noch über die Vergangenheit und Möglichkeit der gemeinsamen Zukunft nachdenkt.
„What Are The Odds“ fokussiert sich wieder auf die Bedürfnisse des lyrischen Ichs. Wir begleiten es auf einem Spaziergang, der vor allem durch Drums und den Bass untermalt wird. Der Songtext illustriert den Wunsch danach wieder im Moment leben zu können ohne die ganze Zeit an das Vergangene denken zu müssen.
Der vorletzte Song von „Throw The Dice” ist „Lonely Sometimes Comes in Joy“. Diese Gefühlsmüdigkeit, die schon im vorherigen Song vorgestellt wurde, entwickelt sich hier weiter. Selbst in glücklichen Momenten kann sich die Einsamkeit einschleichen und die anfänglichen warmen Farben verfärben.
Das Album von Soft Loft endet mit der Ballade „Told“. Das Gesagte spiegelt wider, wie viel ungesagt geblieben ist. Das lyrische Ich erinnert sich an die Aussagen der anderen Person und eine gewisse Skepsis verfolgt uns zwischen den sanften Saiten der Gitarre. Der Song und somit das Album endet mit: „No i wont be mad, cause you stopped being sad, or at least that’s what you have told me/ And we wont get back the childhood we had cause that’s just not how it all works“.
„Throw The Dice“ ist ein sehr atmosphärisches Indie Album für einen gemütlichen Abend mit Freund*innen oder der Soundtrack für die nächsten Gedankenspiralen um Mitternacht. Die Produktion ist abwechslungsreich und stimmig zugleich. Die Wärme vieler Songs hält einen förmlich, um die Blitze der Lyrics besser verarbeiten zu können.
Wenn die Farbe von Bildern verbleicht, sollten wir das als Anlass nehmen, um neue Erinnerungen zu machen. Throw The Dice!
Label: PIAS Veröffentlicht am: 04.09.2026 Interpret: Soft Loft Name: Throw The Dice