Stats – Other People’s Lives

Rezensiert von am 17. Februar 2019

       

Wenn Elton John und Dua Lipa sich als Fans einer neuen Band outen, dann sollte das mediale Echo eigentlich ziemlich groß sein. Wir kennen ja die Hype Maschine der Medien. Darum wundert es sehr, dass Stats noch nicht als “The Next Big Thing from England” angepriesen werden. Dabei wäre es eine Schande, wenn diese funkigen Indie Vibes irgendwo in der großen Masse neuer Musik untergehen würden.

Bereits das allererste Geräusch auf “Other People’s Lives”, die ersten 3 Sekunden des Openers “I am an Animal”, klingen wie ein abstürzendes Raumschiff aus einem 80er Jahre Arcadespiel. Und dieser Vibe wird über das ganze Album festgehalten. Der Sound bewegt sich irgendwo zwischen den groovig elektronischen Tracks von Hot Chip und dem experimentellen Electro-Pop vom LCD Soundsystem.
Aus dem zweiten Song des Albums “There is a Story I Tell About My Life”, hört man die enorme Energie der Londoner Band heraus – alle 5 Mitglieder kommen hier auf ihre Kosten – ein treibender Rhythmus und  die aufgeladene Stimme von Frontmann und Gitarrist Ed Seed mischt sich mit den sanften Backing Vocals der beiden Keyboarderinnen. Es macht immer wieder Spaß eine Band zu hören, bei der man merkt, dass die gesamte Band einfach als Komplex funktioniert.

Immer wieder blicken wir in den Songs des Albums in das Alltagsleben der verschiedensten Personen. In “Lose It” hängt der Protagonist jeden Tag in der öden Wohnung rum, lebt sein eintöniges Leben und selbst wenn er die Tür offenlässt, wird nichts geraubt oder sonst etwas Spannendes passiert. In “The Family Business” führen uns Stats den typischen Familienalltag zwischen Liebe und Streit vor.

Absolutes Highlight auf dem Album ist der Song “Rhythm of the Heart” der mit seiner funkigen Bassline selbst den emotionslosesten Im-Club-An-Der-Theke-Steher zum mitwippen bringt. Man fühlt sich zurückversetzt in die Hochzeit der Diskokultur. Und irgendwie fühlt man sich an ein Album erinnert, das ähnlich groovig daherkam – “Trouble in Paradise” von LaRoux. Kein Wunder, denn Stats Ed Seed hat eben bei jenem Album seine Finger im Spiel gehabt, bevor er in Dua Lipas Band gespielt hat und daraufhin Stats gründete. Der Funk kommt also nicht von irgendwoher. Und noch etwas ist besonders an diesem Song und zwar ist der Herzschlag von Seeds neugeborenem Sohn unter den Song gemischt.

Hier oder da kann man natürlich auch mit der ganzen 80s Romantik übertreiben. “Raft” packt die klischeehafte Glitzer Synthie Atmosphäre aus, nach welcher nun wirklich niemand mehr kräht. Auch “A Man Who Makes The Weather”, eine daherleiernde Ballade, die sich über fast 5 Minuten erstreckt, hätte man getrost in der Skizzenschublade behalten können.
Aber vielleicht kommt so etwas dabei heraus, wenn einer Band kreativ keine Zwangsjacken angelegt sind. Auch bei den interessantesten chemischen Reaktionen entstehen hier oder da unerwünschte Nebenprodukte. Aber das Endergebnis, welches hier “Other People’s Lives” heißt, ist trotzdem faszinierend. Und spätestens, wenn einen im Schlusstrack “Never Loved Anyone” fuzzige Gitarren in ganz andere Sphären schießen, dann weiß man woran man ist. Dieses Album ist einfach, um es mit 2000er Jugendsprache zu beschreiben: abgespaced.

Dass es in der Generation Internet noch Kritikerlieblinge gibt, die unter dem Radar fliegen ist ein Wunder. Bei den Jungs und Mädels von Stats sollte man sich aber doch auf das ganze Album einlassen, denn so facettenreichen Electro-pop kriegt man nicht jeden Tag geboten – retro, cool, funky und irgendwie eine Platte die in der Indie Disco genauso gut funktioniert wie zum prokrastinieren im heimischen Schreibtischstuhl.


Label: MEMPHIS INDUSTRIES
Veröffentlicht am: 15.02.2019
Interpret: Stats
Name: Other People's Lives


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