Shoreline – Eat My Soul

Rezensiert von am 22. Juli 2019

       

“Willst du immer weiter schweifen? Sieh, das Gute liegt so nah.” Was Johann Wolfgang von Goethe 1827 feststellte, ist ein Grundsatz der sich auch heute im Musikbusiness bewahrheitet. Manchmal muss man eben gar nicht weit weg um gute Musik zu finden. In diesem Fall können wir sogar gleich in der Stadt Münster bleiben. Hier direkt unter den Studierenden lebt und werkelt die Band Shoreline. Die vier Jungs sind allesamt Studenten an der WWU Münster, von Kommunikationswissenschaft über Humanmedizin. 2015 haben sich die Vier – Hansol Seung (Gesang), Julius Hecht (Gitarrist), Tobias Wiethölter (Bass) und Martin Reckfort (Schlagzeug) – durchs Studium und durchs Internet kennengelernt. Schnell kamen die ersten Auftritte, die in einer eigenen Headlinertour durch Deutschland, Tschechien und Belgien mündeten, und im letzten Jahr dann auch schon die erste EP mit dem Titel “You Used To Be A Safe Place”. Jetzt im Jahr 2019 folgt nun mit Eat Your Soul das lang erwartete Debütalbum der Band. Und die Erwartungen sind nicht enttäuscht worden.

Gleich der Opener Andre The Giant zeigt wo die Band hin will. Treibende Punkrockphasen wechseln sich mit ruhigeren melodischen Parts ab. Dazu die Stimme von Hansol, die auf der einen Seite ruhig und gelassen wirkt und auf der anderen Seite aber die raue schreiende Wildnis des Punks verkörpert. Es wird ein musikalisches Spannungsfeld eröffnet zwischen Punkrock und Post-Hardcore. Dieses zieht sich durch das gesamte Album und macht den musikalischen Kern der Band aus. Gleich in der zweiten Single Hana werden die treibenden Punkelemente etwas vernachlässigt und der Post-Hardcore rückt etwas mehr in den Vordergrund. Das Ergebnis ist schon fast eine Ballade, die es aber immer wieder gekonnt schafft auszubrechen. Dieser Song ist eine Ode an eine geliebte Person. Für Sänger Hansol, der den Song geschrieben hat, ist das seine Schwester, die auch den Namen Hana trägt.
Während Bent / Broken wiederum die Punkelemente in hervorhebt, klingt Thieves wieder mehr nach Post-Hardcore.
So arbeitet sich das Album bis zum heimlichen Highlight hervor. Das ist der Song What Sucks Is Now Hidden… . Auch eher ruhig beginnend, gibt sich der Song selbst durch gut platzierte aber doch überraschende Basstöne eine wunderbar verschrobene Struktur und schafft es im Refrain wieder gekonnt Vollgas zu geben, ohne dabei aber zu sehr punkisch gerotzt zu wirken.
Die bewährte Struktur zwischen ruhigeren Parts und treibenden Beats zieht sich so durch den Rest des Albums, sodass dem Hörer nie langweilig wird. Und im Grunde genommen ist es dieser abwechslungsreiche Kontrast, der es schafft eine unglaubliche Energie freizusetzen und einem bei diesem Album einfach mitfiebern lässt.
Kritisch anzumerken sind an dieser Stelle die Längen der Songs, die sich eher am klassischen Punk orientieren. So ist Hana ist mit 3:40 der schon der längste Song des Albums. Bei vielen Nummern hat man jedoch das Bedürfnis noch länger in die musikalische Struktur eintauchen zu wollen, um diese noch etwas länger zu genießen.

Insgesamt liefern Shoreline ein großartiges, sehr gut produziertes Debütalbum ab. Man kann dem Album anhören, dass es größtenteils auf der Tour der Band entstanden ist und so mit Motiven des Heimwehs und des Fernwehs arbeitet, eingebettet in eine wunderbar kontrastreiche musikalische Struktur. So beschreibt allein das Coverbild, die einsame Tankstelle im Abendgrauen, schon bestens die Stimmung des Albums. Bei so einem gelungen Debütalbum freut man sich schon auf mehr Material der Band in der Zukunft.


Label: UNCLE M
Veröffentlicht am: 12.07.2019
Interpret: Shoreline
Name: Eat My Soul


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