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Litte Dragon – Slugs of Love

Rezensiert von am 10. Juli 2023

       

Schaut man sich mal auf dem europäischen Festland um, woher die international erfolgreichsten Bands und Künstler*innen kommen so bleibt man in Schweden hängen. Zahllose international erfolgreiche Bands und Künstlerinnen wie ABBA, Avicii, Swedish House Mafia, Roxette, Ace of Base, Robyn, Zara Larsson, uvm. machen Schweden zum Mutterland des Pops. Eine weitere Band, die sich in der Reihe erfolgreicher schwedischer Popbands einreiht, beschert uns unser Album der Woche. Die Rede ist Little Dragon. MIt einer kleinen Ausnahme, denn Little Dragon machen Pop, der nicht poppig ist.

Seit 2006 ist die Band aus Göteborg bereits im Geschäft. Bereits zu Schulzeiten lernten sich die vier Musikerinnen Erik Bodin (Schlagzeug und Perkussion), Fredrik Wallin (Bass), Håkan Wirenstarnd (Keyboards) und Yukimi Nagano (Gesang)  kennen. Der Bandname Little Dragon ist eine Anspielung auf die Herkunft der Frontfrau Nagano, die japanische Wurzeln hat. Mittlerweile kann die Band auf eine erfolgreiche Diskografie zurückblicken. So erscheint mit Slugs of Love ihr 8. Studioalbum. Neben der eigenen Band, ist es vor allem Yukimi Nagano, die schon erfolgreich auf Features mit Drake oder den Gorillaz zu hören war. 

Auf ihrem neuesten Machwerk, touchieren sie unterschiedlichsten Sub-Genres der elektronischen Musik und kombinieren diese immer wieder geschickt mit eingängigen Pop-Hooks. Im Gegensatz zu Popsongs die klassisch nach Schema F – Intro-Strophe-Bridge-Refrain (und das ganze nochmal) – aufgebaut sind, missachten Little Dragon diesen Aufbau hier bewusst und schaffen ihren ganz eigenen Songaufbau. Nicht selten fragt man sich am Ende eines Songs “Nanu, wie bin ich denn hier hingekommen?”. Dieser Kniff kombiniert mit der Genrevielfalt, den spannend eingesetzten Soundelementen wie Glocken, Saxophon oder Pfeifen und der entspannenden Grundstimmung, sorgt für ein abwechslungsreiches Album, bei dem es sich lohnt genauer hinzuhören. 

Gleich der Opener Amöban ist das beste Beispiel. Die Amöbe an sich hat nichts mit dem Song zu tun. Sondern bevor die Band einen Song aufnimmt, benennen sie die Arbeitstitel nach Tieren. Der Arbeitstitel ist dann einfach geblieben, auch nachdem der Song fertig war. In Amöban warten am Anfang gleich ein entspanntes Pfeifen, welches irgendwann mit einem Beat unterlegt wird, der dem Genre Jungle zuzuordnen ist. Inhaltlich geht es auf die Metaebene und behandelt der Song das Songwriting als zentrales Thema. 

Es folgt der Track Frisco, eine Art Disco-Track, der vom Vibe her allerdings eher an die Discosongs der frühen 2000er, wie Lola’s Theme oder Can’t get you out of my head erinnert. Das allerdings auf eine deutlich entspanntere Art. Das hier ist einer dieser Tracks, bei dem wir es ab knapp der Hälfte auf einmal mit einem ganz anderen Song zu tun haben. So endet der Song eher in einer House-Nummer. 

Der albentitelgebende Track Slugs of Love schließt sich an. Passend zum Thema der sich liebenden Nacktschnecken bietet hier das Saxophon – in der musikwelt spätestens seit Careless Whisper als das erotischste Instrument bekannt – die Perfekte untermalung für den Song. Disco Dangerous ist zum gleichen Zeitpunkt entstanden wie Frisco. Hier wird allerdings eher eine Hommage an die frühen Zeiten der Discomusik mit einer Note Soul  a la Barry White gesetzt. Lily’s Call ließe sich auf Deutsch als Ruf der Lilie übersetzen und stellt die Sterblichkeit des Menschen in den Vordergrund. Vom Vibe her könnte sich der elektrisch pulsierende aber düstere Sound perfekt in den Drive-Soundtrack (den Film mit Ryan Gosling) einreihen. Auf Stay wartet dann ein besonderes Feature, nämlich der Rapper JID. Tatsächlich kannten sich Little Dragon und JID vor der Aufnahme des Songs gar nicht persönlich. Aber von der Musik von JID beeindruckt, schrieb die Band diesen auf Instagram an und der war für ein Feature gerne bereit. Musikalisch erinnert der Song klar an den Lenny Kravitz Klassiker It ain’t over til it’s over. Wobei gerade der Rappart von JID dem Song nochmal eine andere Richtung gibt. Der nächste Song Gold reist gleich mit seinem treibenden Drum-Groove in seinen Band. Thematisch geht es darum, sich reich zu fühlen, in dem man einfach nur mit Liebe erfüllt ist. Die Glocken sorgen in dem Song noch für das extra Überraschungselement. 

Der Track Kenneth ist wieder ein Arbeitstitel, der nach einem Freund der Band benannt ist. Hier versucht sich die Band nun im Off-Beat und erschafft einen Dub-Groove, der sich durchaus hören lassen kann. Der Song Glow hat einen ganz prominenten Namen mit an Bord: Damon Albarn. Der Blurfrontmann und Gorillazerfinder, bekommt einen besonderen Part in dem Song. Ungewohnt die Stimme Albarns mit so viel Autotune belegt zu hören, aber irgendwie passt es auch ganz gut in den Song. Mit Tumbling Dice wartet zuletzt noch eine Nummer, die nach Aussage der Band mit dem Sound der 90er flirtet. Nett aber doch eher unspektakulär. In diese Beschreibung von Songs muss sich leider auch der letzte Track Easy Falling einordnen. Irgendwie ist dieser Track aber auch notwendig um am Ende gelalnt aus dem Album herausgeführt zu werden. 

Little Dragon schaffen es mit Slugs of Love eine Hommage an verschiedene Stilrichtungen und Künstlerinnen zu schaffen und können dabei mit interessanten Songaufbauten und spannenden Stilelementen begeistern. Die zunächst spannend klingenden Features sind leider nicht unbedingt ideal in die Songs eingebaut, sondern wirken leher etwas merkwürdig und nicht unbedingt direkt zu den Songs passend und auch das Ende des Albums wirkt etwas uninspiriert. Abgesehen davon ist das Album eine absolute Hörempfehlung. 

rezensiert von Moritz Meyer


Label: Ninja Tune
Veröffentlicht am: 07.07.2023
Interpret: Little Dragon
Name: Slugs of Love
Online: Zur Seite des Interpreten.


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