Lande Hekt – Lucky Now
Rezensiert von Nataly Gehrke on 5. Februar 2026
Die Frühlingssonne scheint zärtlich auf meiner Haut. In der Luft liegt ein Duft von frischen Blumen und grünem Gras, das im leichten Wind hin- und her schwenkt– ein bisschen so, als würde es tanzen. Vögel zwitschern und vor den vielen Cafés, an denen ich mit meinem Fahrrad vorbeifahre, sitzen Menschen, die miteinander reden und lachen. Nach kalten Wintertagen wacht die Natur langsam wieder auf. Ganz vorsichtig, ganz sanft, aber mit großer Wirkung. Genauso fühlt sich auch das Album Lucky Now von Lande Hekt an.
Die britische Sängerin und Songwriterin veröffentlicht am 30. Januar ihr drittes Solo-Album unter dem Label Tapete Records und läutet damit etwas verfrüht den Frühling ein. Musikalisch liefert Lande Hekt mit den 11 Songs auf Lucky Now ein zartes Indie-Pop-Album, das zeigt, dass sie zwar ihren Sound gefunden hat, sich und ihrer Musik jedoch trotzdem weiterhin Raum zum Atmen und vor allem zum Wachsen gibt. Einflüsse des Twee-Pops und des rockig angehauchten Jangle-Pops der 1980er Jahre sind ebenso unverkennbar wie die Ehrlichkeit, die in Hekts Texten schon immer ihren Platz fand. So waren Hauptthemen in ihren 2021 und 2022 veröffentlichten Alben vor allem ihre eigene queere Identität und die Aufarbeitung von Kindheitstraumata. Und auch auf Lucky Now schafft Lande Hekt es, schwere Themen wie Verlustängste und – in ein Gewand aus Leichtigkeit zu verpacken, das ganz leise flüstert ”Du bist nicht allein!”. Dass ihre Songs so persönlich sind sehen nicht nur ihre Hörer*innen als Stärke; die Sängerin selbst zieht auch selbst sehr viel Positives daraus, so offen über ihre Probleme zu sprechen. So sagt sie einmal scherzend in einem Interview mit dem AtWood Magazine:
Dieser Tagebuch-Charakter findet sich bereits direkt zu Beginn des Albums, wo der erste Track Kitchen ii schon fast wie eine Art Brücke fungiert, welche die bisherige musikalische Geschichte von Lande Hekt mit ihrem neuen Album verbindet. Er ist die Fortsetzung ihrer 2020 erschienenen Single Kitchen. Wo vorher zwischen Ängsten und Zweifeln nur eine ganz zaghafte Zuneigung ihren Platz fand, ist Kitchen ii eine eindeutige Liebeserklärung an eine Partnerschaft, die anfängliche Unsicherheiten überwinden konnte. Die Küche wandelte sich von einem Ort des Zweifelns und der Verängstigung zu einem sicheren, mit Wärme gefüllten Raum. Und auch musikalisch ist diese Veränderung deutlich zu hören. Während Kitchen einen einseitigen Dialog mit männlichen Background Vocals auf eher langsamer Gitarre präsentiert und dadurch beinah melancholisch wirkt, ist Kitchen ii ein wenig schneller. Der Song spielt mit wechselnden Tempi, einem funky Bass und einer Stimme, der man das Lächeln anhört und wird dadurch zu einer musikalischen Verkörperung des Gefühls, sich bei einer Person voll und ganz sicher und angekommen zu fühlen.
Lande Hekt hat noch nicht immer alleine Musik gemacht. Bevor sie ihr Soloprojekt startete, sang die Britin für die Punk-Rock Band Muncie Girls. Gemeinsam veröffentlichten sie zwei Alben zwischen 2016 und 2018. Mit ihrem Ablösen von der Band wollte die Sängerin sich auch zunächst vor allem auch von der starken politischen Thematik der Texte ablösen und etwas persönlichere Geschichten mit ihren Liedern erzählen. Auf Lucky Now finden sich nun aber wieder ein paar Songs, die auch politische messages beinhalten, denn Hekt hat für sich verstanden, wie wichtig es ist, die eigene Stimme zu nutzen, wenn man die Möglichkeit dazu hat. Zudem sei ihr Leben durch ihre eigene Queerness sowieso grundlegend politisch, sagt sie im Interview, und sich vor der Auseinandersetzung mit Politik zu verschließen, sei gefährlich. Der Song Circular verbindet im Zuge dessen eigene Existenzängste mit dem Gefühl von Machtlosigkeit angesichts politischer und sozialer Strukturen.
Verbunden mit dem für Lande Hekt typischen Indie-Sound, der den Song, mit präsenter E-Gitarre und starkem Bass kombiniert, zu einem der lauteren Tracks des Albums macht, zeigt er deutlich die Entwicklung, die die Sängerin sowohl musikalisch als auch persönlich in den letzten Jahren gemacht hat. Sie selbst sagt, das Lucky Now sei das Ergebnis eines Versuchs, weniger auf Erwartungen vom Außen zu schauen und sich voll und ganz darauf zu konzentrieren, dass sie sich und ihre eigenen Werte in ihrer Musik wiederfindet. Und das sei ihr geglückt.
Der Schreibprozess von Lucky Now war für Lande Hekt nicht nur von viel Wachstum, sondern auch von einem Umzug geprägt. Nach einigen Jahren in Bristol kehrt sie zurück in ihre Heimatstadt Exeter, worauf basierend der letzte Song des Albums, Coming Home, entstand. Mit fröhlichen Tönen erzählt er von dem Gefühl, nach langer Zeit in ein gewohntes Umfeld zurückzukehren und davon, wie sie zwischen altbekannten Gesichtern und Gerüchen noch immer ein Zuhause findet. Es ist der Abschluss einer aufregenden Zeit und gleichzeitig der Abschluss eines Albums, das vom Zurückkehren und vom Ankommen spricht. Egal, ob an Orten, in Beziehungen oder in sich selbst. Das Gefühl von Geborgenheit wird durch Lande Hekts sanfte Stimme und die Ehrlichkeit ihrer Texte zu einer tragenden Konstante auf Lucky Now und macht das Album selbst zu einem Ort des Ankommens.
Label: Tapete Records Interpret: Lande Heckt Name: Lucky Now Coverbild: Lande Hekt