Girl Ray – Girl

Rezensiert von am 24. November 2019

       

“Now when we play it is like a delicious meal, just the perfect mix”: Das sagt Leadsängerin Poppy Hankin über Ihre Band „Girl Ray“. Sollte die Nord-Londoner Girlband das Rezept für ihr neues Album „Girl“ noch haben, so sollten die drei dies hermetisch unter Verschluss nehmen. Nachdem Girl Ray, bestehend aus Poppy Hankin (Gesang und Gitarre), Iris Mc Connel (Schlagzeug) und Sophie Moss (Bass), 2017 Ihr Debüt-Album „Earl Grey“ veröffentlichten, erscheint nun das zweite Album des Trios, produziert von Ash Workman („Metronomy“, „Christine and the Queens“). Und eines vorweg: Hinter dem unscheinbaren Namen des Albums „Girl“, scheint sich ein wahrer Paradigmenwechsel der Girl-Band zu verbergen. Doch der Reihe nach: 

Kennengelernt haben sich Girl Ray in einer Nord-Londoner Schule. Kurz darauf erschien 2017 dann ihr Debut-Album „Earl Grey“ (bereits im aktuellen Label „Moshi Moshi“ erschienen). Eine Platte, geprägt von Gitarren lastigem, experimentellem Indierock. Nun, 2019, nur zwei Jahre später, scheint die junge Band mit Ihrem Zweitalbum gleich mehrere Entwicklungsschritte übersprungen zu haben. An Selbstbewusstsein kaum zu überbieten, wagt die Band mit „Girl“ den Sprung in das übervolle Haifischbecken des Pops.  Und erweitert dieses mit lässigem Augenzwinkern gleich mal um ein paar neue Impressionen. So schafft die Band es Lo-Fi-Indiepop mit Funk, Synthies, R&B und Reggea zu kombinieren. Doch nicht nur die Genres werden einmal durch den Mixer gehauen, auch Emotionen werden gekonnt angesprochen und eine scheinbar unmögliche Koexistenz von Melancholie und Euphorie geschaffen. Wohlbemerkt spielen die drei jungen Frauen alle Instrumente selbst und schaffen es trotz der eher klassischen Instrumentierung eine Vielfalt an Sounds entstehen zu lassen, die man in den Lyrics jedoch streckenweise vermisst. Selbst beschreibt das Trio Ihre Songtexte als Antwort auf „Dear-Diary-Themen“. Und tatsächlich bekommt man bei genauerem Hinhören den Eindruck man würde eine (zugegeben extrem gut komponierte) Version des Tagebuchs von Miley Cyrus hören. Gleich den ersten Song des gleichnamigen Albums „Girl“ eröffnen die jungen Frauen mit den Worten: „I got a lot of love to give. You’ve got a lot of love to give“

Musikalisch greift der Song jedoch deutlich tiefer und brennt sich, begleitet von klug eingesetzten Handclaps, fast schon hymnenartig in das Gedächtnis der Hörer.
Parallelen mit tanzbaren Indipop-Songs der Gruppe „Haim“ lassen sich zudem im Song „Just down the Hall“ erkennen. Hier zeigt das Trio einmal mehr, dass sich Club-Beats mit melancholischem Gesang verbinden lassen.
Einen perfekten Abgleich der soften Stimme Poppy Hankins mit den konträren Klängen des R&B-Genres bietet der Song „Takes Time“. Hier flowt Gaststar „PSwuave“ auf technisch hohem Niveau gekonnt zu Synthie-Klängen.

Girl Ray verabschiedet sich mit dem letzten Song „Like the Stars“ von dem Album. Dieser kommt, von Flöten und Gitarren umbunden, fast schon balladenartig daher und fügt sich somit in jede musikalische Lücke, die das Album bis hierhin noch offenließ.

Rezensiert von Joshua Scherer


Label: Moshi Moshi Records
Veröffentlicht am: 22.11.2019
Interpret: Girl Ray
Name: Girl
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