Blossoms – Foolish Loving Spaces

Rezensiert von am 3. Februar 2020

       

Eine Gruppe von Woodstock-Hippies aus den 70ern, die in den 90ern geboren sind, den Synth-Pop der 80er für sich entdeckt haben und das Ganze in den 2020ern veroffentlichen – Treffender lässt sich die Band Blossoms wohl kaum beschreiben. Auf ihrem nun erschienenen Album “Foolish Loving Spaces” ist es gerade aber dieser Mix der Jahrzehnte, der irgendwie für einen besonderen Charme sorgt.

Die Band Blossoms stammt aus dem Ort Stockport in Großbritannien in der Nähe von Manchester. Hier trafen sich 2005 während eines Schulausflugs die beiden Musiker Tom Ogden und Joe Donovan und befreundeten sich. Mehrere Jahre zogen ins Land ehe sie im Jahr 2013 mit Charlie Salt, Mike Dewhurst und Myles Kellock die Band Blossoms gründeten. Fast gruselig scheint schon die Tatsache, dass alle Musiker im selben Krankenhaus geboren wurden und alle nur innerhalb von 3 km gemeinsam aufwuchsen, ohne sich jahrelang wirklich zu kennen. Als Probenraum diente in diesen Anfangstagen der Gerüsthof von Charlie Salts Großvater und der Bandname wurde eben vom Pub nebenan geklaut. Musikalisch konnte die Band schnell Erfolge feiern und veröffentlichte im Jahr 2016 ihr Self-Titled Debütalbum. Noch im selben Jahr war die Band auf der BBC Sound Of 2016 List zu finden und war für den Mercury Music Prize 2017 nominiert. 2018 folgte das zweite Album “Cool Like You”. Ehe wir nun im Jahr 2020 beim dritten Album der Band angekommen sind “Foolish Lovin Spaces”.

Bei diesem Album wartet vor allem eine Sache auf uns und das ist eine gehörige Portion Liebe. Fast schon so viel Liebe, dass man sich doch schon fast Fragen muss, ob nicht ein Releastermin zwei Wochen später am Valentinstag sinnvoller gewesen wäre. Es gibt keinen Song auf dem Album der nicht von diesem Thema dominiert ist. Der Opener des Albums “If You Think This Is Real Life” bildet noch fast den unliebevollsten Song (in Bezug auf die Thematik) des Albums. Hier geht es eher darum, dass die perfekte Liebesbeziehung nicht existiert und dass jeder der das denkt am wahren Leben vorbeiläuft. Musikalisch fallen die Blossoms dabei gleich mit der Tür ins Haus. Hier ist kein großes musikalisches Intro angesagt, sondern der Gesang startet direkt gemeinsam mit knallenden Synthies wie sie in den 80ern nicht besser hätten verwendet werden können. Dann übernimmt ein poppiger funkiger Groove, der den Zuhörenden durch den Song treibt. Etwas smoother kommt dann der folgende Song “Your Girlfriend” daher. Eine Eifersuchtsballade auf einen Freund aufgrund seiner tollen Freundin. Der klassische Liebessong findet sich dann in The Keeper wieder. Musikalisch würde dieser Song mit seinem folkig angehauchten Wandergroove perfekt in einen Romantic-Comedy-Film an die Stelle passen, wenn in Zeitraffer eine Routinetätigkeit des Protagonisten dargestellt wird, wie beispielsweise regelmäßiges Daten oder das stundenlange Spazierengehen durch einen sommerlichen Wald. Das Album bewegt sich so weiter auf und ab zwischen vergangener Liebe (My Swimming Brain, Sunday Was A Friend Of Mine, Romance,Eh? und neuer Liebe (Oh No (I Think I’m in Love), Falling For Someone, Like Gravity) ohne dabei seinen synthiegeleiteten Indierock aufzugeben, mal etwas modern poppiger mal etwas 70er retromäßig. Leider rutscht dann dabei die eine oder andere Nummer doch manchmal sehr in die Belanglosigkeit ab. Eine kleine Ausnahme aus diesem Zirkel bietet der Song Vacant Days, der deutlich puritanistischer und natürlicher daherkommt, dank reduzierter Instrumentalisierung und sich auch thematisch nicht so eindeutig festlegen lässt und somit noch einmal zum kleinen Highlight der Platte wird.

Insgesamt schaffen Blossoms mit Foolish Loving Spaces ein sehr glatt geschliffenes Album, dass sich komplett der Liebe widmet. Sie können aber immer wieder durch eingängige Melodien begeistern in einem 80er Synthieindiepoparrangement in dem vor allem Fans von The 1975 oder Sam Fender auf ihre Kosten kommen dürften.


Label: CAROLINE INTERNATIONAL
Veröffentlicht am: 31.01.2020
Interpret: Blossoms
Name: Foolish Loving Spaces
Online: Zur Seite des Interpreten.


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