ATZUR – humble
Rezensiert von Nataly Gehrke on 12. Februar 2026
“Es un álbum que busca ir a lo auténtico, a lo que somos, sin todas estas capas de prejuicios ni inseguridades impuestas.“
– Es ist ein Album, das sich auf die Suche nach dem Authentischen macht. Nach dem, was wir sind – ohne all die Schichten von Vorurteilen oder auferlegten Unsicherheiten.
Die Entstehungsgeschichte der Band um Patricia und Paul ist eine Liebesgeschichte der anderen Art, denn ursprünglich kennengelernt haben sich die beiden auf einer Datingplattform. Eine romantische Beziehung entstand dabei zwar nicht, dass sie beide eine Leidenschaft für Musik teilten, wurde aber schnell schnell klar. Sie gingen zusammen auf Konzerte, redeten viel über und durch Musik und entwickelten ein tiefes Verständnis füreinander. Paul spielte zu diesem Zeitpunkt schon in einer Band, während Patricia ihre Musik noch für sich behielt, doch es ging schnell, dass der Östereicher und die Spanierin anfingen, gemeinsam an eigenen Songs zu arbeiten. 2019 veröffentlichten sie Death of the Sun– ihre erste Single als ATZUR. Vier Jahre später folgte dann ihr erstes Album Strange Rituals, das dem Duo Tour-Supports für Giant Rooks oder Algiers verschaffte. Es ist geprägt von viel Schmerz und Trauer. Weitere drei Jahre später hebt sich Humble nun nicht nur musikalisch, sondern vor allem auch thematisch vom Debütalbum ab. Wo Strange Rituals traurig und zurückhaltend ist, ist Humble wütend und laut. Es ist wie ein wieder aufgeflammtes Feuer, das innerhalb einer halben Stunde mit zehn Songs Zweifel niederbrennt und Platz für Zuversicht und Selbstvertrauen schafft.
Für ATZUR war es mit Humble an der Zeit, andere wichtige Themen anzusprechen. Nach einer negativen Erfahrung mit ihrem Ex-Manager wollten sie sich nicht mehr eingrenzen lassen; weder von Menschen innerhalb der Industrie, noch von den Erwartungen ihrer Fans. Sie haben alles natürlich geschehen lassen – den Songs die Luft zum Atmen gegeben, die sie gebraucht haben. Was dabei entstand ist ein Album, das Genre-Grenzen sprengt. Humble ist irgendwo zwischen Pop, Elektro, Balladen und Partybangern. Und neben all der musikalischen Abwechslung steht ein Thema besonders im Vordergrund: Seinen eigenen Wert erkennen. Ein Song, dem von Sängerin Patricia dabei besondere Bedeutung zugeschrieben wird, ist der 7. Track hate me. Erst auf englisch, dann auf Spanisch verkörpert er für sie die eigene Erkenntnis, zu wissen, was sie will: Wachsen. Es war ein langer Weg dahin, aber sie weiß jetzt, wer sie ist und wo sie hinwill und vor allem, dass Veränderung dabei eine maßgebliche Rolle spielt. Sie versteht Humble als Momentaufnahme jener Menschen, die die Musiker*innen gerade sind und hat dabei weder die Anspruchshaltung, sich für immer damit zu identifizieren, noch alle Menschen damit zu erreichen. Sie kommt mittlerweile gut damit klar, nicht gemocht zu werden.
Das beschreibt auch der Albumtitel selbst: Humble – bescheiden. Aber nicht aus einem arroganten Blickwinkel, sondern aus einem, der sagt: “Ich kenne meinen Wert.” Übertragen auf die Rolle der Band sagt es aber auch, dass es okay ist, dass sich nicht alle mit ATZURs Musik identifizieren können. Diese Anspruchshaltung hat die Band eingetauscht, als sie bemerkten, wie viel ihre Musik für jene bewirkt, die sich in ihren Texten oder Melodien finden. Durch Live-Auftritte, den Kontakt zu Fans und Menschen, die durch ihre Konzerte zu Fans wurden, wurde ATZUR noch klarer, was sie eigentlich schon immer wussten: Ihre Musik ist nicht für die Massen gedacht, sondern für die Menschen. Das war auch der einzige Anspruch, den sie an ihr neues Album hatten: Es soll Menschen erreichen und es soll tanzbar sein. Und das sind definitiv einige Songs auf Humble. Mein persönlicher Favorit ist dabei der Track Mutual Obsession.
Es ist ein Liebeslied, aber an wen genau, bleibt unklar: An eine Person, an die Nacht, ans Tanzen oder vielleicht auch an alles gleichzeitig. Durch die Mischung aus englischen und spanischen Lyrics, die eingebetet von elektronischen Beats und Synthesizern über die Tanzfläche schweben, verkörpert Mutual Obsession das Gefühl einer Clubnacht, die einen unbeschwert fühlen lässt. Egal, ob auf voller Lautstärke mit Kopfhörern durch die Wohnung tanzend oder mit Freund*innen auf einer Party.
Humble ist kein Album, das versucht, irgendetwas zu sein. Es ist einfach. Es ist mal Sonnenschein und mal Sternenglanz, mal ganz zärtlich und mal ganz kraftvoll. Mal auf englisch und mal auf spanisch. Mal ganz deutlich und mal mit ganz viel Raum für Interpretation. Es ist Teil des Wegs des österreichisch-spanischen Musiker*innen-Duos ATZUR, keinesfalls aber das Ende dessen. Eine Momentaufnahme, die vom Scheitern und von Wachstum erzählt und die ganz intime Einblicke in das Leben zweier Künstler*innen bietet, wie nur Musik es zu schaffen vermag. Ein Mantra, dass an die Schönheit von Veränderung appelliert.
Label: The Holy Cow Records Veröffentlicht am: 06.02.2026 Interpret: ATZUR Name: Humble