Warum ist die Wahlbeteiligung so niedrig?

Die Wahlbeteiligung an der Uni ist chronisch niedrig. RadioQ-Reporterin Ida Forbriger hat Studierende und Liam Demmke vom Öffentlichkeitsreferat des AStA gefragt, warum das so ist.

17 % der Studierenden haben letztes Jahr gewählt - und je niedriger die Wahlbeteiligung, desto schwieriger lässt sich die Legitimität von Hochschulgremien begründen. Wie hoch die Beteiligung dieses Jahr sein wird, erfahren wir Freitag Nacht. Am Dienstag Abend lag sie bei 8,98% (3834 Studierende) - das ist minimal mehr als letztes Jahr am Dienstag, aber bis zu den 20%, die mindestens erreicht werden sollen, ist es noch weit.

Warum gehen Studierende nicht zur Wahl?

  • "Ich weiß nicht ob es besser ist, wenn man gar keine Ahnung hat, zu wählen oder nicht zu wählen? Und ich muss auch sagen, dass ich die Studierendenwahl nicht so relevant finde."
  • " Ich hab eine leichte Reizüberflutung, weil mir wurden auch tausend Zettel in die Hand gedrückt..."
  • "Wenn ich was Vernünftiges finde, dann wähle ich - und wenn nicht, dann nicht."
  • "Weiß ich noch nicht. Warum? Ich kenne die Wahlprogramme noch nicht genau genug. Ich hab nur ein paar Flyer gelesen und es klang vieles zu ähnlich, zu ungenau, als dass das was bringen würde."
  • "In Anbetracht dessen, dass wir erst im ersten Semester sind und ich die ganzen Leute noch nicht kenne und noch nicht weiß, wer was vertritt, macht es für mich keinen Sinn. In den nächsten Semestern kann man dann mal schauen."

Das sagen Studierende, die nicht wählen gehen oder sich unsicher sind, ob sie wählen gehen wollen. Es geht um ein Zuviel an Flyern und ein Zuwenig an Information, darum, dass nicht klar ist, wofür die einzelnen Kandidat/-innen stehen. Manche sagen aber auch, dass die Uniwahlen nicht so relevant sind und die Themen sie nicht ansprechen.

Die Gründe für die Wahlbeteiligung

Das Problem besteht nicht erst seit kurzem, seit Jahren ist die Wahlbeteiligung gering. Der AStA hat letztes Jahr schon eine Kampagne zur Mobilisierung von Studierenden bei der Wahl organisiert - und trotzdem ist die Wahlbeteiligung gesunken. Liam Demmke vom Öffentlichkeitsreferat des AStA sagte uns, der AStA vermute intern, das Wetter sei letztes Jahr so gut gewesen, dass viele Studierende sich gar nicht mit den Wahlen aufhielten.

Der einzige Grund ist das aber nicht - Liam spricht auch die gesamtgesellschaftliche Situation an, die vielbesungene Politikverdrossenheit:

"Ich glaube in den 70ern, 80ern was es noch viel verstärkter, dass man an der Uni auch wirklich politisch war, wahrscheinlich auch wirklich links war [...]  Das muss man wahrscheinlich einfach abwarten, wie sich die politische Lage verändert  und wir tun natürlich unser Bestes um Studis auch so zum Wählen zu bewegen. [...] Ich glaube, dass viele Studierende nicht wissen, welche Gremien es so gibt und was die so machen - aber da versuchen wir dieses Jahr mehr zu machen."

Dafür hat der AStA eine Kampagne gestartet. Es geht dieses Jahr vor allem um Information: Der AStA macht Wahlaufrufe vor Vorlesungen, hat Banner an zahlreichen Orten in der Stadt aufgehängt, fährt eine Social Media Kampagne und hat ein Erklärvideo erstellt. In dem Video wird die Wahl der Gremien und ihre Tätigkeit verständlich erklärt.

Mit Gewinnspiel Wähler locken?

Neu ist in diesem Jahr vor allem das Gewinnspiel des AStA - wer wählen geht, darf sich ein Los mitnehmen. Die Gewinne reichen von der Heißluftballonfahrt über den Thermobecher bis zum Mensaguthaben. In der Woche nach der Wahl will der AStA die Gewinnzahlen bekanntgeben. Die Gewinne sponsorn lokale Unternehmen und Organisationen. Beim AStA fallen hier nur Kosten für Plakete und Infomaterial an. Die gesamten Kosten für die Kampagne liegen, so Liam, im niedrigen vierstelligen Bereich. Vor allem die Kampagne auf Facebook schlägt hier ins Gewicht.

Materielle Anreize schaffen, damit mehr Studierende wählen gehen? Damit wird das Problem kaum gelöst. Denn auch in den Strukturen der Unipolitik liegen Gründe dafür, dass Studierende die Wahlen "nicht so relevant" finden, sagt Liam:

"Hochschulpolitik beschäftigt sich meiner Meinung nach zu viel mit Interna, also Geschäftsordnungsdebatten, Debatten darüber, wann welches Protokoll irgendwo erschienen ist - das ist natürlich wichtig, der Transparenz wegen, aber ich glaube, dass es viel drängendere Fragen gibt, die die Studis wirklich bewegen und interessieren."

Das kann, jenseits von fehlender Information und Desinteresse als Aufruf an Hochschulpolitiker/-innen verstanden werden, sich mehr auf Inhalte zu konzentrieren.

Die niedrige Wahlbeteiligung ist ein riesiges Problem - andere Studierende sagen aber auch:

  • "Ich gehe auf jeden Fall wählen, weil Wählen ein Recht ist, das uns gegeben wurde und das sollten wir auch im Kleinen wahrnehmen."
  • "Natürlich gehe ich wählen - das ist sehr wichtig, wir wollen ja auch, dass unsere Meinung vertreten wird."

Am Freitag nach der Auszählung werden wir wissen, wie hoch die Wahlbeteiligung dieses Jahr sein wird. Radio Q wird im Institut für Soziologie bei der Auszählung dabei sein - kommt also vorbei, oder verfolgt die lange Wahlnacht auf Radio Q!

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Alle Infos zur Wahl findet ihr auch hier.


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