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Zu hören in Münster 90,9 MHz Steinfurt 103,9 MHz

Nothing but Thieves – Stray Dogs

Rezensiert von on 8. Oktober 2026

       

„Stray Dogs“ ist eine Ode an die Außenseiter und an die Veränderung, die entsteht, wenn man seinen eigenen Weg geht und dabei die richtigen Menschen findet.

Das 5.Studioalbum von Nothing but Thieves feiert den Individualismus nicht als etwas, das Menschen voneinander trennt. Es geht darum, seine Leute zu finden, mit denen man anders und individuell sein kann und die in dieser Verschiedenheit zu einer Einheit werden. Denn nur gemeinsam entsteht etwas Größeres. 


So wie der Bandname bildet auch „Stray Dogs“ den Auftakt des Albums. Streunende Hunde stehen für Unabhängigkeit, Unangepasstheit und Echtheit. Sie gehören nicht selbstverständlich irgendwie hin, sondern ziehen durch die Welt und suchen ein Rudel, zu dem sie sich verbunden fühlen. “Dreaming like a stray dog” singt Lead Sänger Conor Mason hier in der Hook. Der Song eröffnet das Studioalbum mit von der Band bekannten metallischen Klängen und Drums. Es geht um Zusammenhalt, sich durch die Straßen treiben zu lassen und die Energie, die durch jeden in dieser Einheit fließt. Es ist ein starker Opener, der eine mystische Atmosphäre erzeugt und die Band deutlich als zurückgekehrt ankündigt. 


Direkt im Anschluss geht es mit „Testosterone“ und intensiven Gitarrenklängen weiter. Das Herzstück des neuen Albums ist dabei die neue Fairlane Zephyr, die den Sound an vielen Stellen prägt und ihm eine ganz eigene Note verleiht. „Testosterone“ ist energetisch, macht Spaß und spielt gleichzeitig mit dem Thema toxische Männlichkeit. Songwriter Joe Langridge-Brown erklärte gegenüber The Circle, dass der Song zwar zunächst wie typische „Bro-Musik“ klinge, dieses Verhalten aber gerade kritisieren soll.
Die Band präsentiert sich als Einheit – als Pack. Die fünf Mitglieder brauchen einander, um die Musik so lebendig erscheinen zu lassen. Jeder hat seinen Anteil daran. Die Band spricht davon, dass es sehr wohltuend sei, sich nach einer langen Zeit, in der man sich über Individualität definiert hat, zu erkennen, wie viele gute Dinge geschehen, wenn man die richtigen Menschen trifft. Auch, dass man aus Fehlern lernt, die den eigenen Weg prägen.
Genau das Gefühl will die Band auf der Bühne und auf dem Album erzeugen. Es soll sich wie ein Live-Konzert anfühlen. Denn das elektrisierende Gefühl der Live Auftritte soll so auch die Menschen auf dem Album erreichen. Das Konzert soll zu einem geteilten Erlebnis werden. Das wird besonders durch Zwischenrufe in den Songs erzeugt, die genau diese Essenz einfangen sollen. 


Elektrisierend wird es auch bei Songs wie „AI.Jesus“. Hier gehen Nothing But Thieves musikalisch und inhaltlich deutlich härter zu Werke. Der Song ist gesellschaftskritischer als viele andere Stücke des Albums und spielt fast schon weniger ironisch mit der Vorstellung eines „AI Jesus“, der die Antwort auf alle Fragen kennt und den Menschen als eine Art Heilsbringer erscheint. Dahinter steckt die Frage, ob Menschen nicht schon immer nach einer Instanz gesucht haben, die ihnen Sicherheit gibt und ihnen die Last des eigenen Denkens abnimmt? Sie erkennen die Gefahr der künstlichen Intelligenz, dass Menschen immer mehr Verantwortung abgeben und sich führen lassen. Gleichzeitig greift der Song auch aktuelle gesellschaftliche Probleme wie die Wohnungskrise auf. “Don’t feel a thing, but we’re entertained“ bringt dabei eine kalte und entfremdete Welt zum Vorschein. Das machen verzerrte Sounds und harte Klänge spürbar.

Doch Nothing But Thieves begegnen diesem Gefühl nicht mit dieser Distanz, sondern mit Musik, die selbst rau, und spürbar ist.
Das zeigt sich auch in “Baby Kool (Evelyn)”, einer Ode an Evelyn. Hier zeigt die Band einen eher weichere Klänge, die ein bisschen an 5 Seconds of Summer erinnert. Der Song flowt, die Harmonien stimmen und der Song fühlt sich leicht an. Gleichzeitig spielt die Band mit Tempowechseln und schafft dadurch Dynamik. Und natürlich darf auch das klassische Rockband-Motiv nicht fehlen: Damit widmen sie den Song einer einer Frau darüber, wie cool sie ist. 


Doch „Stray Dogs“ zeigt auch die poppigere Seite der Band. In „Evolution“ geht es um Veränderung, Selbstfindung und Weiterentwicklung. Veränderung erscheint dabei nicht als etwas, dem man entkommen kann, sondern als notwendiger Bestandteil des Lebens:

Begegnungen mit anderen Menschen können diese Entwicklung immer wieder beschleunigen und uns zu anderen Menschen machen. All das ist Thema des gesamten Albums.
Dass Nothing But Thieves nicht nur harte Rocksongs beherrschen, sondern auch Balladen und emotionale Stücke schreiben können, zeigt „I Needed You Then, I Need You Now“. Hier steht vor allem die Stimme von Conor Mason im Mittelpunkt. Für die Aufnahme wurde seine Gesangsstimme auf Band aufgenommen, anschließend wurde die Geschwindigkeit reduziert und damit auch die Tonhöhe abgesenkt. Dadurch entsteht ein ungewöhnlicher Klang. „I watched the change, I watched me change from the start“. Auch hier wird wieder das Motiv der Veränderung aufgenommen, dass Veränderung unabdinglich ist und die Beziehung von zwei Menschen verändern kann.

 
Auch das Ende des Albums bleibt emotional. „A Different Kind of Happiness“ ist eine fast balladenartige Unterhaltung des gegenwärtigen Ichs mit seinem zukünftigen und vergangenen Selbst. Es geht um die Erkenntnis, dass das eigene Leben andere Wege einschlagen kann, als vorgesehen und dass man darin trotzdem sein eigenes Glück finden kann:

Der Song lässt dabei Raum für die Möglichkeit, dass es nicht den richtigen Weg zum Glück gibt. Selbst nach Phasen von Trauer und Depression bleibt die Hoffnung, eine ganz andere Form von Glück zu finden. „Stray Dogs“ ist damit ein guter Einstieg in die leichtere Seite von Rockmusik. Denn abseits der teilweise tiefgründigen Texte über Veränderung, Freundschaft und Gemeinschaft vermitteln die Songs vor allem eines: ein Comfort-Gefühl. Das Album wirkt modern, spielt mit Pop und Rock und experimentiert mit unterschiedlichen Sounds.
Es lässt Kollisionen zu und zeigt, dass gerade daraus Veränderung entstehen kann.
Und vielleicht ist das die größte Stärke von “Stray Dogs”. Es vermittelt den Fans ein Gefühl. Es macht Spaß zuzuhören und das ist möglicherweise auch die wichtigste Botschaft. Nothing But Thieves selbst beschreibt es als Zufluchtsort: als Ode daran, seine Leute zu finden und damit alles zu erreichen.


Label: Sony Music Entertainment
Veröffentlicht am: 02.10.2026
Interpret: Nothing But Thieves
Name: Stray Dogs


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