Cavetown – Running With Scissors
Rezensiert von Nick Zimmermann on 19. Januar 2026
Unser Album der Woche ist dieses Mal Running With Scissors von Cavetown. Robin Daniel Skinner, wie Cavetown mit bürgerlichem Namen heißt, verarbeitet mit dem Album einen intensiven zweijährigen Heilungsprozess, mit einem besonderen Fokus auf Liebe, Familie und Selbstfindung. Dabei ist der Titel des Albums eine Metapher für den Moment, an dem man aus seinem geschützten Umfeld mehr oder weniger entlassen wird, um sich von nun an selbst um sein Leben zu kümmern. Für Cavetown fühlt sich das wie das Rennen mit einer Schere in der Hand an. Vielleicht macht man es gerade deswegen, weil seit Kindheitstagen davor gewarnt wird es nicht zu tun. Dennoch muss man wirklich darauf aufpassen, nicht zu fallen und sich womöglich zu verletzen.
Skinner beschreibt auf dem Album die Suche nach sich selbst und wer er als Erwachsener sein möchte. Teil davon sind ebenfalls Generationenkonflikte sowie familiäre Aufarbeitung. Geprägt wurden die letzten Jahre von Cavetown vor allem durch zwei Ereignisse. Einerseits hat er die Person kennengelernt, mit der er gerne eine Familie gründen möchte und andererseits ist sein jüngstes Geschwisterkind geboren worden, 26 Jahre nach ihm selbst.

Der Leitfaden der sich durch das Album zieht, ist die eben genannte Liebesgeschichte. Sie hat auch den Opener des Albums Skip inspiriert. Seine Besonderheit zeichnet sich dadurch aus, dass der Song einer von Cavetowns ersten Liebesballaden ist, die er mit positiven Tönen geschrieben hat. Laut eigener Aussage liegt es daran, dass Skinner das Gefühl hat, diesmal wirklich verliebt zu sein. Mit seinen leichten Drum and Bass Elementen gibt Skip einen entspannten Einstieg in das Album. Ein Kontrast darauf entsteht mit dem zweiten Song des Albums Cryptid, mit dem Cavetown seine negativen Erfahrungen als Transperson verarbeitet. Er ist deutlich düsterer und soll den Übergang darstellen, an dem Freude und Wut aufeinandertreffen.
Etwas Neues, das ich in dieses Album einbringe, ist Trotz
Dieses kontrastreiche Programm zieht sich auch weiter durchs Album, nicht nur inhaltlich, sondern auch musikalisch. An manchen Stellen wird geflüstert, an anderen geschrien. Warme, positive Klangarten wechseln sich mit dunklen und negativen ab. Akustische Melodien und Naturaufnahmen kollidieren mit Hyperpop-Glitches und Math-Rock-Elementen, was ein bisschen an Künstler*innen wie 100 gecs erinnert. Mithilfe von Gesangscoaching und emotionaler Aufarbeitung konnte Cavetown ebenfalls seine stimmliche Ausdruckskraft verbessern, wodurch sie noch energiegeladener wirkt.
Für viele ist Cavetown und seine Musik bereits zu einem wichtigen Anhaltspunkt geworden. Sie bietet Trost und hilft ihren Zuhörer*innen sich in einer Gesellschaft zurechtzufinden, in der die Klassengegensätze immer deutlicher werden, wodurch sich das Erwachsenwerden immer absurder anfühlt, sei es seinen Platz in der Welt zu finden, oder tiefgründige Beziehungen mit anderen Menschen einzugehen. Das Cavetown den Zahn der Zeit damit trifft zeigt sich auch an dem Erfolg seiner Musik. Er hat bereits Milliarden Streams gesammelt, sechsfach Platin erreicht und ist mit seinen Touren weltweit unterwegs. Also, hört gerne in das neue Album rein, falls ihr das nicht eh schon gemacht habt.
Und wer Cavetown dieses Jahr live erleben möchte braucht auch gar nicht mehr lange zu warten. Am 24.03. spielt er in Köln, am 25.03. in Hamburg und am 27.03. in Berlin.
Label: Futures Music Group Veröffentlicht am: 16.01.2026 Interpret: Cavetown Name: Running With Scissors Online: Zur Seite des Interpreten.