Albenausblick – Frühjahr 2026
Rezensiert von Marie Herrman on 13. Januar 2026
Das Jahr 2026 steht in der chinesischen Astrologie im Zeichen des Feuerpferdes. Es gilt als Symbol für Transformation, Neuanfang, Leidenschaft und kompromisslose Entschlossenheit. Wenn wir der chinesischen Astrologie also glauben, erwartet uns ein ziemlich hammermäßiges Jahr. Und weil wir neue Musik, Alben, Songs, Musikvideos und Releases aller Art kaum erwarten können, haben wir hier schon mal einen kleinen Ausblick darauf, worauf wir uns 2026 freuen dürfen.
Deshalb haben wir uns zusammengesetzt und für euch eine kleine Auswahl jener Alben getroffen, die dieses Frühjahr veröffentlich werden und dessen Release wir kaum abwarten können:

Schon zu Beginn des Jahres veröffentlicht die US-amerikanische Popsängerin Ella Red ihr Debütalbum IT’S NOT REAL. Über das Album sagt sie selbst:

Ella Red bewegt sich musikalisch im modernen Pop, mit klaren Einflüssen aus Alternative, Dark Pop und elektronischen Sounds. Viel Atmosphäre, intensive Beats, klare Hooks, aber immer mit einer gewissen Unruhe im Unterton. Nichts fühlt sich komplett glatt oder bequem an, und genau das macht den Reiz aus.
Bereits im Vorfeld hat sie mit einer ganzen Reihe an Singles gezeigt, wohin die Reise geht. Zu den bisher bekannten Tracks zählen unter anderem „Parasite“, „Ball and Chain“, „Funeral“, „He Asked For It“, „Predator“, „Party Animal“, „Aphrodite“ und „Religion“.
Eine starke Mischung aus Songs, die irgendwo zwischen Selbstreflexion, Provokation und emotionaler Abrechnung stehen. Dabei zeigt Ella Red immer wieder, wie mühelos sie zwischen Sanftheit und kompromissloser Härte wechseln kann. Und genau das macht ihre Musik so nahbar, denn manchmal können eben zwei gegensätzliche Dinge gleichzeitig wahr sein.
Der vorab veröffentlichte Song Ball and Chain bringt diese Dualität besonders gut auf den Punkt. Der Track wechselt zwischen nach vorne treibenden, pulsierenden Beats und fast schwebenden, ruhigen Passagen. Die Metapher des „Klotzes am Bein“ steht dabei für existentielle Ängste, inneren Druck und Erwartungen, die schwerer wiegen, als man zugeben will.
Mit It’s Not Real liefert Ella Red gleich zu Jahresbeginn einen Release, der neugierig macht. Wenn der Rest des Albums hält, was die Singles versprechen, erwartet uns ein Debüt, das nicht nur gehört, sondern gefühlt werden will.

Auch Joyce Manor melden sich im Januar mit neuer Musik zurück. I Used To Go To This Bar ist bereits das siebte Studioalbum der US-amerikanischen Punkrock-Band aus Kalifornien, die seit 2008 fester Bestandteil der Emo- und Indie-Szene ist. Die Band ist bekannt dafür, große Gefühle in kurze, unaufgeregte Songs zu packen. Keine unnötigen Umwege, keine überproduzierten Arrangements, dafür Texte, die sich oft anfühlen wie Gedanken, die man eigentlich nur sich selbst eingesteht.
Auch das neue Album macht da keinen großen Unterschied. Schon der Titel weckt Bilder von Nostalgie, alten Geschichten und Orten, die es so vielleicht nicht mehr gibt. Dieses Gefühl, dass sich Dinge verändert haben und man selbst sich irgendwie auch.
Der Song All My Friends Are So Depressed ist ein gutes Beispiel dafür. Viel Schlagzeug, verzerrte Gitarren, ein treibender Bass und ein Text, der ehrlich und direkt ist, ohne dramatisch zu wirken. Es geht um Einsamkeit, um das Älterwerden und dieses leise Gefühl, dass nicht mehr alles so leicht ist wie früher.Die bisher veröffentlichten Singles zeigen einmal mehr, warum Joyce Manor seit Jahren so viele Fans haben: Ihre Musik ist simpel, aber effektiv und genau deshalb bleibt sie hängen. I Used To Go To This Bar fühlt sich an wie ein Album für lange Nächte, billige Drinks und ehrliche Gespräche.

Im Februar wird es dann deutlich lauter. 6euroneunzig starten mit ihrem neuen Album Fotzen an die Macht“ins Jahr und der Titel macht direkt klar: Hier wird nichts beschönigt. Das Duo gibt es seit 2023 und sie mischen Deutschrap, Techno und New Wave. Oder, wie sie selbst sagen: „Fotzenrap“, „Pussypop“ oder „Tussitechno“. Ihre Texte sind provokant, feministisch und gesellschaftskritisch. Es geht um sexuelle Selbstbestimmung, radikale Selbstakzeptanz und den Widerstand gegen patriarchale Strukturen und klassische Schönheitsideale. Ihr Motto dabei:

Mit bereits veröffentlichten Songs wie „Alles brennt“, „Hoe Hoe Hoe“, „Scheiße am Schuh“, „Hexe“, „Pussypop“und „Queen“ zeigen sie, dass sie genau da weitermachen, wo sie aufgehört haben. Die Songs funktionieren als Ventil: für Wut, für Empowerment und für kollektives Mitschreien. Besonders Hexe sticht heraus. Der Track spielt mit starken weiblichen Rollenbildern, reclaimed Begriffe und dreht Machtverhältnisse bewusst um. Roh, energetisch und absolut festival-tauglich.
Fotzen an die Macht ist definitiv kein Album für den Hintergrund, sondern eins, das Raum einnimmt.

Mit Zélie wird es im Februar wieder ruhiger, aber nicht weniger intensiv. Le cœur et sa dictature bedeutet übersetzt “Das Herz und seine Diktatur“ und beschreibt ziemlich genau, worum es auf dem Album geht.
Zélie gehört zu den spannendsten neuen Stimmen der frankophonen Pop-Szene. Ihre Musik lebt von Nähe und Intimität. Man hat fast das Gefühl, ihr beim Denken zuzuhören. Statt großer Gesten setzt sie auf Details, leise Spannungen und starke Melodien. Inhaltlich beschäftigt sie sich mit inneren Konflikten, Selbstzweifeln, Liebe und der Frage, wie viel Kontrolle Gefühle eigentlich über uns haben. Musikalisch bewegt sich das Album dabei zwischen modernem Pop, Chanson-Einflüssen und ruhigen elektronischen Arrangements.
Der Song „JE NE SERAI JAMAIS“ („Ich werde niemals sein“) gehört zu den wütenderen Tracks des Albums. Es geht um Erwartungen, fremde wie eigene, und darum, Bilder loszulassen, denen man nie gerecht werden kann. Ehrlich, verletzlich und sehr berührend. Ein Album für Nachtfahrten, ruhige Momente und viele Gefühle. Und seien wir ehrlich: Auf Französisch klingt das alles nochmal besser.

Im März veröffentlichen Shoreline ihr neues Album Is This The Low Point Or The Moment After. Ein Titel, der sofort hängen bleibt. Die Frage, ob man gerade am Tiefpunkt ist oder schon wieder auf dem Weg nach oben, ist immerhin ziemlich relatable.
Die 2015 gegründete Emo- und Punkrock-Band hier aus Münster bringt damit ihr viertes Studioalbum raus. Shoreline haben sich in den letzten Jahren vor allem in der europäischen Hardcore- und Punk-Szene einen Namen gemacht, vor allem durch ihre ehrliche Art. Keine Image-Spielchen, keine große Inszenierung, sondern Musik, die live genauso funktioniert wie auf Platte.

Das Album verbindet Hardcore-Einflüsse mit melodischem Punk und emotionalem Storytelling. Es geht um persönliche Krisen, Stillstand, Neuanfang und Selbstreflexion, ohne Pathos, aber mit ordentlich Energie. Der vorab veröffentlichte Song Out of Touch bringt das Album dabei ziemlich gut auf den Punkt: dieses Gefühl, den Anschluss verloren zu haben: an andere, an sich selbst, an das Leben. Kraftvoll, mitreißend und wie gemacht für verschwitzte Clubshows, bei denen man alles kurz rauslassen kann. Shoreline liefern ein Album, das weh tun darf und genau deshalb so gut funktioniert.

Zwischen Pop, Punk, Emo, Rap und elektronischen Sounds zeigt sich jetzt schon: 2026 macht keine halben Sachen. Die Releases sind vielseitig, ehrlich und machen Lust auf mehr, vielleicht erwartet uns ja sogar das Musikjahr des Jahrzehnts?
Fest steht: Auch einige andere echte Musiklegenden haben für dieses Jahr neue Alben angekündigt oder zumindest angedeutet, darunter Lana Del Rey, Madonna, Charli XCX, Paul McCartney, Mumford & Sons, Florence + The Machine, die Rolling Stones oder BTS.
Es sieht also ganz danach aus, als würde uns 2026 musikalisch ordentlich beschäftigen. Und wir hören ganz genau hin!
Label: Pure Noise Records Interpret: Ella Red ; Joyce Manor ; 6euroneunzig ; Zélie ; Shoreline Name: It's Not Real ; I Used To Go To This Bar ; Fotzen an die Macht ; Le coeur et sa dictature ; Is This The Low Point Or The Moment After Coverbild: Nataly Gehrke