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cleopatrick – SCRAP

Rezensiert von on 16. Dezember 2025

       

Von Kindheit an beste Freunde: Ian Fraser und Luke Gruntz aus Cobourg, Ontario in Kanada, haben schon mit vier Jahren zusammen gespielt. Aufgewachsen in einer Kleinstadt, in der man sich kennt und vieles überschaubar bleibt, verbrachten sie ihre Kindheit und Jugend Seite an Seite. Mit acht Jahren entdeckten sie gemeinsam AC/DC für sich. Ein Moment, der für beide prägend war. Schnell war klar: Es geht nicht nur ums Musik hören, sondern ums Selbermachen.

Was als kindliche Begeisterung begann, wurde mit den Jahren immer konkreter. In ihren Teenagerjahren fingen sie an, eigene Songs aufzunehmen, zu experimentieren, sich auszuprobieren. Dabei ging es nie darum, perfekt zu sein, sondern ehrlich. Genau dieses Zusammenspiel aus Freundschaft, gemeinsamen Referenzen und dem Drang, etwas Eigenes zu schaffen, prägt cleopatrick bis heute. Es war früh spürbar, dass das hier mehr werden würde als ein Hobby – sondern ein gemeinsamer Weg.

2016 erschien ihr Debüt-EP 14, worauf auch ihr Song “chromeo” zu finden ist.  Direkt ist klar, cleopatrick haben ihren ganz eigenen Sound, der ihre Liebe zur Rockmusik deutlich macht. In einem Interview hat Luke Gruntz selbst gesagt, dass er sich mit diesem Song ein wenig über sich selbst lustig macht. Eher gesagt über seine eigenen Unsicherheiten und seine damit einhergehende Vernarrtheit mit beliebten Menschen

Doch so richtig auf sich aufmerksam machten sie 2017 mit der Single “Hometown” aus ihrer zweiten EP The Boys. Der Song schaffte es bis auf Platz 6 der US Mainstream Rock Charts. Festivals wie Lollapalooza in Chicago oder 2000 Trees in England folgten, ebenso wie größere Touren. Unter anderem unterstützten sie Royal Blood auf deren Nordamerika-Tour. Cleopatrick sammelte so nach und nach eine Fangemeinde, die ihre Mischung aus Gitarrenpower, klaren Drums und emotionalem Gesang zu schätzen wusste.

Musikalisch lassen sich cleopatrick irgendwo zwischen Royal Blood, Arctic Monkeys und Highly Suspect einordnen. Prägnante Gitarrenriffs, treibende Drums und ein Gesang, der sowohl rau als auch gefühlvoll sein kann, prägen ihren Sound. Gleichzeitig bringen die beiden auch moderne Produktionsideen aus dem Hip-Hop ein, was ihre Songs frisch und eigenständig macht.

Zehn Jahre gibt es cleopatrick inzwischen schon und trotzdem stehen bisher erst zwei klassische Studioalben in ihrer Diskografie. Nach ihrem Debütalbum Bummer (2021) und dem zweiten Album Fake Moon (2025) haben cleopatrick nun ihr drittes Album Scrap am 05. Dezember 2025 veröffentlicht. Umso spannender ist, dass Scrap nicht als klassisches Album gedacht ist, sondern bewusst als Mixtape. Die Band selbst beschreibt die Platte als eine Art Rückblick und Sammelpunkt: neue Songs treffen auf lange liegengebliebenes Material, Demos und Ideen aus ganz unterschiedlichen Phasen ihrer Karriere. Das Werk zeigt, wie die beiden ihren Sound weiterentwickelt haben: kraftvolle Gitarren bleiben im Vordergrund, zwischendurch gibt es ruhigere Momente, die Gesangslinien sind gefühlvoll und eindringlich. Das Ergebnis ist ein Album, das die Rockenergie beibehält, aber auch Platz für feinere, fast introspektive Momente lässt.

Entstanden ist Scrap an ganz verschiedenen Orten – unter anderem in einem Studio in der kanadischen Wildnis, aber auch in Studios in Toronto oder unterwegs auf Tour. Dazu kommen kurze Audio-Interludes und Sprachaufnahmen aus dem Tourbus von 2019. Sänger und Gitarrist Luke Gruntz beschreibt das Mixtape als einen Flickenteppich aus Zeiten und Orten, der sich über die gesamte bisherige Bandgeschichte spannt und genau so fühlt sich das Album auch an.

Schon der Opener „BURNER PHONE“ packt einen direkt: Gitarre und Schlagzeug stehen im Vordergrund, der Gesang ist präsent und dynamisch. Die Lyrics greifen Alltagserlebnisse auf, die viele kennen: „Could you tell I’ve been ducking your calls? Home alone with my burner phone switched off“. Es ist ein energiegeladener Song, der gleichzeitig den kleinen Wahnsinn im Alltag spürbar macht

Mit „GUTS“ zeigen cleopatrick ihre introspektive Seite. Dominante Gitarren treffen auf emotionalen Gesang, die Lyrics fangen diese innere Unruhe ein: „Feel a certain lack of purpose lately […] If I can’t take what I want, then I get what I get, I guess“. Ein Song, der zeigt, dass Rockmusik auch nachdenklich sein kann, ohne die Energie zu verlieren.

Nicht nur Lärm, sondern ein bisschen mehr wie ein Gespräch mit euch selbst. Im Text geht’s um diese Momente, wo man eigentlich was sagen müsste, es aber nicht macht. Bis man merkt, man kann’s nicht länger halten. Genau das spürt man auch im Sound. Besonders im letzten Teil entfaltet sich der Song und zeigt, wie wirkungsvoll der Sound sein kann. “GUTS” ist ein Track, der hängen bleibt!

Kennt ihr das, wenn man nicht mehr diskutiert, sondern einfach weiß: Das war’s jetzt? “NOW ZERO” fühlt sich an wie dieser Moment, in dem man jemanden innerlich schon abgeschrieben hat. Der Song läuft ziemlich konstant durch, mit einem klaren Beat und einer Gitarre, sowie einem Schlagzeug die präsent bleiben, ohne alles zu überrollen. Der Gesang wirkt eher kontrolliert und erzählend, fast so, als würde man jemandem ruhig sagen: Du bist für mich durch. Gerade diese Gleichmäßigkeit im Sound macht den Song so eindringlich.

Mit „SEVENTEEN“ wird es melancholischer, gefühlvoller. Gerade dieser Song steht sinnbildlich für die Idee hinter Scrap. Der Song wurde ursprünglich schon 2018 geschrieben und mehrfach aufgenommen, schaffte es aber lange auf kein Album. Erst jetzt, Jahre später, hat er seinen Platz gefunden. Luke Gruntz sagt selbst, dass sie damals weder gesanglich noch produktionstechnisch dort waren, wo sie heute stehen – die Version auf Scrap fühlt sich für die Band nun endgültig an.

Gitarre und Schlagzeug bleiben präsent, der Gesang trägt mehr Druck und Emotion: „You’ll see there’s just one thing that’s been bugging me. Tell me why I can’t remember ever being seventeen“. Mit 17 hat sich alles riesig angefühlt und heute fragt man sich, wann das eigentlich alles verloren gegangen ist? Genau dieses Gefühl steckt hier drin. Der Track verbindet nostalgische Stimmung mit Rockpower und bleibt dabei authentisch.

Der Abschluss des Albums „STILL” bringt einen ruhigen, fast schwebenden Moment. Die Gitarre bleibt präsent, aber durchaus sanfter als auf den anderen tracks. Das Schlagzeug ist dezent, der Gesang liegt etwas höher: „Now every morning, you´re in my room, and I´m still reminded“. Es geht um die Momente, die einen noch beschäftigen, lange nachdem sie passiert sind. Es ist ein Song, der das Album abrundet und einen Moment innehalten lässt, bevor man wieder in den Alltag zurückkehrt.

Scrap zeigt damit die Bandbreite von cleopatrick: kraftvolle Rockelemente, emotionalen Gesang, eingängige Texte, die Alltag, Nachdenklichkeit und kleine Frustrationen greifbar machen. Als Mixtape funktioniert Scrap dabei nicht nur als Sammlung starker Songs, sondern auch als Abschluss eines Kapitels. Es wirkt wie ein bewusst gesetzter Schlusspunkt hinter die ersten zehn Jahre der Band – unperfekt, roh und ehrlich. Gleichzeitig zeigt es, wie sehr cleopatrick ihren eigenen Sound gefunden haben und wie souverän sie zwischen Härte, Nachdenklichkeit und Atmosphäre wechseln können.

Wer auf modernen Rock steht, der sowohl laut als auch gefühlvoll sein kann, sollte sich die Musik von cleopatrick nicht entgehen lassen!



Label: Nowhere Special Recordings
Veröffentlicht am: 05.12.2025
Interpret: cleopatrick
Name: SCRAP
Coverbild: cleopatrick