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“Das Wichtige ist, immer in Aktion zu sein und immer weiter offen zu sein, zu lernen” – Savvy im Interview

Geschrieben von am 19. Oktober 2023

Q: So, wir sind hier gerade im “Grünen Jäger” in Hamburg im Rahmen des Reeperbahn Festivals und wir, das bin ich, Jessika Gremme und ich, Ruby Rübsamen und wir sitzen hier mit Savvy. Hallo Savvy, schön, dass du da bist!

Savvy: Hallo, schön, dass ich hier sein darf.

Q: Ja, vielleicht als Einstieg direkt: Wie geht es dir denn heute?

Savvy: Mir geht es gut. Es waren jetzt irgendwie ein paar harte Tage in Hamburg gefühlt. Es ist auch das erste Mal für mich auf dem Reeperbahn Festival und deswegen ist es so ein bisschen… Ich glaube, ich habe mich ein bisschen überschätzt, bin ich ehrlich. Aber heute geht es mir besser als gestern, auf jeden Fall.

Q: Dein Album ist ja jetzt schon ein paar Monate raus und du hast ja echt einige Zeit daran gearbeitet. Wie war denn die Zeit danach für dich? Was ist passiert?

Savvy: Oh, ganz spannend. Also erstmal hat die Arbeit irgendwie super viel Spaß gemacht, weil es so eine ganz andere Arbeitsweise war, als wir sonst Mucke gemacht haben, viel intensiver. Und ich glaube, ich habe mich so auf so Release gefreut, aber ich war auch so ein bisschen so: Was mache ich jetzt? Und bin ein bisschen in ein Loch gefallen und wusste gar nicht, was ich mit mir anfangen soll. Aber an sich war es voll schön zu sehen, wie sich das entwickelt und was daraus wächst.

Q: Dein Album ist ja auch quasi wie eine Biografie für dich, also ein großes Gesamtprojekt eigentlich. Wie geht es denn dann jetzt musikalisch für dich weiter?

Savvy: Tatsächlich mit dem nächsten Album! Also ich verbeiß mich immer so ein bisschen darauf Alben zu machen. Ich bin einfach Fan davon, weil ich finde, dass es sonst sehr schnelllebig alles ist. Ich habe jetzt lange überlegt, in welche Richtung das geht und ich wollte, dass es eine Verbindung gibt zwischen den Alben. Ich glaube, ich habe da jetzt so eine Idee im Kopf, die ganz gut funktionieren könnte oder wo das konzeptuell gut zusammenkommt. Aber mehr später.

Q: Ja, ich finde auch immer Konzeptalben, die geben einem auch als Hörer*innen am meisten, wenn man dazu eingeladen ist, sich so richtig rein zu fühlen. Und ich liebe es auch, Alben chronologisch zu hören. Das hat bei deinem Album auch so Spaß gemacht mit diesem übergreifenden Motiv “Angst”. Du hast ja auch diesen einen Song Burnout. Da singst und rappst du darüber, wie sich eine ganze Generation konstant überarbeitet. Gleichzeitig wird unserer Generation ja aber durchaus auch vermittelt, dass man sich anstrengen und immer 110% geben muss, um es zu schaffen. Was würdest du Menschen raten, die sich da ein wenig drin verlieren und sich komplett vernachlässigen, um ihren Traum zu erfüllen: durchziehen oder langsam machen? Oder hast du einen ganz anderen Tipp.

Savvy:
Boar, voll schwierig. Also ich habe ganz lange selber gedacht, man ist seines Glückes Schmied und das ist halt irgendwie voll der falsche und auch gefährliche Ansatz, denke ich. Also egal was man macht, natürlich sind für gewisse Sachen Arbeit, Leidenschaft und Hingabe und Zeitaufwand, Kraftaufwand nötig, damit sich was bewegt. Aber ich glaube, ab einem bestimmten Punkt kommt immer Glück mit ins Spiel, weil man kann einfach nicht sagen, dass jeder Mensch mit der gleichen Arbeit an den gleichen Punkt kommt, weil alle von verschiedenen Punkten starten und irgendwie jedes Schicksal eine andere Komponente reinbringt. Deswegen ist, glaube ich, im letzten Jahr so dieses “Slow down!” zu einem… also kein Mantra, vielleicht ist das ein bisschen übertrieben, aber einfach ein bisschen den Dingen Zeit geben und zu sagen: Ich kann arbeiten oder mich anstrengen für etwas und alles geben, aber eigentlich macht es gar keinen so großen Unterschied, ob ich das jetzt in einer Woche oder einem Monat tue, wenn ich am Ende auf dasselbe Ergebnis komme. Und ich glaube, der Weg dahin sollte immer der gesündere sein, dass man eben auf sich aufpasst, weil man muss nicht alles jetzt und gleich haben, denke ich.

Burnout – Savvy feat. DISSY

Q: Wahrscheinlich kommt auch ein anderes Produkt raus, oder? Wenn man sich selbst eben Zeit lässt und dem Schaffensprozess Zeit gibt, dann produziert man ja auch die Kunst weniger überhetzt.

Savvy: Voll, voll. Also ich glaube, egal ob es jetzt beim Musik machen ist, oder bei anderen kreativen Sachen, dass das ja alles mitwächst, auch mit dir als Mensch und du beim Schaffen auch wieder neue Sachen lernst, die vielleicht direkt schon in Arbeit einfließen können oder nicht. Ich glaube, das ist ganz, ganz unterschiedlich. Aber ich finde es immer wichtig, sich darüber bewusst zu sein, was man gerade macht oder zu versuchen, die Zeit dafür zu nehmen, einmal quasi ein bisschen raus zu zoomen und zu sagen: “Ach krass, cool, das mache ich gerade! Wie sehe ich das eigentlich so von außen?”, weil sonst verliert man sich auch in so einem Wahnsinnstunnel.

Q: Gibt es bei deinem letzten Album auch Songs oder bestimmte Momente, wo du dich rückblickend daran erinnern kannst, gemerkt zu haben, dass deine aktuelle Situation gerade total in die Kunst mit einfließt?

Savvy: Voll. Also ich glaube, das ist bei mir irgendwie immer so, vielleicht so ein bisschen zeitversetzt. Also es ist jetzt nicht so, wenn heute irgendwas passiert, kann ich es heute Abend aufschreiben. Also ich glaube, das ist bei mir generell auch so die Inspiration beim Mucke machen, ich kann gar nicht so fiktiv oder irgendwie so weit von meiner privaten Person entfernt Musik machen, die ich dann auch wirklich fühle. Deswegen spielt es schon immer sehr, sehr mit rein und auch bei dem Album ein bisschen – wie gesagt – zeitversetzt. Ich glaube, da haben auch viele Jahre vorher schon mit rein gespielt. Definitiv!


Q: Du hast gerade gesagt, dass dein eigenes Leben immer mit einfließt. Uns ist aber auch aufgefallen, dass du dir ebenfalls Mühe gibst, auch die Perspektiven anderer einzunehmen. Gerade die Schicksale derer, die verschiedene Struggles haben irgendwie. Wie kommt es dazu?

Savvy: Ich glaube, was bei mir so ein Ding ist, ist, dass ich immer so ein sehr beobachtender Mensch war. Also auch einfach dadurch, dass ich nie super outgoing selbstbewusst war und immer mir die Sachen eher angeguckt habe und erst mal für mich einsortiert habe, bevor ich irgendwie irgendwo stattgefunden habe oder irgendwo teilgenommen habe. Und ich glaube, daher kommt es und auch so ein bisschen, es ist irgendwie komisch, das über sich selbst zu sagen, aber ich glaube, ich bin so jemand, der manchmal auch zu viel Empathie Sachen gegenüber bringt, so dass es mir gar nicht mehr so gut tut in dem Moment, oder dass ich mich selber dabei voll vergesse. Und ich glaube, das spielt da auch mit rein, dass ich auch Sachen und Schicksale, die anderen Menschen passieren oder Sachen, die um mich herum passieren, einfach noch mal ein bisschen sensibler wahrnehme. Oder sensibel genug, als dass ich… quasi vorbeugen könnte, dass mich das nicht irgendwie auch beeinflusst und berührt.

Q: Was uns noch aufgefallen ist, du gehst ja auch super sensibel mit deiner Sprache um. Also du gendest ja zum Beispiel auch, du hast ja gar keine sexistischen Texte. Das war ja aber auch eine Entwicklung. Wie kam es denn zu dieser Entwicklung?

Savvy: Voll spannend. Also im Endeffekt, wie gesagt, war ich glaube ich immer darauf bedacht, niemandem wehtun zu wollen. Das war immer in meiner Natur. Aber ich würde lügen, wenn ich jetzt sage, dass ich schon immer ein super aufmerksamer Mann bin, der nie Fehler gemacht hat – so, auf gar keinen Fall! Bei mir war, glaube ich so der ausschlaggebende Punkt einerseits natürlich, dass unsere Generation zum Glück auch untereinander viel mehr Aufmerksamkeit dafür aufbringt, wodurch der Zugang natürlich auch leichter ist. Und ich glaube, ich hatte auch das Glück, da auch aus einer sehr privilegierten Position herantreten zu können und eben nicht irgendwie.. weiß ich nicht, in einem Umfeld mit Jungs aufgewachsen zu sein, die schon immer sexistische Witz machen und so und kam sicherlich auch alles vor, ne? Aber halt nicht in diesem Rahmen, dass es so in der DNA drin wäre, sondern es waren halt so dumme Jungs damals mit 16, 17, 18. Aber ich habe eine sehr gute Freundin oder eigentlich meine beste Freundin und unsere Freundschaft hat irgendwann so ein bisschen gebröckelt, weil ich damals mehr auf der Straße unterwegs war und generell glaube ich, nicht so wusste wer ich bin und was ich suche, aber halt auf Abwegen war und da auch einfach nicht so nachgedacht habe, glaube ich und irgendwie sehr cool sein wollte und bla bla bla… Sie hat mich irgendwann darauf hingewiesen, weil sie hatte dann studierende Freund*innen und ich war immer so: “Ach, die scheiß Studenten, die wissen doch gar nichts!”. Und das ist halt voll geclashed, weil es waren damals verschiedene Welten und ich habe dann irgendwann mit denen geredet und war dann so, die denken nicht, die sind was besseres, sondern passen einfach so ein bisschen mehr aufeinander auf und dann hat sich das einfach so entwickelt. Und ich glaube wirklich, also – um es kurz zu machen, jetzt habe ich mich schon wieder ein bisschen verquatscht – bei mir war so ein ausschlaggebender Punkt eben meine beste Freundin Sabina, die mich dann die ersten Male darauf hingewiesen hat und auch gesagt hat: “Dicker, das ist nicht cool, das zu sagen!”, oder: “Ey, hört mal auf so eine Witze unter euch zu machen!” Und als wir das gecheckt haben, haben wir das von da aus immer auch nach außen getragen und versuchen immer weiter uns zu bilden. Weil ich finde, das Wichtige ist es nicht nur zu reagieren, wenn was passiert, sondern eben immer in Aktion zu sein und immer weiter dafür offen zu sein, zu lernen. Weil man lernt bei diesem Thema nie aus, besonders nicht als Mann.

Q: In der Hip-Hop-Szene ist es ja leider oftmals ein bisschen anders. Generell hast du das Gefühl, dass dadurch, dass du das anders machst, das irgendwelche Auswirkungen auf dein Standing in der Szene hat?


Savvy: Hmm… nö, ich glaube nicht. Also ich muss sagen, ich beobachte gerade eh sehr viele junge Künstler*innen, die auch klare Kante zeigen, Haltung zeigen immer mehr. Also zum Beispiel Wa22ermann, Apsilon, wie sie alle heißen.

Und ich glaube, da gibt es irgendwie auch schon eine Art Movement, was gerade so entsteht, was eben auch aus unserer Generation so rauswächst.

– Savvy

Und ich muss ehrlich sagen, alles andere finde ich halt auch einfach nicht cool und es ist auch voll egal, was die denken. Ich finde, es sollte immer Platz für Dialog geben. Das ist wichtig! Aber, weiß ich nicht… habe ich noch nie so wahrgenommen und wenn es so wäre, dann ist auch keine Toleranz dafür. Aber eigentlich habe ich das Gefühl, gerade bewegt sich im Hip-Hop vieles in eine gute Richtung auch oder immer mehr zumindest.

Q: Ja, absolut! Es ist ja auch nur logisch, dass sich vielleicht dadurch eine ganz neue Zielgruppe erschließt, weil man sich eben zum Beispiel als Frau einfach angesprochener fühlt. Und auch wenn man Hip-Hop liebt und dann sind es aber zum Großteil sexistische Texte, dann steht man natürlich auch irgendwie im Konflikt mit sich selbst. Deswegen ist es so erfrischend, dass es Künstler*innen wie dich gibt, die da jetzt anfangen mehr darauf zu achten. Und das macht auch als zuhörende Person einfach viel mehr Spaß. Kommen wir aber auch mal zu deiner sehr besonderen Herangehensweise an das Drumherum deiner Musik: Dein Team, das wir ja auch schon kennenlernen durften, das besteht ja primär aus engen Freunden. Das klingt gar nicht so einfach: füreinander da sein und Business. Wie passt das zusammen?

Savvy: Bei uns tatsächlich ganz gut, muss ich sagen. Also wir haben 2020 unser Label gegründet – zu viert. Das sind meine drei besten Freunde, zwei Produzenten und mein längster Freund, den ich jetzt seit 21 Jahren kenne, ist uns letztens aufgefallen, der live immer Backup macht und wir stehen zusammen auf der Bühne. Das haben wir 2020 gemacht und haben auch dann zu viert wirklich sehr viel Arbeit reingesteckt. Und dann kam irgendwann bei den Jungs auch mehr der Punkt, dass Leben mit rein gespielt hat und man dann irgendwann gemerkt hat, ah okay, wir sind halt nicht mehr 19, kiffen im Studio und denken: “Geil, wir haben unser Abi geschmissen und machen jetzt Rap so!”, und deswegen gab es schon natürlich besonders in den letzten zwei Jahren so eine Phase des Umbruchs, wo man gemerkt hat okay, krass, wir müssen jetzt irgendwie uns da auch mal erwachsen verhalten und uns eingestehen, jeder kann nur das und das machen. Man kann jetzt nicht irgendwie auf Krampf, das zu viert bis zum Ende alle… sondern man muss halt Miete zahlen oder sein Abi nachholen oder was auch immer studieren, arbeiten gehen. Das war für mich ein schwieriger Prozess, weil ich glaube, von den vieren bin ich immer noch der, der am meisten tagtäglich mit dem Thema Musik machen konfrontiert ist, auch wenn Jan mein Booking zum Beispiel macht und jetzt auf der Booking Seite ist. Das ergänzt sich aber alles gut. Bei uns gab es nie so Problematiken, weil wir auch alle voneinander echt die Egos haben fallen lassen und einfach immer im Interesse füreinander handeln.

Q: Ja, richtig schön! Wenn wir uns nochmal dein Album aus der Nähe ansehen: Da geht es ja viel Angst und auch darum, der Angst zu begegnen. Am Ende singst du auch darüber, dass du die Angst quasi besiegt hast. Gibt es denn aktuell eine Sache, die dir Angst macht?

Savvy: Ja, schon… Ich glaube, für mich war so in den letzten Jahren dadurch, dass meine Frau krank geworden ist, das Thema Krankheit und auch Tod einfach so ein Thema, wo ich mir zum Glück bis jetzt nie Gedanken machen musste. Also man kennt das, dass mal Oma oder Opa gestorben sind, aber wenn man auch im jungen Erwachsenenalter merkt, ah krass, jetzt ist einfach dieser Zeitpunkt gekommen, wo diese ganze Phase, wo viele sich nicht so Gedanken darüber machen mussten, weil einfach zum Beispiel die Eltern noch nicht so alt waren… Ich weiß nicht, ich habe so das Gefühl, dass von 16 bis Anfang 20, wenn man das Glück hatte, natürlich viele, viele junge Menschen auch nicht, aber man ist irgendwie durchs Leben geschwebt und es gab für ganz wenig Sachen so schwerwiegende Konsequenzen, hatte ich das Gefühl oder hatte auch das Glück viel mehr. Und ich glaube, deswegen ist eine Sache, die mich immer mehr beschäftigt, in letzter Zeit schon das Thema älter werden, wovor ich jetzt nicht Angst habe, dieses typische: “Oh mein Gott, jetzt bin ich näher der 30!” Oder so, aber halt einfach zu checken, krass, man hat jetzt so sein Leben irgendwie in der eigenen Verantwortung und es passieren Sachen, wo man einfach dann so als erwachsener Mensch…

Und ich fühle mich irgendwie immer noch wie 18 manchmal, das ist echt krass! Ich glaube, Zeit macht mir einfach Angst.

– Savvy

Ich glaube, Zeit ist so ein bisschen das vielleicht zentrale Thema, was alles so einrahmt.

Q: Sehr verständlich. In deinem Album geht es ja neben Angst auch konkret um Panikattacken an einigen Stellen. In deinem Job bist du aber darauf angewiesen, dich einfach zu einem fest ausgemachten Zeitpunkt auf eine Bühne zu stellen, was eine riesige Herausforderung ist vor so vielen Menschen. Wie managst du das, in solchen Momenten zu funktionieren?

Savvy: Das ist mir letztens erst bewusst geworden, dass ich Auftritte gar nicht mag oder gar nicht das Gefühl mag, auf der Bühne zu stehen, sondern mir gefallen Auftritte, weil ich sie mit dem positiven Gefühl verbinde, wenn es vorbei ist. Und dem: Wir haben es geschafft! Es macht natürlich alles Spaß und man freut sich auch darauf, aber irgendwie ist für mich immer der Spaß eher die Erleichterung und es ist mir letztens erst klar geworden, warum das so ist. Um auf deine Frage zurückzukommen, ist halt das krasse, dass ich dann einfach so ein Schutzmechanismus habe. Zum Beispiel habe ich ganz oft die Augen zu auf der Bühne, ohne dass ich es bemerke und es zieht immer irgendwie so an mir vorbei. Ich habe es letztens das erste Mal geschafft, eine Show teilweise so wahrzunehmen und zu genießen und mir mal so einen Moment zu nehmen und zu gucken, was passiert hier eigentlich gerade? “Ach guck mal, die Leute sind glücklich. So, da ist mein Bruder, ach schön, wir sind hier. Cool, dass wir das machen können!” Das hatte ich ganz lange nicht. Und ich glaube, das ist Fluch und Segen. Einerseits ist es besonders für Menschen, die sensibler dafür sind oder mit Ängsten zu kämpfen haben, immer eine Herausforderung und auch etwas, was natürlich einen großen negativen Impact haben kann, aber auch einen positiven! Bei mir ist es irgendwie beides aktuell zumindest in einem ganz gesunden Verhältnis, habe ich das Gefühl und bin darüber sehr, sehr glücklich. Aber ja, zum Glück war das nie so ein großes Ding, weil ich das einfach gar nicht mitbekommen habe. Mir ist halt dann erst im Nachhinein bewusst geworden, dass es ein Schutzmechanismus ist.

Q: Heute Abend trittst du ja auch auf. Wie fühlst du dich so generell jetzt in Bezug darauf, dass du weißt, heute Abend wirst du auftreten?

Savvy: Also heute bin ich tatsächlich ein bisschen aufgeregt irgendwie. Ich weiß nicht warum. Einerseits ist das Reeperbahn Festival ja branchenmäßig auch wichtig und keine Ahnung. Also das ist jetzt nicht so, dass ich mir darüber so groß Gedanken mache. Aber wir spielen zum Beispiel heute Songs, die wir seit der Tour nicht mehr gespielt haben, weil ich heute wieder mehr Album Songs spielen möchte und nicht Festival Songs, weil ich irgendwie denke: Wie geil, ich will lieber ein Konzert machen! Wir spielen auch eine Stunde und nicht nur eine halbe Stunde und ich muss die Texte nochmal durchgehen und so und das gibt mir dann ein bisschen die Unsicherheit. Aber das wird schon alles klappen! Am Ende klappt es eh immer irgendwie, weil ich ja auch das Glück habe, mit meinen Freunden auf der Bühne zu stehen. Und ich weiß, wenn irgendwas ist, dann stehe ich da nicht alleine. Aber heute bin ich irgendwie aufgeregt…

Q: Gibt’s denn einen Song, auf den du dich freust, den zu performen live, oder der dir besonders viel bedeutet?

Savvy: Oha, einige! Ich glaube, welchen ich gerade so am meisten mag ist 5000 Grad, der war auf dem letzten Album – ein voll ruhiger Song und wir haben uns jetzt zum Beispiel für die Festival Saison dafür entschieden zu sagen, wir spielen den trotzdem, obwohl das überhaupt kein Festivalsong ist, den man jetzt per se quasi da zuordnen würde, also es ist kein Stimmungsmacher, so. Aber es war immer richtig, richtig schön und ein ganz intimer Moment und auf den freue ich mich immer sehr, weil das ist so ein richtiger Song, irgendwie einfach Augen zu und nur so da sein und irgendwie rumkrakelen.

Q: Es ist auch richtig gut vorstellbar, dass gerade wenn der so ruhiger ist, dass dann auch Menschen im Publikum  einen Moment haben innezuhalten. Und der Song bedeutet sicher auch einigen Menschen echt etwas. Und ich glaube, es ist voll wertvoll, dass die Künstler*innen auf Festivals nicht nur Wert darauf legen, dass sie abreißen, sondern auch, dass es immer wieder solche Momente gibt, in denen man als Besucher*in die Möglichkeit bekommt zu realisieren, wo man eigentlich gerade ist und was das für eine schöne Situation ist. Und ruhige Songs eignen sich da perfekt für geeignet. Sag mal Savvy… wenn du dir eine Sache wünschen könntest, die sich im Hip-Hop ändert, was wäre das? Fällt dir spontan etwas ein?

Savvy: Ja, für mich ist immer noch ganz klar – auch wenn es ein gesamtgesellschaftliches Thema ist – aber Sexismus, Frauenfeindlichkeit, Trans-Feindlichkeit, Homophobie, alles, all diese Themen! Nicht nur im Hip-Hop, aber wir reden jetzt hier über Hip-Hop, deswegen hat Hip-Hop auf jeden Fall noch einiges zu lernen und aufzuholen. Ansonsten wünsche ich mir einfach, dass sich die Kultur gesund entwickelt, weil wie ich schon meinte gerade, gibt es viele spannende Künstler*innen auch jüngerer Natur, sag ich jetzt mal (lacht)… Also einfach noch nicht so alt und irgendwie kommt so frischer Wind rein und ich hoffe, dass dadurch die Kultur auch weiter wächst. Gerade habe ich ein bisschen das Gefühl, das fehlt in Hip-Hop-Deutschland, dass man nicht mehr so viele Anlaufstellen hat, das irgendwie zu zelebrieren. Ich weiß noch, als ich 16 war, bin ich immer auf Cyphers in irgendwelchen Kellern gegangen und habe gefreestyled. Ich hab letztes Mal geguckt, ob es so was noch gibt und das gibt es einfach nicht mehr! Selbst in Berlin finde ich das nicht mehr und das ist voll schade. Also deswegen: dass sich die Kultur gesund entwickelt und noch ein bisschen mehr voneinander lernt.

Q: Kannst du dir vorstellen, wieso das so etwas nicht mehr gibt?

Savvy: Ja, ich glaube natürlich einerseits, obwohl – das ist eigentlich krass – weil obwohl Hip-Hop und besonders Deutschrap ja einen kompletten Aufschwung hat und besonders Rapper, wie Pilze aus dem Boden schießen und irgendwie alle Jungs sich irgendwo einen USB-Mic schnappen und über 10er Packs und ihre Postleitzahl rappen, so was vollkommen legitim ist und genauso Selbstausdruck wie alles andere. Aber obwohl da so viel Bewegung ist, findet es – zumindest so wie ich es mitbekomme – nicht mehr in einem Face-to-Face Austausch statt, sondern viel über Social Media, Instagram, TikTok… Man kann sein Zeug einfach auf Spotify laden und dann ist es da und dann ist man erstmal Künstler*innen. Deswegen eigentlich voll gute Frage! Ich weiß gar nicht… wahrscheinlich ist die Nachfrage einfach nicht da, weil das für die Meisten nicht der Weg ist, wie man sich findet. Oder weil sie auch gar nicht mehr wissen, dass das auch so mal stattfand, sage ich mal, weil es sich natürlich einfach super viel verändert. Das finde ich aber schade, wenn diese Komponente wegfällt, dass einfach auch junge Menschen zusammenkommen, sich Orte und auch Safe Spaces für die kreative Entfaltung schaffen können und da einfach ihr Ding machen können.

Q: Ja, vielleicht als allerletzte Frage, noch so ein ganz generelles: Was beschäftigt dich gerade?

Savvy: Oh. Oh. Viel. Ich weiß nicht. Ich glaube, also mich beschäftigt natürlich immer noch so der Gesundheitszustand meiner Frau. Ich denke in letzter Zeit auch viel über meine zweite Heimat nach. Meine Mutter kommt aus Kuba und ich habe noch ganz viel Familie da und war jetzt auch schon sechs Jahre oder so nicht mehr dort. Ich denke da viel darüber nach, dass es mich da gerade wieder stark hinzieht und ich gerne mal wieder da sein würde. Und ich glaube, viel auch einfach so das ganze Musikding gerade. Es passieren gerade viele schöne Sachen. Wir haben jetzt diesen Sommer viel erlebt, was man auch so verarbeiten muss. Das Reeperbahn Festival ist jetzt das letzte Ding dieses Jahr und dann im Dezember die Tour.

Q: Was denn für eine Tour? Erzähl es uns!

Savvy:
Wir gehen auf Tour und machen eine kleine Tour mit Stops in Hamburg, in Berlin, in Köln und München und laden dazu nochmal herzlich ein. Quasi im Anschluss an die Tour, die wir im letzten Jahr gemacht haben. Genau, und ja, da geht es jetzt auch in die Vorbereitung… scheiße! (lacht)

Savvy: Sicherlich werden bis dahin schon zwei, drei Songs, vielleicht sogar schon vom neuen Album zu hören sein. Also, ich denke schon. Und ich glaube, bis dahin kommt mindestens ein Song auch noch raus. Also voll. Sonst wäre es ja auch langweilig.

Q: Kann man da denn schon mit neuer Mukke rechnen, die dann auf der Tour gezeigt wird?

Savvy: Sicherlich werden bis dahin schon zwei, drei Songs, vielleicht sogar schon vom neuen Album zu hören sein. Also, ich denke schon. Und ich glaube, bis dahin kommt mindestens ein Song auch noch raus. Also voll. Sonst wäre es ja auch langweilig.

Q: Richtig. Wir freuen uns auf jeden Fall unglaublich. Dankeschön für das Interview.

Savvy: Danke euch. Hat sehr viel Spaß gemacht!


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