Das erste Feature und verrückte Pre-Show-Rituale – Interview mit Giant Rooks

Written by on 23. September 2021

Nach ihrer Gründung im Jahr 2014 erlebte die Indie-Pop-Band “Giant Rooks” unter anderem durch zahlreiche Newcomer-Preise und Auszeichnungen einen wahrhaft kometenhaften Aufstieg. 2020 erschien mit “Rookery” das lang ersehnte Debütalbum der fünfköpfigen Band aus Hamm, die mittlerweile als eine der angesagtesten Musikgruppen Deutschlands gilt. Genau ein Jahr später haben  wir mit Luca (Bass) und Finn (Schlagzeug) über ein Album Release ganz ohne Tour, ihr erstes Feature und verrückte Pre-Show-Rituale gesprochen.

© Joseph Kadow

Radio Q: Erstmal Danke, dass ihr euch Zeit genommen habt. Wir machen erstmal einen ganz entspannten Einstieg. Ihr bekommt gleich ein paar “Entweder-Oder?”-Fragen und sollt schnell und intuitiv antworten, was euch lieber ist. 

Beide: Das kriegen wir hin. (lachen) 

Q: Als erstes: Open-Air-Konzert oder in der Halle spielen? 

Beide: In der Halle. 

Finn: Beides schön, aber am liebsten in der Halle. 

Q: Musik machen oder Musik hören? 

Beide: Musik machen. Ganz klar. 

Q: Rock oder Indie Pop? 

Luca: Rock. 

Finn: Beides. 

Q: Auf Deutsch oder Englisch singen? 

Luca: Auf Englisch, das ist uns wirklich lieber. 

Q: Hamm oder Berlin? 

Luca: Hamm! Ganz eindeutig, oder? (Beide lachen) 

Q: Ganz heimatverbunden also! Ihr habt es geschafft, eure Leidenschaft zum Beruf zu machen. Was würdet ihr Studierenden raten, die in der Hinsicht noch versuchen, sich ihre Träume zu erfüllen? 

Luca: Wir haben uns von Anfang an ein Ziel gesetzt, als wir noch in der Schule waren und uns da kennengelernt haben: “Ey, Musik ist das was wir machen wollen über die nächsten Jahre”, und haben das einfach durchgezogen. Wir haben da glücklicherweise auch die Unterstützung von unseren Eltern und ganz vielen anderen erfahren. Es klingt so banal: Aber einfach Dinge machen und das machen worauf man Bock hat!

Finn: Daran glauben auch. 

Luca: Genau, daran glauben und Spaß an dem Ganzen haben. 

Q: Der letzte Song, den ihr veröffentlicht habt, war “Insomnia” mit dem Feature RIN. Wenn ihr euch ein Feature mit einem Künstler oder einer Künstlerin erträumen könntet, mit wem wäre das? 

Luca: Ganz aktuell wäre es bei mir, glaube ich, Jorja Smith, eine Künstlerin, die wir alle voll schätzen, die wir richtig oft hören und mit einer richtig nicen Stimme. Da hätte ich Bock drauf. 

Finn: Ja, das finde ich auch auf jeden Fall cool. 

Luca: Vielleicht auch noch ein internationaler Rap Star. (Beide lachen) 

Q: Welcher konkret? 

Luca: Skepta zum Beispiel. Das wäre doch ne coole Mischung, oder? 

Finn: Das wäre ne lustige Kombination. 

Finn: Auf den Song wäre ich auf jeden Fall auch gespannt. (Beide lachen) 

Q: Wie läuft denn eigentlich Komponieren bei euch ab? Gibt es bestimmte Zuständigkeiten?

Finn: Das ist eigentlich immer unterschiedlich. Manchmal ist es so, dass wir alle zu fünft im Proberaum sind und schreiben und ein bisschen jammen. Oder mittlerweile basteln wir auch viel schon am Computer an Songs . Die Grundideen kommen meistens von Fred, also von unserem Sänger. Das kann dann unterschiedlich weit sein, manchmal auch nur eine Idee – dann probieren wir zusammen ein bisschen dran. Manchmal ist es auch ein Song, der schon ziemlich weit ist und dann entwickelt sich das immer. Die Texte macht meistens Finn, unser Gitarrist. Aber es gibt da jetzt nicht den einen Weg, wie unsere Songs entstehen. 

Q: Wie verändert sich das denn, wenn ihr mit Features Songs schreibt? 

Luca: Wir haben ja noch nicht so viel Erfahrung gemacht mit Features. Deswegen waren wir erstmal voll glücklich, als RIN ungefähr vor einem Jahr auf uns zu kam und gefragt hat, ob wir mal Bock hätten, zusammen Musik zu machen. Dann haben wir uns im Studio in Düsseldorf bei seinem Produzenten Alexis Troy getroffen und haben erstmal einfach Musik gemacht und irgendwann kam diese Songidee. Und dann dachten wir so: “Ey komm, vielleicht kann man daraus ja ein Feature machen!”. Das hat sich dann über mehrere Monate gezogen, bis wir zu dem Entschluss kamen, dass wir den mal raushauen.

Q: Ihr seid ja jetzt schon seit Anfang Juli auf Open-Air Tour. Wie nehmt ihr so die Stimmung wahr, nach einem Jahr fast ganz ohne Konzerte? 

Finn: Voll gut. Also ich glaube, man merkt den Leuten überall voll an, dass es jetzt ein Jahr Pause gab und nichts los war aber alle wieder voll Bock haben auf Konzerte, auf Kultur, auf Sachen, die man nicht machen konnte. Das ist bei uns genau so, wir freuen uns auch wahnsinnig, dass wir jetzt hier wieder ein paar Shows im Sommer spielen können. Das ist super schön. 

Luca: Ja, man hat irgendwie so ein Gefühl von Dankbarkeit gespürt, im Publikum, auf der Bühne, bei den Veranstalter*innen. Weil alle einfach Bock drauf hatten und dankbar waren, dass das jetzt irgendwie gerade passieren kann. Es war bislang ein sehr schöner Sommer bei uns. 

…man hat irgendwie so ein Gefühl von Dankbarkeit gespürt, im Publikum, auf der Bühne, bei den Veranstalter*innen.

Q: Schafft ihr es denn eigentlich, miteinander Zeit zu verbringen, ohne dass es nur um die Arbeit geht? 

Luca: Ehrlich gesagt nicht. Wir hocken den ganzen Tag zusammen im Proberaum und wenn wir dann mal nach dem Proberaum noch zusammen in eine Bar gehen wollen um abzuschalten, kommt man immer irgendwann darauf zurück, über Musik zu sprechen. Da kommen wir glaube ich nicht von los. (Beide lachen) 

Q: Ihr habt mal in einem Interview gesagt, dass ihr Songs am liebsten dann spielt, wenn sie gerade frisch sind, da ihr euch als Band auch immer weiterentwickelt. Jetzt könnt ihr mit “Rookery” ja erst zwei Jahre nach dem Release auf Tour gehen. Was bedeutet das für die Tour im nächsten Jahr? 

Luca: Dass das auf jeden Fall eine sehr nice Tour wird. Klar, wir konnten die Songs von unserem Debütalbum jetzt schon über den Sommer spielen. Aber es ist nochmal was anderes, wenn man dann wirklich – hoffentlich ohne Abstandsregelung – wieder richtig fette Konzerte in Hallen spielen kann. Und da haben wir halt mega Bock drauf. 

Q: Gibt es, bezogen auf das Album, etwas, dass ihr heute schon anders machen würdet? 

Finn: Wenn das jetzt heute nochmal rauskäme, sicherlich viele Sachen. Ich bin super zufrieden und im Reinen mit dem Debütalbum, das heute by the way genau ein Jahr alt ist! Da kann man einen Cut machen. Es geht ja auch immer weiter, wir machen jetzt neue Sachen und können da wieder die Energie reinstecken. 

Q: Für viele Bands ist die Tour nach dem Release das beste Feedback. Wie habt ihr euch jetzt Feedback eingeholt?

Luca: Ja gut, ein paar Konzerte konnten wir jetzt spielen. Wir haben letztes Jahr auch ein paar Live-Stream Konzerte und eine eigene virtuelle Welt-Tournee gespielt, wo wir mit den Leuten aus der ganzen Welt connecten konnten. Und wir hatten das Glück, dass seit dem Release viele Leute – wirklich aus allen verschiedenen Ländern – plötzlich auf uns aufmerksam wurden und mit denen sind wir in sehr engem Kontakt. Darüber holt man sich dann Feedback und sieht, wie immer mehr Menschen dazu kommen und das Album feiern. Das ist eine wunderschöne Sache. 

Ich bin super zufrieden und im Reinen mit dem Debütalbum, das heute by the way genau ein Jahr alt ist!

Finn: Ich würde auch sagen, dass das nicht auf einen Schlag kommt, sondern Stück für Stück immer wieder was Neues dazu kommt. Weil wir, wie ihr schon gesagt habt, noch gar nicht wirklich getourt sind mit dem Album, bekommen wir jetzt erst Live-Feedback: Wenn Leute die Songs kennen, mitsingen und sich darüber freuen. Das passiert gerade erst alles und liegt zum Teil ja auch noch vor uns. Dass das alles so “step by step” geht, ist eigentlich ganz schön. 

Q: Welche Songs kamen denn besonders gut an und gab es da irgendwelche großen Überraschungen für euch? 

Luca: Ich würde sagen, dass alle Songs relativ gut ankamen. Klar, bei Live-Shows kommen Songs wie “Heat up” besonders gut an, weil alle Bock haben zu tanzen. Aber ein ruhigerer Song wie “Into your arms” auch. 

Q: Habt ihr ein Ritual vor den Shows? 

Finn: (Beide lachen) Das ist eigentlich ziemlich bescheuert. Ich weiß auch nicht, wer auf die Idee kam und warum. Wir haben irgendwann angefangen, einfach “Happy Birthday” mit allen Leuten zusammen vor der Show zu singen und irgendwie haben wir das dann immer so weiter gemacht. Wenn wirklich jemand Geburtstag hat, ist das natürlich umso schöner. Wenn nicht, dann hat halt immer random irgendeine Person Geburtstag. Das ist wirklich ziemlich bescheuert. (Beide lachen) 

Luca: Eine Show-Vorbereitung mit Augenzwinkern. 

Q: In Anbetracht dessen, dass “Rookery” genau heute ein Jahr alt wird, ist es aber auch angebracht! Ist also alles auf diesen einen Moment hingearbeitet. 

Luca: Stimmt, jetzt wird es Zeit für was Neues! 

Q: Zum Schluss haben wir uns überlegt, dass wir ein Paar Sätze anfangen werden und ihr die dann für uns beendet. Der letzte Song den ich auf Spotify gehört habe…

Luca: “Wasted” von Digga D. 

Finn: Das war so ein Party Song gestern Abend. (Luca lacht) 

Q: Mein Lieblingssong auf dem Album Rookery ist… 

Finn: Schwierig…ich sag jetzt einfach mal “Silence”. 

Luca: “Heat Up”. 

Q: Mein persönlicher Soundtrack des Sommers 2021 ist… 

Luca: “Africa”, nicht von TOTO, sondern von einem DJ Namens “Digitaline”, davon komme ich einfach nicht los.… 

Finn: Ich glaube, ich habe keinen Sommer Soundtrack. 

Q: Das letzte Konzert, das ich selber als Zuschauer gesehen habe war… 

Luca: Entweder ist es Jeremias oder Sam Fender in Berlin gewesen. Das war beides am gleichen Wochenende und ein paar Tage später kam der Lockdown. 

Finn: Vor kurzem “Razz”, eine befreundete Band von uns. Die hat in Berlin gespielt. 

Luca: Achja stimmt, ich war letztens auch noch bei Von Wegen Lisbeth in Potsdam! 

Q: An dich Finn: Wenn Luca ein Song wäre, wäre das… 

Finn: (Beide lachen) Inspektor Norse von Todd Terje.

Luca: (lacht) Finde ich gut. 

Q: Und anders herum? 

Luca: “Take on me” von a-ha. (Beide lachen) 

Q: Dann kommen wir auch schon zum Abschluss: Wenn ich mein Leben lang nur noch ein Album hören dürfte, dann wäre das… 

Luca: Bei mir ist das easy, “Because of the times” von Kings of Leon, mein favorite Album of all time. 

Finn: “Long way down” von Tom Odell. 

Q: Danke, dass ihr euch die Zeit genommen habt. 

Luca: Schön, dass ihr hier wart! 

Das Interview führten Marie Schwesinger und Neele Hoyer.


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