Interview mit Gurr

Geschrieben von am 27. Juli 2019

Sie haben vor kurzem Ihre neue EP rausgebracht und stehen in diesem Jahr wieder auf vielen Rock- und Indie-Festivals im Line-up. Gurr meldet sich 2019 mit „She Says“ zurück und wir hatten sie zum zweiten Mal im Interview. Auf dem „Way Back When“ in Dortmund.

Wie war eure Fahrt hierher so? Seid ihr auch mit dem Zug gekommen?

Laura: Ich bin mit dem Zug gefahren, weil ich vorher bei meinen Eltern war. Der Rest ist aus Berlin gekommen, (an Andreya) ich glaub‘ 6½ Stunden habt ihr gebraucht?
Andreya: Ne waren nur 4½. Aber es war voll heiß. Naja es war komisch, erst hat es geregnet, dann war es voll heiß, dann hat es geregnet, dann war es wieder voll heiß!

Wohnt ihr noch in Berlin? Oder seid ihr mittlerweile umgezogen?

Laura: Ja. Wir wohnen in Berlin und jetzt auch relativ nah beieinander.
Andreya: Irgendwie hätte ich mittlerweile auch mal wieder Bock außerhalb zu wohnen. Manchmal nervt es dass da immer so viele Leute auf einem Haufen sind.

Ihr habt in London produziert, zieht es euch nicht auch dorthin?

Andreya: Wir haben die Single Hot Summer in London aufgenommen und es war schon geil; hat sich eben angeboten, weil wir grade dort auf Tour waren. Ich glaube generell ist es geil woanders hinzufahren und woanders aufzunehmen, weil es einen in eine andere Welt schmeißt und vielleicht ein bisschen Inspiration gibt. Unsere EP haben wir in Berlin aufgenommen und da war es so wie…. zur Arbeit fahren. Es wäre mal spannend zu sehen wie es wäre, an einem Ort zu sein, an dem man schläft und auch was Aufnehmen kann, wenn man zwischendrin Bock drauf hat.
Laura: Diese ganzen Hürden nerven irgendwann. Zum Schreiben fänd‘ ich es ganz geil, zum Aufnehmen würde ich lieber woanders hinfahren.

Welche Musiker und Musikerinnen habt ihr heute kennengelernt auf dem Festival? Gibt es jemanden, den ihr schon von anderen Festivals oder Auftritten kennt?

Andreya: Von Xul Zolar kenne ich einen, den habe ich in Köln getroffen. Ich hab eine Solotour gespielt und er hat mich gemischt. Und er kennt auch unseren Schlagzeuger.
Laura: Und der Schlagzeuger von Xul Zolar ist wiederum der Guitar Tag von AnnenMayKantereit, mit denen wir auf Tour waren.

Zufälle gibt’s! Ich hab mal gehört, man kennt jeden Menschen auf der Welt über 7 Ecken. Ihr ward 2017 viel auf Tour, nachdem ihr euer erstes Album „In my head“ rausgebracht habt. Ist das nach eurer neuen EP „She Says“ wieder so?

Laura: Schon. Drei Wochen Amerika, davor war unsere Headline-Tour durch Deutschland und jetzt die ganzen Festivals. Wir haben London geplant und die USA stehen auch auf dem Plan. Das Ganze geht jetzt wieder ziemlich schnell.

Rock am Ring war für euch ein großes Chaos, habt ihr wieder Bock auf große Festivals, oder lieber klein und fein?

Groß, voll. Wir spielen dieses Jahr noch auf dem Hurricane und dem South Side. Das haut schon rein. Kleine Festivals wie heute, das Haldern oder das Maifeld Derby, auf dem wir auch spielen, sind cool, weil man näher an den Leuten ist. Wir an den Zuhörern, aber auch die Künstler und Künstlerinnen untereinander. Wir freuen uns nämlich voll auf Deerhunter heute Abend! Das ist eine meiner Lieblingsbands, die sind noch nicht da, aber ich bin schon ganz aufgeregt!

Glückwunsch zu eurer neuen EP übrigens, ich hab auf eurer Seite gelesen, dass ihr einen kleinen Downer hattet, in der Zeit vor dem Release, geht’s euch jetzt wieder besser, nachdem das alles draußen ist und erledigt?

Laura: Ein Release ist immer ein bisschen Kathartisch, weil man endlich das Grübeln aufhört und dann ist es draußen. Es war auch schön, dass wir uns dann auf diese sieben Songs geeinigt haben und die machen auch total Sinn, in der Kohärenz von der EP. Das war ein guter Moment für uns. Jetzt können wir wieder frisch anfangen, Songs schreiben fällt uns eigentlich nicht so schwer, aber das ganze Rausbringen und Releasepolitik und die ganze Organisation die danach kommt, das kann teilweise so lange dauern. Ist schwer, denn man fühlt sich nicht so, als läge das Kommende noch in deiner Hand. Fühlt sich jetzt wieder besser an.

Früher habt ihr noch bei Freunden von Freunden von Freunden von Freunden gepennt, oder im Caddy. Ist das immer noch so, macht ihr das zwischenzeitlich ganz gerne, „der alten Zeiten willen“?

Laura: In Amerika sind wir wieder sehr low key unterwegs gewesen, nur zu viert, und haben wieder bei Freunden von Freunden übernachtet. Das fühlt sich ganz cool an. Der Kontakt zur Stadt ist da und es gibt selbstgekochtes Essen, was viel Wert sein kann, wenn man auf Tour nur Scheiße an Raststätten isst. Das war in Amerika ein „Back to the roots“.

Ihr habt auch studiert, habt euch sogar an der freien Uni Berlin getroffen, habt ihr beide das Selbe studiert?

Andreya: Wir haben im Bachelor Nordamerikastudien studiert und dann im Master europäische Medienwissenschaft. Ich bin dann nicht mehr so häufig hingegangen, aber Laura hat jetzt ihren Master zu Ende gemacht. Also an alle Studierenden: Es ist possible!

Während ihr auf Tour seid und das Album rausgebracht habt und die ganzen Songs, die ihr gemacht habt?

Laura: Letzte Woche hab ich verteidigt. Deswegen bin ich auch hart in Feierlaune gerade.

Herzlichen Glückwunsch! Ich komme da vielleicht auch irgendwann mal hin.

Laura: It’s a long way to the top of the Uni.

(An Andreya) Und für dich, du hattest irgendwann einfach keinen Bock mehr auf die ganze Chose?

Andreya: Ich bin noch im Ausland gewesen und dann ein wenig hinterher, dann war Laura schon weiter, naja die Präsenzzeiten haben es mir nicht möglich gemacht.

Das ist es wieder mit den Präsenzzeiten, muss doch jeder selbst wissen, ob man es braucht, oder nicht. Anderes Thema: „She Says“ hat wieder deutsche Songs, oder vielmehr einen: „Zu Spät“. Ist das etwas was euch grundsätzlich am Herzen liegt, oder ist das temporär und kann auch gerne über Bord fliegen?

Andreya: Wir machen das so, wie wir Bock haben, wir gucken da jetzt nicht drauf, dass wir einen Quotendeutschen Song haben.
Laura: Es ist schon schön, dass wir eine Fanbase in Deutschland haben.
Andreya; Und auf Deutsch lässt es sich für einige einfacher mitsingen.
Laura: Wir fühlen uns in beiden Sprachen zu Hause, ich glaube Andreya und ich haben früh angefangen uns diese Sprache als Musikerinnen zu eigen zu machen, deswegen fühlt es sich nicht befremdlich an, auf Englisch zu schreiben. Unseren Sound mit deutschen Texten zu verbinden, fühlt sich erfrischend an.

Wenn ich manche Texte nehme und die aus dem Englischen direkt auf Deutsch übersetze…

Andreya:…sind sie dumm, ja. Man muss anders schreiben auf Deutsch.

Macht ihr das noch, dass ihr Songs auf Deutsch und auf Englisch rausbringt? Wie bei „Walnuss“ und „Walnut“ damals?

Laura: Vielleicht. Naja, wenn es sie gibt, denn bei „Zu Spät“ haben wir keine englische Version aufgenommen, es war zwar geplant, aber dann dachten wir uns, es ist perfekt so wie es ist. Es hat sich nicht so dringlich angefühlt. Wir sollten das nicht forcieren. Weil dann ist es meistens Scheiße.

Ihr habt eine Plattform geschaffen, auf der sich Bands finden können. Primär geht es da um weibliche, oder non-binary Bands, wie funktioniert das, wie läuft’s?

Laura: Wir brauchen noch mehr, immer mehr Bands die sich gründen wollen. Ihr könnt uns Handgeschrieben euren Aufruf schicken und wir veröffentlichen das dann auf Instagram. Es haben sich tatsächlich schon Bands dadurch gefunden und fangen an zu proben, das ist voll schön zu sehen.

Anstatt ein Album rauszubringen habt ihr dann erstmal die EP rausgehauen.

Andreya: Weil wir nicht mit allen aufgenommen Songs 100% zufrieden waren, einige haben sich live viel cooler angehört als auf der Aufnahme und dann hat es mehr Sinn gemacht, das nicht zu pushen und die Songs die nicht in die Klangfarbe gepasst haben, sind jetzt nicht auf der Platte, nur um da ein liebloses zweites Album draus zu basteln. Dann wollten wir lieber eine schöne, runde EP.
Laura: Keine Kompromisse.

Das Interview führte Mel Kinkel; Foto: Mel Kinkel


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