Interview mit The Neighbourhood

Geschrieben von am 23. April 2019

Man kennt sie durch Hitsongs wie „Sweater Weather“ oder „Daddy Issues“. Letztes Jahr wurde das dritte Album “Hard To Imagine The Neighbourhood Ever Changing” der fünfköpfigen Band aus Kalifornien veröffentlicht. Nach zahlreichen Konzerten und Festivals im selben Jahr, war The Neighbourhood Anfang Februar im Rahmen einer Europa-Tour unter anderem auch in Köln. Grund genug für Radio Q-Reporter Julian Thamm, ein paar Worte mit Frontmann Jesse Rutherford über das neue Album zu wechseln.

Gestern hattet ihr ein Konzert in Amsterdam, vorgestern in London. Wie läuft die Tour bis jetzt?

Großartig. Sie läuft großartig. Es ist aufregend hier zu sein.

In den letzten drei Tagen seid ihr ja ein bisschen rumgekommen. Ich kann mir vorstellen, dass es echt stressig sein muss. Habt ihr zwischen den Konzerten auch Zeit, um die Städte zu sehen?

Nicht wirklich. Und es ist so kalt grade. Man will nicht krank werden, wenn man hier ist. Das geht so schnell, vor allem wenn man einen Wetterwechsel hatte. Wir sind von Kalifornien gekommen, wo es ziemlich warm ist. Es ist eigentlich immer ziemlich heiß da. Und dann das Flugzeug und wenig Schlaf… also am Ende ist es nicht die beste Option hier rumlaufen. Insbesondere am Tag der Show, je nachdem, wie sich meine Stimme anfühlt. Ich glaube, wir haben morgen einen freien Tag. In Hamburg oder so?

Ja, genau, Hamburg.

Ja, ich glaube wir haben da einen freien Tag. Da werde ich wahrscheinlich ein bisschen rumlaufen und die Stadt besichtigen. Und meine Freundin ist auch hier, also noch mehr Grund, alles anzusehen.

Das ist echt toll! Gibt es ein Land, indem ihr noch nie aufgetreten seid, aber gerne auftreten würdet?

Ähm, ja, wahrscheinlich viele Orte. Wir waren noch nie in Japan. Ich will echt gerne mal da hin, aber ich denke, ich gehe da im Juni hin. Also nicht mit der Band, ich gehe alleine. Aber ich würde gerne mal mit der Band nach Japan gehen. Was noch? Ich meine sehr viele Länder, um ehrlich zu sein. Es gibt so viele Orte auf der Welt, wo wir noch nie waren aber auch viele, wo wir schon waren. Jamaika wäre echt cool.

Das Album „Hard To Imagine The Neighbourhood Ever Changing“ ist anders als eure vorherigen Alben. Es gibt viel mehr Hip Hop- Elemente und ihr hattet unglaubliche Kollaborationen mit einiger Rappern, wie Denzel Curry oder Nipsey Hussle. Denkst du, es ist wichtig, für Abwechslung zu sorgen, um interessant zu bleiben?

Ja, vollkommen! Ich meine, wir machen immer Musik, die uns gefällt und wir hatten all diese Elemente schon sehr früh in unserer Musik.

Wenn man versucht, für Abwechslung zu sorgen, besteht immer die Gefahr, dass einige Fans vielleicht enttäuscht werden. Die meisten Fans unterstützen euch, egal was ihr tut. Vor allem aber in sozialen Medien gibt es viele Leute, die unzufrieden sind, und sich wünschten, ihr würdet dieselbe Musik machen, wie vor ein paar Jahren. Wo würdest du die Grenze zwischen ‘für Abwechslung sorgen’ und ‘eine andere Band werden’ ziehen?

Also, das ist lustig, weil ich denke, dass wir das jetzt auch verstehen. Glücklicherweise haben wir Fans, die immer bei uns waren und mit uns gewachsen sind. Gleichzeitig haben auch neue Fans gewinnen können, die vielleicht unsere neue Musik mehr mögen, als die alten Fans, die alte Musik. Ich sehe beide Seiten und ich verstehe beide Seiten. Wir haben unsere Musik auch immer als eine Art Bewältigungsmechanismus für uns selber gesehen. Also, was wir in die Musik stecken, muss für uns echt sein. Wir könnten nichts faken, wir könnten nicht einfach etwas machen, nur weil jemand das will. Wir sind nicht diese Art von Personen, leider. Und wir haben es auch versucht! Wir haben immer versucht, unseren Fans zu gefallen, so weit wie es möglich ist, aber es ist nicht immer… möglich. Dieses Album hat uns jedoch ein bisschen die Augen geöffnet, weil die Fans eben so reagiert haben. Klar, wir haben miteinander geredet und dachten uns erst “Ja, genau, so eine Musik brauchen wir jetzt nicht mehr machen. Damals, als wir das und das gemacht haben, das sollten wir versuchen zu imitieren.” Aber man muss auch erwachsen werden. Man muss bedenken, wir haben diese Musik, wie du schon gesagt hast, vor sechs Jahren gemacht. Wir waren sicher Jungs damals. Also ich fühle mich jetzt nicht wie ein verdammter alter Mann aber ich fühle mich auch nicht wie ein Junge. Ich hab diese Songs geschrieben, wir haben diese Songs und wenn man diese Songs mag, dann ist das cool. Aber ich will auch in der Lage sein, weiterzugehen und das ist, was du meintest mit ‘keine andere Band werden’. Weißt du, über die Jahre fühlte es sich schon so an und ich denke jetzt, wo wir alle älter geworden sind, sind wir wieder in der Lage, zurückzugehen. Wir schreiben neue Musik gerade. Wir schreiben gerade ein neues Album. Also, ich denke wir sind wieder in der Lage, dahin zurückzugehen, wo wir waren, als wir angefangen haben.

Ich glaube letztes Jahr in einem Interview meinte Brandon (Drummer), dass es auch darum geht, den Stil der Band zu finden. Die vorherigen Alben waren eure ersten beiden. Offensichtlich verändert man sich als Band, oder?

Das ist lustig, weil für uns sind alle drei Alben echt unterschiedlich. Alter, als “Wiped Out!” rausgekommen ist und wir auf Tour waren und alles… weil das Album nicht so erfolgreich war, wie “I Love You”, dachten wir alle “Oh, wir haben versagt”. Es war echt schwer für uns, das durchzustehen. Wir sind uns gegenseitig an die Gurgel gegangen. Es war nicht die beste Zeit für uns aber die Leute mochten anscheinend die Musik. Würdest du sagen, die ersten beiden Alben sind sehr ähnlich? Ich denke, sie sind unterschiedlich.

Die Alben sind definitiv unterschiedlich aber ich kann mir vorstellen, warum manche Leute denken, dass die Alben ähnlich sind.

Würdest du sagen, Album drei ist komplett anders?

Ich würde sagen, der Unterschied zwischen dem ersten und zweiten Album ist nicht so groß, wie Album eins und zwei im Vergleich zu drei.

Echt?!

Ja, ich denke schon. Aber es kommt natürlich auf die Person an.

Ja, total! Könntest du sagen, warum? Ich bin nur neugierig.

Es ist schwer zu beschreiben aber ich denke, besonders “Wiped Out!”, wie du mal in einem Interview gesagt hast, ist sehr “bandy”. Und das sehe ich genau so. Das neue Album hingegen hat viele Kollaborationen mit den ganzen Rappern. Das wäre zum Beispiel ein Unterschied.

Und abgesehen von den Stimmen? Es gibt um die 20 Songs in dem Album und in vier davon gibt es andere Stimmen. Aber instrumentell und so. Es ist merkwürdig für mich, weil ich generell immer versucht habe, das selbe Ding zu machen und einfach besser darin zu werden. Für mich ist das neue Album mehr “computery”. Und, wie du sagtest, Wiped Out! ist eher “bandy”. Und ich denke, das nächste Ding, was wir machen werden, ist mehr “bandy”. Also, wir machen das wieder. Und vielleicht war ich es, der sich für eine lange Zeit dagegen gestellt hat.

Der Song „Sadderdaze“, soweit ich sagen kann, handelt von dem Dasein als Musiker, berühmt sein und die Belastung, die damit einhergeht. Du hast den Text natürlich geschrieben aber denkst du manchmal daran, nicht berühmt zu sein oder kein Musiker zu sein?

Ich denke der Song geht nicht unbedingt nur darum. Für mich geht es um erwachsen werden. Die Sache, die du wirklich willst, die du vielleicht sogar erreichen kannst und dann schaffst du es und im Endeffekt ist es gar nicht so, wie du es dir vorgestellt hast. Vielleicht war der Weg daran schuld, weil wenn man wirklich hart und lange für etwas arbeitet und es erreicht, realisiert man es nicht richtig und denkt sich „Oh, anscheinend habe ich es wirklich geschafft“. Der Song ist wahrscheinlich einer meiner Lieblingssongs… neben „Stuck with Me“ und „Void“.

Ihr hattet eine unglaubliche Zusammenarbeit mit Tommy Wiseau für das „Scary Love“-Musikvideo. Wie kam es dazu? Wer hatte die Idee?

Also wir wussten, dass wir ein Scary Love Musikvideo drehen würden und wir wussten, welcher Regisseur es sein sollte und sie gab uns eine Einführung und sie sagte, es sollte einen Charakter in dem Musikvideo geben. Dieser konnte von irgendjemanden gespielt werden oder von mir und natürlich hab ich erst gedacht “Ja, klar, ich sollte es machen. Ich sollte den Charakter spielen”. Und Zach (Leadgitarrist) hat dann Tommy vorgeschlagen und wir waren uns einig, wie “Oh mein Gott, ja, er könnte es bestimmt machen”. Und Adam, unser Creative Director, kontaktierte Tommy und nach ein paar Stunden hat er sich zurückgemeldet. Er war echt cool. Das hat Spaß gemacht.

Er wird seinem Ruf als Meme gerecht, was ich ziemlich cool finde. Der Stil in dem Video ist auch sehr interessant. Irgendwie futuristisch.

Futuristisch aber alt und billig, ja. Wie ein B-Movie.

Ich finde das so cool.

Danke, Mann! Es ist echt cool geworden.

Bei den Kommentaren auf Youtube nannte jemand das Musikvideo „Die ehrgeizigste Kollaboration nach Marvel’s Infinity War“.

(lacht) Oh mein Gott, das ist lächerlich aber so großartig.

Jesse, du hast einmal in einem Interview gesagt, dass der Auftritt auf Lollapalooza in Brasilien letztes Jahr einer deiner Favoriten ist. Ich meine, das Publikum war begeistert, Mädchen haben vor der Bühne geheult und alle haben mitgesungen. Das war nicht dein erstes Festival aber wie fühlt es sich an, auf so einer riesigen Bühne mit so vielen Fans aufzutreten?

Es fühlt sich einfach richtig an… großartig. Es fühlt sich an, wie alles, von dem ich je geträumt habe, seit ich ein Kind bin. Bei so vielen Leuten ist es fast schon einfacher aufzutreten. Ich denke es ist einfacher, es beruhigt mich. Zu wissen, dass da so viele Leute sind und dass die alle auch noch so reagieren. Es ist einfach wie “Uhh, ihr gebt mir etwas. Ich will euch alles zurückgeben!” Weißt du was ich meine? Es ist unglaublich. Heute Abend wird auch so verdammt cool. Dieser Raum da unten, das ist so verrückt, Alter.

Nochmal über Brasilien: Es gibt eine extrem aktive Fangruppe namens „The Neighbourhood Brazil“.

Sie ist es.

Ich habe mich mal auf der Twitter-Seite der Gruppe umgesehen und es scheint so, als wüssten sie alles über euch.

Es ist absurd.

Macht es dir manchmal Angst, wie viel deine Fans wirklich über dich wissen?

Vielleicht nicht so viel Angst, wie ich haben sollte. Es kann sein, dass ich naiv bin. Ich bin ziemlich sicher, dass ich naiv bin. Aber ich denke, es gibt nichts, was ich verstecken müsste. Also mir ist es egal, wie viel die Fans über mich wissen. Aber, manchmal ist es in einer bestimmten Art und Weise aufdringlich. Das verstehen viele Leute nicht. Ich bin öffentlich, ich bin öffentlich mit allem, was ich tue. Also es ist alles für die Welt. Ich mache das, ich bin selber schuld. Weißt du, was ich meine? So sehe ich das immer. Es ist so, wie es ist… aber ich hoffe, dass wenn ich mit den Leuten rede oder interagiere, dass sie ein bisschen entspannen. Also, dass es nicht so übertrieben und zwanghaft ist. Es schmeichelt mir schon aber manchmal ist es ein bisschen zu viel.

Was waren verrückte Dinge, die eure Fans gemacht haben, um eure Aufmerksamkeit zu bekommen?

Ich weiß nicht. Ich glaube, ich finde es nicht verrückt. Es ist einfach immer. Es gibt so viele Dinge. Ich meine das Internet… manchmal posten die Leute echt eklige Kommentare, in der Hoffnung, dass ich antworte. Das stört mich und ich antworte nicht auf solche Kommentare. Ich gebe nicht nach. Aber ich weiß, dass sie einfach so dringend Aufmerksamkeit wollen und das wollen wir alle und ich verstehe das aber du weißt schon… das ist kein Grund, darauf zu antworten. Ich weiß nicht. Ansonsten… es tut mir Leid, mir fällt grade nicht das Verrückteste ein.

Die letzte Frage: Wenn ihr auf Tour seid, hört ihr zwischendurch auch Musik? Und wenn ja, was so Musik hört ihr?

Ja, also wir hören alles mögliche. Ich höre öfters mein eigenes Zeug, weil ich immer irgendetwas schreibe und mache. Echt alles mögliche… letzte Nacht habe ich tatsächlich einen Podcast gehört. Leute, die reden.

Okay, ich bedanke mich herzlich für das Interview.

Selbstverständlich, Mann. Vielen Dank, das weiß ich zu schätzen.

Das Interview führte Julian Thamm


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