INTERVIEW MIT MISCHA

Geschrieben von am 26. November 2018

Mit ihrer ersten veröffentlichten Single „Stehend Schweigen“ begeistert Mischa momentan Hörer auf Spotify. Eine Band aus dem Süden Deutschlands, die vor Energie nur so strotzt. Wir haben mit Frontfrau und Sängerin Mimi über die Entstehung von Mischa, den Hype um Großstädte und Träume gesprochen und wieso es gut ist ein „Landei“ zu sein.

Auf eurer Website steht der folgende Spruch: „Sich selbst hinterfragen. Sich selbst kritisieren. Sich selbst nicht ganz so ernst nehmen.“ Ist das euer persönliches Motto und wenn ja, wie hat sich das etabliert?

Ja, man kann schon sagen, dass das unser persönliches Motto ist. Wir kommen aus einer Kleinstadt, gelegen zwischen Ulm und dem Bodensee, die man eigentlich nicht kennt. Deswegen wird man als Band auch schnell nicht ernst genommen, denn die ganzen bekannteren Bands kommen eher aus dem Norden. Wir finden es aber voll okay die Landeier oder Dorfkinder zu sein (lacht). Wir freuen uns, wenn wir einen Gig in Stuttgart oder einer anderen Großstadt haben, aber dann als Kontrast auch morgens aus dem Fenster schauen zu können und die Hühner zu sehen.


Du hast 2015 bei der Sendung „The Voice“ mitgemacht. Wie hast du die Teilnahme an der Show erlebt und was konntest du so alles an Erfahrungen mitnehmen?

Also an sich kann ich sagen, dass es wirklich eine der krassesten Zeiten meines Lebens war. Auf einmal wird man umzingelt von Kameras und muss die ganze Zeit parat stehen. Von Null auf Hundert musst du präsent sein. Ich bin damals nach Berlin gegangen, weil dort die Show aufgezeichnet worden ist. Ich fand Großstädte schon immer cool und sympathisch, aber für mich war immer klar, dass wohnen dort nichts für mich ist. Die Erfahrung vor Ort hat mir nochmal bestätigt, dass für mich persönlich dort zu viel Trubel herrscht. Es war aber wirklich cool und ich habe ganz viele tolle Menschen kennengelernt, mit denen ich auch heute noch immer in Kontakt bin. Insbesondere mit anderen Musikern, mit denen ich mich auf Anhieb am besten verstanden habe.

Und mit deinem Coach Steffi?

Mit Steffi hatte ich nach „The Voice“ noch etwas mehr Kontakt. Sie hat uns als komplette Band noch zu Konzerten eingeladen, wenn sie zufällig in der Nähe war. Zusammen haben wir dann auch noch Zeit bei ihr im Backstage verbracht und gemeinsam über Gott und die Welt geschnackt.

Wie und wann ist Mischa denn entstanden? Wie habt ihr zueinander gefunden?

2016 haben wir uns im Proberaum zusammengesetzt und dann beschlossen, dass wir 5 zusammen Musik machen wollen. Yannick, Alex und ich kannten uns schon, aber uns hat noch Gitarre und Schlagzeug gefehlt. Wir sind dann irgendwann über Martin und Julius gestolpert und haben direkt festgestellt: diese Kombi funktioniert, das wollen wir machen. Aber dadurch, dass wir alle recht perfektionistisch sind, haben wir erst letztes Jahr im März unseren ersten Auftritt gehabt, weil wir wirklich erst alles fertig haben wollten. Unser Ziel war es ein komplettes Set spielen zu können und wir haben eine eigene Lichtshow programmiert. Für manche Bands wahrscheinlich erstmal unnötig, aber uns war es sehr wichtig. Seitdem hatten wir bis jetzt auch schon 50 Auftritte.

Ihr habt in den letzten Monaten auch einige Wohnzimmer Konzerte gegeben. Bevorzugt ihr die große Bühne oder so einen kleinen, eher intimen Rahmen?

Genau, wir haben dieses Jahr unsere erste Wohnzimmer Konzerttour organisiert. Wir haben auf Instagram mal gepostet, ob jemand Bock auf ein WG Konzert bei sich hat. Es haben sich tatsächlich so viele Leute gemeldet, dass wir manchen sogar absagen mussten, weil wir das gar nicht hinbekommen hätten, von der Zeit und Strecke her. Wir waren dann erstmal nur in Baden-Württemberg unterwegs und es war eine super Erfahrung! Wir waren währenddessen 10 Tage in unserem eigenen Bus unterwegs und es war echt eine wunderschöne Zeit.

Es ist ganz unterschiedlich, was wir bevorzugen. Auf der WG Tour hatten wir zwischendurch auch einen normalen Gig, standen auf der Bühne, haben uns angeguckt und gemerkt: das ist auch voll fett! Am nächsten Tag ist man dann in der WG mit 30 Leuten, zusammengequetscht in einem Raum und verhält sich als Musiker nochmal komplett anders. Man erzählt mehr und wird viel persönlicher, was auch schön ist. Beides hat seine eigenen Vorteile und man kann es kaum vergleichen, da jeweils eine komplett unterschiedliche Atmosphäre herrscht.


Und euer Bandname? Wer hatte die Idee und gibt es eine bestimmte Geschichte dahinter?

Mischa ist russisch und heißt sowas wie Bärchen. Der Bandname ist erst viel später entstanden als die Songs. Natürlich kommt man an den Punkt, an dem man sich einen Namen ausdenken muss und da habe ich überlegt: was ist überhaupt unsere Musik und was macht sie aus? Ich selbst komme aus Russland und habe ein bisschen rumgespielt und ausprobiert und bin dann irgendwann auf Mischa gekommen. Zum einen fand ich diesen kräftigen, beschützerischen Aspekt und, dass man aufeinander Acht gibt interessant, eben wie eine Bärenmutter auf ihre Familie, aber gleichzeitig auch das Kuschelige passend (lacht).

 
Ihr seid in diesem Jahr Finalisten des diesjährigen Play Live Förderpreises. Könnt ihr uns dazu etwas mehr erzählen?

Das Play Live wird von Popbüros in Baden-Württemberg finanziert und gesponsert. Dort können sich Bands aus ganz Baden-Württemberg bewerben. Danach findet der sogenannte Kessel Kongress in Freiburg, Heilbronn und Stuttgart statt, wozu wir eingeladen worden sind. Dort trifft man zum ersten Mal die Jury und stellt sich vor. Man quatscht ein wenig miteinander und circa eine Woche später bekommt man Bescheid, ob man zum Live Vorspiel eingeladen wird. Das wurden wir und zwar zum LKA in Stuttgart, eine große Veranstaltungshalle, was gleichzeitig ein Jugendtraum von uns allen war dort einmal spielen zu dürfen. Definitiv eine der krassesten Erfahrungen dieses Jahr!
Insgesamt werden aus 16 Bands dann vier von der Jury ausgewählt. Man bekommt dann Coachings, zum Beispiel für Stage Performance. Wir fünf hatten ja zuvor schon eine sehr starke Bindung, die hierdurch aber nochmal verstärkt wurde. Außerdem hat man auch Strategiegespräche: wohin will Mischa? Was wollt ihr erreichen? Im Dezember ist dann Finale und der Gewinner des Play Live erhält Förderpreise. Die Veranstalter und Juroren suchen dann zudem noch aus, wer im nächsten Jahr auf dem Southside Festival spielen darf.

Ihr habt ja in den letzten Wochen schon viele Auftritte gehabt und diesen Sommer noch einiges geplant. Gibt es für euch eine Traum Location oder ein Festival, auf dem ihr in Zukunft unbedingt mal auftreten wollt?

LKA-Longhorn können wir ja jetzt schon offiziell abhaken, aber natürlich wäre es toll mal als Support für jemand Großen spielen zu dürfen. Das wäre auf jeden Fall ein Traum. Natürlich auch das Southside, Deichbrand oder das Happiness Festival. Generell gilt bei uns aber einfach so viel spielen wie möglich. Auch die kleinen Festivals sind toll! Am Tag vorher kann man dort noch ein bisschen rumlaufen, quatschen, Sticker verteilen und Werbung für sich machen. Das Beste ist, wenn man am nächsten Tag sieht: Hey, ein paar von denen sind tatsächlich da und zum Auftritt gekommen.

Könnt ihr schon von eurer Musik leben oder geht ihr neben den ganzen Auftritten noch arbeiten? Wie kann man sich euren Alltag so vorstellen?

Die Jungs studieren alle und ich arbeite nebenbei in einer Kneipe und zudem noch tagsüber in der Grundschule, wo ich Flüchtlingskinder unterrichte, was wirklich toll ist. Zudem geht der Unterricht in der Grundschule meist nur bis 12 Uhr und bald sind Ferien, was es natürlich leichter macht Zeit für die Musik zu finden. An Wochenenden sind wir als Band aber generell immer zusammen und es ist echt eine Seltenheit, dass wir mal an einem Tag nicht zusammen unterwegs sind. Ist das der Fall freuen sich Familie und Freunde natürlich und sind dankbar, dass wir auch mal ein wenig Zeit für sie haben (lacht). Oft skypen wir innerhalb der Band aber auch miteinander oder schicken uns einfach digital ganz viel hin und her. Kommunikation ist alles. Es kann natürlich nicht immer jeder parat stehen, aber man ist eigentlich immer auf dem neusten Stand und in Kontakt.

Bei Radio Q haben wir die Rubrik „Platte für die Insel“. Wenn du auf einer einsamen Insel stranden würdest welches Album bzw. welche Platte würdest du dann mitnehmen?

Das Album, was ich zur Zeit am häufigsten höre und mitnehmen würde ist tatsächlich „Thees Uhlmann“, allerdings die Deluxe-Edition, weil dort noch Live-Versionen mit drauf sind. Er erzählt einfach wunderschöne Geschichten durch seine Musik.

Habt ihr ein musikalisches Vorbild und wessen Musik hört ihr privat am liebsten?

Wir hören kreuz und quer alles. Wir sind echt offen für jede mögliche Musik!

Wie lange habt ihr an eurer aktueller Single „Stehend Schweigen“ gearbeitet? Wie sah der Arbeitsprozess aus? Habt ihr den Song alle gemeinsam geschrieben und komponiert?

Songs entstehen bei uns meist im Proberaum. Ich spiele auch Gitarre und schlage Melodien oder Ideen, die mir einfallen vor. Wir greifen diese Ideen dann auf, aber meist wird nochmal alles über einen Haufen geworfen und neu konzipiert, was ich auch ganz schön finde.  Bei „Stehend Schweigen“ war es so, dass unser Gitarrist Julius eine Idee für die Melodie hatte und ich gerade parallel an dem Lied geschrieben habe, wodurch dieses dann ganz schnell entstanden ist. Als „Stehend Schweigen“ dann zu 85% fertig war, haben wir allerdings nochmal Monate gebraucht, bis wir es fertig hatten, weil uns doch noch etwas gefehlt hat. Wir haben es dann erstmal zur Seite gelegt, uns etwas Neuem gewidmet und wenig später nochmal „frisch“ angefangen. Wir haben uns für diesen Song als erste Single entschieden, weil bei diesem die Leute am meisten nachgefragt und am intensivsten auf Konzerten mitgesungen haben. Bis wir ihn dann aber im Studio aufgenommen hatten und mit Spotify alles geklärt war, hat das natürlich entsprechend gedauert und sich hingezogen. Aber jetzt hat es endlich geklappt!

Was plant ihr für die Zukunft? Können wir uns auf noch mehr Songs freuen, vielleicht sogar ein ganzes Album?

Nach und nach werden immer mehr Songs online kommen, vielleicht Ende des Jahres auch schon eine EP. Wir gehen außerdem in ein neues Studio und probieren uns da nochmal neu aus. Bestimmt entsteht da dann da auch noch was, aber wir wollen uns noch gar nicht so genau festlegen, weil unter Zeitdruck zu arbeiten für uns auch nicht optimal ist. Aber es kommt auf jeden Fall einiges!

Das Interview führte Hannah Rohde; Bild: Diana Mühlberger


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