Interview mit den Donots

Geschrieben von am 2. April 2018

Mit “Lauter als Bomben” haben die Donots im Januar bereits ihr zweites Album mit deutschen Texten veröffentlicht. Dabei geht es auf der Platte mindestens genauso politisch zu, wie schon auf dem Vorläufer “Karacho”. Wir haben uns mit Sänger Ingo Knollmann und Drummer Eike Herwig getroffen und mit ihnen über ihren Wechsel zum Deutschen, ihre Herzfrequenz und Ihre Beziehung zu Münster unterhalten.

Ihr habt jetzt schon längere Zeit euer Studio in Münster, es scheint euch dort also zu gefallen. Was sind eure Lieblingsecken in der Stadt?

Ingo: Wir haben ja eigentlich alle ziemlich lange mal in Münster gewohnt. Eike und ich sind mittlerweile nach Köln gezogen, wir sind also Exil-Münsteraner wenn man so will und Guido ist zurück nach Ibbenbüren gezogen. Aber haben alle in der Tat mal in Münster gewohnt und Alex und Purgen machen das ja auch immer noch. Ich hab so meine ganz klassischen Joggingstrecken in Münster, die ich immer absolviert hab. Natürlich der Aasee und die Promenade, solche Geschichten. Dem Hansaring haben wir ja auch ein Lied gewidmet, das ist immer noch ein Anlaufpunkt. Da treffe ich auch immer noch super viele alte Freunde. Dann hängst du halt in der Watusi Bar rum, also die üblichen Verdächtigen. Dann gibt es noch das letzte Bier am Hafenkiosk.

Da kann man euch dann also immer noch antreffen, wenn man Bock hat?

Ingo: Ja, auf jeden Fall. Aber wer hat da schon Bock drauf? (lacht)

Ingo, du hast bei uns an der Uni Münster studiert, allerdings hast du 1998 aufgehört.

Ingo: Hey, du bist gut informiert!

Eike: Ich hab auch studiert! (alle lachen) Wirklich, ohne Scheiss! Ich war von ‘95 bis 2002 eingeschrieben!

Ingo: Aber eingeschrieben heißt ja immer nur Semesterticket abgreifen.

Eike: Ja genau, das war so mein Studieren.

Unser Campussender Radio Q wurde ein Jahr später gegründet – wäre das für euch damals auch was gewesen, da mitzumachen?

Ingo: Wahnsinn. Also ich find ja Radio geil und ich hab ja auch so ein richtiges Radiogesicht, deswegen hätte das glaube ich auch ganz gut gepasst. Ich glaube, dass ich auch ganz gut quatschen kann. Das wäre also schon mein Ding gewesen, vor allem auch den Leuten mit meinen Lieblingsbands auf den Geist zu gehen. Ich finde so Campusradios auch echt gut, weil da unterliegst du ja auch nicht so einem öffentlich-rechtlichen Format oder Vorgaben, was für Bands in was für eine Rotation müssen. Ich glaube wenn, dann wäre Campusradio schon mein Ding gewesen, ja. Mann, ich hab zu früh aufgehört mit dem Studieren, scheiße!

Eike: Ich hätte auf jeden Fall mal eingeschaltet. (lacht)

Ihr habt fast 20 Jahre lang größtenteils auf Englisch gesungen. Mit dem letzten Album „Karacho“ und jetzt „Lauter als Bomben“ habt ihr es auf Deutsch probiert – wie kam es dazu?

Ingo: Wie kam es dazu Eike?

Eike: Eigentlich hat Ingo uns damit immer schon genervt! (lacht) Ganz ursprünglich ist das Ganze entstanden, als wir in Amiland auf Tour waren, in Las Vegas in der Wüste gestanden haben und dachten: “Warum ist das hier in Amiland mit den englischsprachigen Songs nochmal eine ganz andere Erfahrung, als wenn wir es in Deutschland präsentieren?” Die Leute verstehen jedes Wort, die feiern das nochmal heftiger ab. Und das war ein bisschen so ein Moment wo wir gefragt haben, warum wir nicht in Deutschland einfach mal mit nem deutschen Album um die Ecke kommen. Und das fing im Studio dann mit dem ersten deutschsprachigen Song an und wir waren alle von Ingos Texten so hart geflasht in dem Moment.

Ingo: Ich weiß auch nicht, was euch da geritten hat! (Eike lacht) Nee, aber die Initialzündung war in der Tat echt einfach irgendwo in der Wüste vor Las Vegas, als wir einen Off-Day hatten und mit Flogging Molly auf Tour waren. Ich glaube wir haben einen Tag vorher in Seattle gespielt und da ist uns wieder aufgefallen, wie alle alles aus einer Kehle mitgesungen haben. Auch bei unserem Konzert konnten die Leute jeden Refrain ab der ersten Wiederholung mitsingen, obwohl die uns eigentlich nicht kannten. Und da haben wir gedacht: “Okay, pass auf, das muss eine Unmittelbarkeit der Sprache sein, dass du eben nicht diese Transfer- oder Übersetzungsleistung erbringen musst. Lass das mal probieren auf Deutsch. Wenn es kacke wird, dann landet es im Giftschrank.”

Es scheint sich ja auch gelohnt zu haben, die letzten beiden Alben waren in Deutschland so erfolgreich wie nie.

Ingo: Ja, das ist schon verrückt. Das ist ein schöner Nebeneffekt, aber das ist nichts, worauf wir abgezielt haben. Es ging wirklich einfach um den Bockfaktor und das mal auszuprobieren. Aber es ist schon Wahnsinn, was seitdem auch bei unseren Konzerten los ist. Also die größten Shows, die wir bisher gespielt haben, spielen wir jetzt auf dieser Tour. Du kriegst so ein unbändiges, enthusiastisches Feedback von den Leuten zurück. Wie kriegen jetzt auf einmal auch ultra viele Fotos Leuten geschickt, die sich Textzeilen haben tätowieren lassen. Das ist echt völlig crazy grad.

Eike: Ich glaube das erste Mal, dass deutsche Sprache an uns herangetragen wurde, war damals vor zwölf Jahren oder so, als wir noch bei GUN Records waren. Da hieß es von der Plattenfirma immer: “Ey, wollt ihr nicht mal nen Song auf Deutsch wagen?” Aber das war für uns garkein Thema. Wir haben einfach gesagt: “Wir machen unsere Songs, wie wir das wollen und momentan passt das englischsprachige einfach viel besser zu uns. Und selbst das hat Ingo ja immer super gemacht, also die Texte. Das lohnt sich auch, das alles mal zu übersetzen, das ist nicht einfach nur so larifari Englisch, irgendwas zusammen geschustert, sondern wirklich super. Und da hatten wir nie Bock drauf. Und vor zwei bis drei Jahren ging es eben einfach so, dass wir gesagt haben: “Joa, jetzt wär vielleicht mal ne Zeit, da können wir uns da ran wagen und einfach mal nen Testballon los schießen.”

Spürt man denn auch einen größeren Druck, dass die Texte in der Muttersprache tiefgründiger oder persönlicher sein müssen?

Ingo: Also der Shitdetektor ist auf jeden Fall viel mehr angestellt. Ich analysiere viel mehr, was im Radio läuft und auch, was mir überhaupt nicht an deutschen Texten gefällt. Ich muss dazu sagen, dass mir die meisten deutschen Texte leider nicht gefallen. Und dann fängst du auf der anderen Seite an, positiv zu analysieren, was machen denn gute Texter wie Marcus Wiebusch oder Jens Rachut anders. Und daran probierst du, dich ein bisschen zu orientieren. Auch da gab es einen initialen Moment. Als wir die Demos zu “Karacho” aufgenommen hatten und ich die Vincent, unserem Produzenten im Principal Studio vorgespielt habe, meinte er: “Schon alles ganz gut, aber du verschenkst noch Textzeilen.” Du kannst dir im Deutschen nicht erlauben, auch nur eine einzige Zeile oder bestenfalls nichtmal ein Wort zu verschenken. Das muss alles bombig sitzen und da gibts keine Füllwörter wie ‘Yeah’ oder ‘Ooh Baby’, womit du durchkommst. Das muss alles Hand und Fuß haben, darf aber gleichwohl nicht zu kitschig sein, nicht zu verschwurbelt, nicht zu platt und so weiter. Und das ist echt schon ein Minenfeld, auf dem du dich da bewegst. Aber wenn du den Dreh einmal raus hast, dann macht es einfach einen diebischen Spaß und deswegen auch einfach die logische Inkonsequenz, dass wir beim Deutschen geblieben sind.

Es ist schwer sich zu entscheiden, aber ich glaube mein Lieblingssong ist „Alle Zeit der Welt“. Könnt ihr ein bisschen was über das Lied erzählen?

Ingo: “Alle Zeit der Welt” ist schon durchaus ein Exot muss man sagen. Also in der kompletten Donots Vita und auch natürlich auf dem Album ist es der ruhigste und relaxeste Song. Aber ich finde es schön, dass wir das auch machen können, das auch so ein ruhiger Song neben “Whatever Forever” stehen kann, der im Grunde genommen der Karatetritt ins Gesicht ist. Der Text ist entstanden als meine Freundin kurz vor der Geburt unserer Tochter stand. Das mag jetzt sehr pathetisch klingen, aber deswegen bedeutet mir das auch noch mal eine ganze Menge mehr, dass der Song so geworden ist, wie er geworden ist. Und dass er sich auch alle Zeit der Welt nimmt.

Eike: “Whatever Forever” ist einfach so ein Brecher, der ist rastlos und lässt einen durchdrehen. Auf der anderen Seite kreiert ein Song wie “Alle Zeit der Welt” so eine Atmosphäre. Wenn ich mir den Song selber anhöre, kommt es mir vor, als wenn ich in einer Kugel bin, als wenn ich soundmäßig gefangen bin. Und das ist faszinierend, wenn eine Platte aus so verschiedenen Elementen besteht und trotzdem eine Platte ist, die gut zusammen passt und wir es immer wieder schaffen, verschiedene Charaktere an Songs so zusammen zu bringen. Man weiß ja vorher gar nicht, was auf einem Album landet. Man schreibt Lieder und es dauert über ein Jahr, bis man überhaupt mal so viele Lieder zusammengeschrieben hat. Da sind dann die unterschiedlichsten Sachen dabei, von “Alle Zeit der Welt” bis “Whatever Forever”, das ist abgefahren. Ich mag den Song auch super gerne, weil man sitzt so zuhause, vielleicht ein bisschen angetrunken oder so und da ist das einfach so eine Atmosphäre, die einen total gefangen nimmt.

Der Song hat mich, auch durch das Streicherarrangement, an Lieder von John Lennon erinnert.

Ingo: Ach krass! Das ist ja mal ein großes Lob. Alter Schwede. Wir haben natürlich auch immer einen großen Pop Faktor in unseren Songs drin gehabt. Das finde ich aber auch gar nicht verwerflich. Ich stehe total auf Popmusik, das tun wir alle. Letztendlich ist das auch ein Lob dafür, dass wir nachvollziehbare Melodien schreiben. Aber Lennon ist natürlich schon höchstes Lob, da muss ich sagen: Nein! Wir kriechen im Staub, das können wir so nicht stehen lassen. Sag Klaus und Klaus und da kommen wir der Sache näher. (alle lachen)

Ihr habt jetzt schon ein paar mal den Song „Whatever Forever“ erwähnt. In dem kommt der großartige Satz „Auweia, I’m so tired“ – das ist schon ein Geniestreich. Habt ihr andere Lieblingstextzeilen?

Ingo: (lacht) Vielen Dank! Ich mag insgesamt von der neuen Platte textlich “Keiner kommt hier lebend raus” sehr gerne. Der Song ist sehr bissig und zynisch, aber trotz allem positiv. Das war mir wichtig, weil insgesamt war für mich die Marschrichtung so: Wenn Karacho das Nein-Album war, dass man jetzt das Ja-Aber-Album macht. Was das angeht, würde ich sagen, dass ist mein Lieblingslied auf der neuen Platte “Heute Pläne morgen Konfetti” ist, weil der im Grunde genommen bestmöglich darstellt, wie unsere Band tickt: Von jetzt auf gleich alle Pläne über den Haufen werfen und sich sofort neue Ziele setzen – und auch die Standortbestimmung, wofür wir stehen, wogegen wir stehen.

Ihr habt den Song “Gegenwirdsurfen” zusammen mit Jan Windmeier von Turbostaat aufgenommen. Könnt ihr ein bisschen was zu der Zusammenarbeit erzählen?

Ingo: Das war ehrlich gesagt nur eine WhatsApp Nachricht entfernt. Turbostaat und wir sind ja schon ultralang Buddies. Ich glaube wir haben 2003 das erste Mal zusammen gespielt. beim Beatsteaks Wohnzimmerkonzert in der Columbiahalle. Turbostaat sind für mich die beste deutsche Band, mit weitem Abstand. Es gibt kaum eine Band, die mich so sehr berührt und mir so ein merkwürdiges Gefühl macht. Das ist echt diffuses Kopfkino, was da passiert. Das kann man gar nicht richtig greifen, aber das macht es genau so perfekt, wie es ist. Ich kenne sonst keine Band, die so ist. Also, wir haben Jan eine WhatsApp Nachricht geschrieben und gefragt: “Alter, wir haben hier nen Song namens ‘Gegenwindsurfen’ und der C-Teil passt so perfekt zu deiner Stimme, hättste Bock?” Und dann kam eigentlich nur zurück: “Ja, schick mal, wann braucht ihr’s?” Dann hab ich es rübergeschickt und er hat mit deren Soundmann Hauke den Kram aufgenommen, rübergeschickt, genagelt, first take. Super. Danke.

Als großer Fan der Buchreihe „Per Anhalter Durch Die Galaxis“ muss ich euch fragen: Was hat es mit dem Satz „Vielleicht hat Douglas Adams dich angelogen“ auf sich, der im Song „Der Trick mit dem Fliegen“ vorkommt?

Ingo: Der Trick mit dem Fliegen ist ja im Grunde genommen die Vertonung der Anleitung zum Fliegen. Die wird im Anhalter so dargeboten: “Du musst probieren, dich auf den Boden zu werfen, aber daneben zu landen.” Das ist laut dem Anhalter mit sehr vielen Schmerzen verbunden, weil man es sehr oft nicht schafft. Aber wenn man es schafft, dann ist es abgefahren, weil man dann nämlich fliegt. Der Twist an “Der Trick mit dem Fliegen” ist bei uns, dass jemand am Ende des Tages auf einem Hausdach steht und sich überlegt: “Hm, dann probier ich diese Anleitung jetzt mal aus.” Und springt am Ende. Und wenn dich Douglas Adams dann angelogen hat, dann bist du natürlich am Arsch. Dann ist das Ganze terminal vorbei mir dir. Aber das ist einem dann auch egal, denn wenn man es mit Anlauf macht, dann springt man vielleicht daneben.

Eike: Sehr schön! (lacht)

Im Song „Rauschen“ sagt ihr, dass eure Herzen lauter als Bomben schlagen. Habt ihr Kardiologische Probleme oder wollt ihr uns damit doch vielleicht etwas Bestimmtes sagen?

Ingo: (lacht) Ich müsste das eigentlich mal testen lassen! Ne, ich glaube wir sind alle bei ganz guter Gesundheit, was die Herzfrequenz angeht. Der Albumtitel “Lauter als Bomben” ist ja auf der einen Seite ein Hutzieher in Richtung der Smiths und dieser Achtzigerjahre Zeit. Es gibt ja dieses Smiths Compilation Album “Louder Than Bombs” und das fand ich immer einen starken Titel. Das ganze macht auf Deutsch halt auch irgendwie Sinn, denn so plakativ das auch ist, ist es die schönste positive Phrase, mit der man dieser Zeit jetzt begegnen kann. Wenn die ganze Zeit überall in 140 Großbuchstaben Hass und Hetze getweetet wird, wenn das sogar täglich aus dem Oval Office passiert, wenn überall Kriegstreiberei und Rechtsruck zu spüren ist, dann kannst du auch gerne mit 140 Zeichen dagegen halten. Und dann wirst du halt ein bisschen plakativer und sagst: “Nein, unsere Köpfe könnt ihr niemals haben, weil unsere Herzen lauter als Bomben schlagen.”

Oder mittlerweile sogar mit 280 Zeichen.

Ingo: Ja stimmt, das ist ja mittlerweile erlaubt. Ich glaube aber nicht, dass Trump die wirklich braucht. So viele Vokabeln kennt der gar nicht. (alle lachen)

Kann man als Punkrock-Band im aktuellen Klima überhaupt unpolitisch sein?

Ingo: Also ich habe da jetzt lange drüber nachgedacht. Als Punkband finde ich es fast fahrlässig, keine Stellung zu beziehen. Diese Subkultur wollte einfach immer mehr als nur entertainen. Das ist auch Entertainment, auf jeden Fall. Aber wenn da im Subtext mehr mitschwingt, dann ist das etwas, was man vom Punk auch erwarten darf. Man darf zwar nicht unbedingt von allen Künstlern erwarten, dass sie sich in ihren Texten politisch äußern, aber in Interviews sollte und muss eigentlich jeder Stellung beziehen. Und das ist das Einzige, was ich großen Stadion Acts wie Helene Fischer, Andrea Berg und Konsorten ankreide. Die sollen ihre Musik machen und die Leute glücklich machen, ich finde es ganz toll, wenn sich Leute dafür erwärmen können. Ich kann es nicht, aber es gibt ja viele, die das gut finden. Aber sich aus Fragen zur Politik und zur Standortbestimmung rauszuwieseln, weil es irgendwie sonst nicht wirtschaftlich ist, finde ich fürchterlich. Das ist eigentlich fahrlässig.

Ihr habt in einem Interview im vergangenen Januar gesagt, dass Bands wie ihr im Radio kaum noch stattfinden. Jetzt habt ihr die Chance, das Programm bei uns mitzugestalten. Welchen eurer Songs würdet ihr gerne im Radio hören?

Ingo: Eike, hast du einen Wunsch?

Eike: “Aschesammeln” würde ich mir wünschen, vom neuen Album. Das ist irgendwie so ein Bandliebling der Song und wir überlegen die ganze Zeit, was wir damit noch anstellen können. Das Album ist ja gerade erst zwei Monate draußen und hat hoffentlich noch eine lange Zeit vor sich. Der ganze Festivalsommer wartet noch auf uns, wahrscheinlich auch noch ein zweiter Teil der Tour. Wir fangen ja gerade erst an, dieses Album zu testen. Von daher, warum sollen wir den Song nicht mal im Radio testen?

Ingo: Das ist eine gute Wahl Eike. Danke!

Eike: Ja, guck mal!

Ingo: Ich finde es großartig, dass du in der Band bist, da wäre ich nicht drauf gekommen. (lacht)

Sagen wir mal der Tourbus kommt ganz arg vom Weg ab und ihr landet auf einer einsamen Insel – welches Album müsste dann für euch dabei sein?

Ingo: Boah bist du geil! Die Frage haben wir uns neulich selbst mal gestellt. Eigentlich ist das die unmögliche Frage. Das ist ungefähr so schwer zu beantworten wie die Top 5 aller Zeiten. Da musst du eigentlich kleinteilig werden und in Genres unterteilen, da müsstest du sogar unterteilen in Frühstücksmusik, Musik zum Durchdrehen, und so weiter. Wenn ich auf einer einsamen Insel wäre, dann würde ich eigentlich ein Album haben wollen, was so universal einsetzbar ist, wie nur irgendwas. Wenn ich es ignorieren möchte, muss es an mir vorbeilaufen können, wenn ich zuhören möchte, muss es mich gefangen nehmen können, wenn ich gute Melodien haben möchte, müssen die da drauf sein, wenn Storytelling drauf sein sollte, muss das auch vorhanden sein. Und wer kann das dann also nur sein? Richtig! Johnny Cash mit “American III: Solitary Man”. Es ist die einzige Platte, die man immer hören kann, egal zu welcher Tages- und Nachtzeit. Im richtigen Moment fasst du nicht, wie traurig die Platte ist und wie sehr sie dich gefangen nimmt oder dir geile Geschichten erzählt. Und wenn du nicht zuhören willst, dann nervt dich die Platte nicht. Perfekt.

Eike: Das war auf jeden Fall dein Wunsch, da kann ich mich auch noch dran erinnern. Dann wurde überlegt, ob man nicht einfach irgendwas klassisches mitnimmt, nur Klavier, ohne Gesang, was einfach nebenher laufen kann und nur stimmungsmäßig begleitet. Finde ich auch ne gute Idee. Ich glaube fast auch, dass eine Band, die lange nicht mehr aktiv war passen würde. Die Cardigans haben ein Album rausgebracht, das heisst “Long Gone Before Daylight”. Ein grandioses Album, was auch sehr abwechslungsreich ist, wunderschöne Musik, die auch noch eine wunderschöne Sängerin hat. Die kann man sich dann auf dieser einsamen Insel vorstellen, wenn man nur mit Typen unterwegs ist.

Ingo: Komm, Johnny Cash ist auch hübsch. (alle lachen) Ich glaube wirklich, wenn man Klassik auf einer einsamen Insel hört und dann irgendwann von einem Schiff abgeholt wird, dann besteht die Möglichkeit, dass man komplett wahnsinnig geworden ist. Wenn die so ankommen mit dem Schiff und hören auf einmal den Walkürenritt, was meinst du, was da los ist? Die drehen direkt wieder um!

Das Interview führte Lennart Knebel; Foto: Dennis Dirksen


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