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feeble little horse – Girl with fish 

Rezensiert von am 26. Juni 2023

       

Zugegeben, denkt man an die amerikanische Stadt Pittsburgh denkt man vllt. an zahlreichen Stahlwerke oder vllt. an die Sportfranchises Pittsburgh Steelers oder Pittsburgh Penguins. Sicher denkt man aber nicht an die Musikszene der Stadt. Ehrlich gesagt fällt die Bilanz der Bands, die aus Pittsburgh kommen und auch ansatzweise Erfolg in Europa hatten, sehr mau aus. Lediglich Anti-Flag hält hier die Fahnen der Stadt hoch. Eine Band, die versucht, das nun zu ändern, sind feeble little horse (zu deutsch: schwaches kleines Pferd). Die 4-köpfige Indieband veröffentlicht nun  mit Girl with fish ihr zweites Album. 

Nachdem ihr Debütalbum “Hayday” 2021 noch über das recht unbekannte pittsburgher Label Julia’s War Records auf dem Markt kam, wurde das renommierte Label Saddle Creek Records auf die Band aufmerksam. Dieses wurde unter anderem von den Brüdern Justin und Conner Oberst gegründet, von denen man letztgenannten am ehesten als Duett-Partner von Phoebe Bridgers bei Bright Eyes kennt. Auf Saddle Creek Records erscheint nun “Girl with fish”.

Dabei wartet ein Album, das sich perfekt zwischen Shoegaze, Noise Rock, Folk und eingängien Melodien bewegt und dabei textlich kryptisch zwischen Themen der Liebe und Obsession bewegt. 

Gleich der Opener Freak liefert erste Einblicke auf das, was in den kommenden 26 kommen mag. Komplett verzerrte Gitarren mit treibenden Groove geben den Takt vor, sodass man eigentlich erwartet, gleich von Growlen oder Shouten, den gängigen Gesangstechniken im Heavy Metal und Hard Rock, davongeblasen zu werden. Dann aber der Cut und die wundervoll ruhig und harmonisch klingende Stimme der Sängerin Lydia Slocum grätscht in den Song und die Gitarren passen sich der Stimmung an. Textlich wirkt das Ganze schon eher wie eine Verführung: “I know you want me freak” heißt es in dem Song. 

Ein weiteres Highlight bietet der Song Tin Man. Hier sind die Gitarren zunächst ruhiger und man könnte zunächst eine Art Indiefolksong vermuten und erst im Laufe der Zeit baut der Song an Spannung auf und die Gitarren klingen wieder ordentlich noisig. 

Der Track Steamroller kommt da schon etwas anzüglich um die Ecke und lässt sich durchaus als Beschreibung gewisser sexueller Handlungen interpretieren. Während die Songs Heaven und Paces nicht unbedingt hervorstechen, überrascht dagegen das Lied Sweet. Hier hören wir das erste Mal sowohl weibliche und männliche Stimmen, die in eine Art Dialog treten – ein stilistisches Mittel, dessen sich die Band in Zukunft gerne öfter bedienen darf, da die Stimmen wirklich gut zusammen passen. Mit Slide folgt ein Song, der als klassische Folk-Ballade gesehen werden kann, allerdings mit Begleitung elektronischer Sounds, die als spannendes frisches Element verwendet werden. In einem ganz ähnlichen Vibe folgt der Song Healing, der allerdings etwas mehr glitscht als seine Vorgänger. Mit Pocket folgt dann ein Track, den man als Ausleben von Obsessionen sehen kann: “Do you wanna be in my pocket?.” Die beiden Songs zum Schluss Station und Heavy Water runden das Album souverän aber auch eher unspektakulär ab. 

feeble little horse gelingt mit Girl With Fish ein Album ein wunderbar abwechslungsreiches Album welches ihnen den Weg in eine breitere Öffentlichkeit bringen dürfte. Der gekonnte Kontrast zwischen spannungsgeladenen Gitarren und der ruhigen, verträumten Stimme der Sängerin liefert einen musikalisch einzigartigen Mix. Einzige Kritik die vorzubringen ist, ist, dass das Album extrem kurz ist mit 11 Tracks in gerade mal 26 Minuten. Die meisten Tracks haben eine Länge von etwa  2:30 min. Gerne würde man sich hier und da noch länger in den Sound des Albums legen. 

rezensiert von Moritz Meyer


Label: Saddle Creek
Veröffentlicht am: 09.06.2023
Interpret: feeble little horse
Name: Girl with fish
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