IN­TER­VIEW MIT ENTER SHIKA­RI

Geschrieben von am 13. August 2018

Ein Freund von mir war bei “Rock am Ring” und wollte euch interviewen, aber er hat euch nicht bekommen. Er meinte, wenn ich euch kriege, kündigt er mir die Freundschaft.

Rob: Oh… das tut mir Leid (lacht).  

Schon ok, ich komm drüber hinweg.

Rob: Freunde kommen und gehen, aber Interviews…

Besonders mit Enter Shikari! Dafür nehm’ ich ne Freundschaft in Kauf.

Wie fandet ihr denn “Rock am Ring”?

Rob: Es war großartig. Wir waren ziemlich früh dran und wussten nicht, was wir vom Publikum erwarten konnten… es war unser erstes europäisches Festival diesen Sommer und er ist schon mal grandios gestartet. Das Publikum war fantastisch. Es waren so viele Leute da und voller Energie und aufgeregt und natürlich waren auch wir aufgeregt. Wir waren gut vorbereitet und sehr glücklich, da zu sein und ich glaube wir haben auch gut gespielt. Wir kamen also von der Bühne runter und dachten uns, was für ein toller Start in den Sommer!

Was findet ihr besser an kleineren Festivals wie dem Vainstream und was an größeren?

Rob: Bei kleineren Festivals bist du deinem Publikum ein bisschen näher. Es macht schon Spaß, die Gesichter zu sehen und somit eine direkte Rückmeldung zu bekommen, ob die Leute deine Musik mögen… oder eben nicht.

Normalerweise würde ich sagen, der Unterschied besteht im Catering, aber heute [auf dem Vainstream] ist das Catering fantastisch.

Oh, das ist sehr wichtig.

Rob: Auf jeden Fall!

Und vielleicht noch ein Pluspunkt bei kleineren Festivals: manche Menschen sind enthusiastischer, haben mehr Leidenschaft als bei größeren Festivals. Man merkt bei vielen, dass es nicht nur ihr Job ist. Sie wollen ein wirklich tolles Festival kreieren und geben alles dafür.

Also “Rock am Ring” war euer erstes Festival dieses Jahr und ihr wart ja auch schon öfter in Deutschland. Was mögt ihr an Deutschland? Und erkennt ihr überhaupt einen Unterschied zu anderen Ländern?

Rou: Die Fans sind unglaublich begeisterungsfähig und voller Energie, wenn es um Rockmusik geht.

Rob: Um ehrlich zu sein gibt es überall, wo wir hingehen Menschen, die voller Energie sind und für Rockmusik brennen. Vielleicht ist es auch nur bei uns so und andere Bands machen andere Erfahrungen, aber egal wo wir hingehen: überall sind die Leute toll.

Euer letztes Album kam ja vor ungefähr einem Jahr raus… was habt ihr jetzt vor?

Rob: Wir haben einen Sommer voller Festivals vor uns… und ich bin auf ein paar Hochzeiten eingeladen.

Aber nicht Deine.

Rob: Nein, nein, ich bin schon verheiratet. Aber wir kommen langsam in ein Alter, in dem unsere Freunde alle heiraten und Kinder kriegen. Und was die Band angeht: wir haben für Ende des Jahres, Anfang nächsten Jahres ein paar Sachen im Hinterkopf, aber wir dürfen noch nichts darüber sagen. Alles was wir sagen können ist, behaltet uns im Auge.

Ein paar Dinge verändern sich zur Zeit… ein paar Dinge hinter den Kulissen, aber wie gesagt, darüber dürfen wir noch nichts sagen.

Hat es was mit eurer Musik zu tun?

Rob: Also… ja… (lacht)… Du musst warten und es rausfinden. Es sind große, aufregende Dinge und sie werden bald bekanntgegeben. Das ist alles, was ich darüber sagen werde.

Okay, dann müssen wir uns wohl noch ein bisschen gedulden.

Die nächste Frage ist bestimmt eine der meist gestellten Fragen: Euer Musikstil hat sich im Laufe der Jahre ja ziemlich verändert… warum?

Rou: Wir wollten nie einen bestimmten Stil haben. Wir sind sehr glücklich, mit verschiedenen musikalischen Einflüssen groß geworden zu sein und es ist einfach in uns, Musik zu machen, die unsere Emotionen wiedergibt. Und ich glaube auch, dass uns ziemlich schnell langweilig wird und dass wir uns selbst immer weiter pushen, verschiedene Stile ausprobieren und uns weiterentwickeln wollen.

In einem Interview habt ihr auch gesagt, eure Musik sei wie ein “Peanut-butter Jelly Toast”, ein Mix aus verschiedenen Stilen, die zusammen aber eine gute Kombination ergeben.

Denkt ihr, euer zunehmender Erfolg kommt auch daher, dass ihr euren Stil geändert habt?

Rou: Nicht wirklich. Auch unser Publikum hört uns, weil sie mit unserer Musik Gefühle verbinden, und auch sie sind älter geworden, also haben sich auch ihre Gefühle und die damit verbundene Musik geändert. Musik ist Emotion, und wenn es Menschen stört, dass unsere Musik nicht wie früher klingt kann ich das nicht verstehen, weil wir unsere Musik ja nach dem richten, was wir fühlen. Und das ist heute anders als früher.

Also könnt ihr euch nicht vorstellen, zu den härteren Sounds eurer früheren Alben zurückzukehren?

Rou: Wahrscheinlich nicht. Ich meine, das war ein Lebensabschnitt… da waren sehr spezielle Einflüsse zu der Zeit, da waren Dinge in unserem Leben, die uns bewegt haben und das war die Musik, die daraus entstand… und wir wissen nicht, was wir zukünftig hören werden oder was in unserem Leben passieren wird.

Rob: Wir sind jetzt komplett andere Menschen als zu dem Zeitpunkt, zu dem wir das Album geschrieben haben… ich denke also wir KÖNNEN gar nicht dasselbe Album schreiben oder dieselbe Musik spielen, selbst wenn wir es versuchen würden.

Eure Texte gehen ja auch manchmal in eine politische Richtung. Würdet ihr euch auch als gesellschaftskritisch beschreiben?

Rob: Manchmal ja. Wir äußern schon unsere politische Meinung und auch die Umwelt liegt uns am Herzen.

Ihr seid unglaublich energievoll, wenn ihr auf die Bühne geht, und manchmal sogar noch davor: ich hab gehört, ihr spielt auch öfter Mal Pre-Gigs für Fans, die in der Schlange warten?

Rob: Ja genau.

Sehr sympathisch. Und dann, beim richtigen Gig, reist ihr die Bühne ja praktisch ab. Was ist euer Geheimnis? Woher kommt die ganze Energie?

Rob: Willst du auf etwas bestimmtes hinaus… (lacht)? Nein, ich glaube das macht das Adrenalin, das ist die beste Droge. Wenn du das Publikum vor dir siehst, was nur auf dich gewartet hat und sie singen und tanzen zu deiner Musik, dann fängt dein Herz an zu schlagen und alles, was dich vorher gestört hat, z.B. wenn du ein bisschen krank bist oder so, ist auf einmal weg. Dann kommst du von der Bühne runter und spürst es wieder, aber in dem Moment führt das Adrenalin in deinem Körper dazu, dass du alles andere vergisst.

Wir bei Radio Q haben die Rubrik “Platte für die Insel”. Wenn ihr auf einer einsamen Insel stranden würdet und nur ein einziges Album mitnehmen könntet, welches wäre das?

Rou: Oh, ein Album das niemals langweilig wird…

Rob: Ich glaube ich würde “Graceland” von Paul Simon mitnehmen. Das kann ich wieder und wieder hören und es wird einfach nicht langweilig.

Rou: Ja ich glaub auch. Man muss ein Album mitnehmen, bei dem man immer wieder etwas neues finden kann. Vielleicht etwas klassisches von Strawinsky. An einem Tag kannst du darauf konzentrieren, wie der Wind musikalisch dargestellt wird, an einem anderen der Regen…

Und was ist mit euerm Album?

Rou: Ja klar, das nehm ich dann auf die nächste Insel mit (lacht).


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