side effects - Some Other Day

Rezensiert von Julian Thamm

Schon 6 Jahre ist es her, als „side effects“ ihr erstes Album veröffentlicht haben. Wenn man die Band „side effects“ vorher nicht kannte, ist das kein Wunder, denn bisher war die Stockholmer Band nur in ihrem Heimatland bekannt. Zum Beispiel als Begleitung des schwedischen Künstlers Ebbot Lundberg auf den schwedischen Grammy Awards. Ihr Debut feierten die jungen Schweden Billy Cervin, Elias Jungqvist, Hugo Mårtensson und Joacim Nilsson 2013 mit ihrem Album „A Walk in the Space Between Us“. Jetzt überqueren die vier Jungs mit „Some Other Day“ die Landesgrenzen des schwedischen Königreichs und sind direkt zum Album der Woche bei Radio Q gekrönt worden. Am 11.01. erschien ihr neues Album, was in fast allen Hinsichten überzeugt. Dabei ist „Some Other Day“ vor allem eines – nämlich verdammt gute Indie Musik, als wären sie schon immer Klassiker in der Indie-Szene gewesen.

Wirft man einen Blick auf die Facebook Seite der jungen Schweden, so findet man bei Weitere Infos unter Genre ein bescheidenes „melodic pop whatever“. Dabei wird diese Beschreibung der Musik kaum gerecht. Fast mühelos kombinieren die vier Stockholmer verschiedene musikalische Genres – von Psychedelic bis Retro – und erschaffen ein unheimlich vielseitiges aber gleichzeitig in sich schlüssiges Album. Experimentierfreudig in den besten, nostalgisch in den guten Momenten. Wie gekonnt die Band mit ihren Melodien umgehen kann zeigen unter anderem die teils reibungslosen Übergänge zwischen den Songs, die dazu einladen, dass gesamte Album am Stück zu hören. Jeder Song hat seinen eigenen Charakter und bringt seine ganz eigene Besonderheit mit. Gleich der erste Track “Seasick” setzt mit seinem rockigen Schlagzeug die Messlatte unfassbar hoch, nur um von den darauffolgenden Songs des Albums vom Rampenlicht gedrängt zu werden. Mal schneller, mal langsamer. So wirkt der fünfte Track „B.H.N.“ fast schon zu langsam mit seinem melodischen Gitarrenriff, bis man sich 3 Minuten und 38 Sekunden später selber erwischt, wie man die Melodie des Songs nachsummt. Track 8 „If it Destroyed You“ setzt dagegen mehr auf die Gitarre und könnte in der Form auch aus einem anderen Jahrzehnt sein, würde man nicht wissen, dass das Lied vor wenigen Tagen veröffentlicht wurde. Den experimentellen Charakter der Band wird Track 4 „Wanna Lose You“ gerecht. Direkt zu Beginn des Songs ertönt eine trompetenartige Melodie, die nicht von dieser Welt scheint. Gefolgt von einem knackigen Beat, der das Bein zum mitstampfen ermutigt.

Insgesamt sind Gesang und Instrumente stimmig aufeinander angepasst. Wer jedoch unverwechselbare Stimmen sucht, ist hier wahrscheinlich am falschen Platz. Manchmal wirkt es sogar so, als fungiere der Gesang insgesamt eher als eine Begleitung der Instrumente und nicht anders herum – aber genau das macht die Band aus. Gerade Hugo Mårtensson mit Schlafzeug und Joacim Nilsson mit dem Bass rücken in vielen Tracks des Albums in den Vordergrund und sorgen maßgeblich für die einprägsamen Melodien und Rythmen.

„side effects“ ist eine schwedische Band mit einem einzigartigen Stil. Mit „Some Other Day“ verschmelzen die vier Schweden verschiedene Elemente aus verschiedensten Genres und erzeugen ihre ganz eigene Musik. Dabei setzen sie auf Schlagzeug, Bass, Gitarre und Keyboard. Dabei wirkt das Album zu keiner Zeit langweilig, eher im Gegenteil, alle Songs sind verschieden und haben einen eigenen Touch – mit dem „side effect“: Ohrwurm.


Label: 
side effects
VÖ: 
11.01.2019
Herkunft: 
Stockholm