Der Filmclub Münster in neuem Gewand

Geschrieben von am 26. August 2021

Der Filmclub Münster ist der älteste noch existierende Filmclub in Deutschland. Am 28.08. kehrt er mit erneuertem Programm zurück. Doch was ist der Filmclub und was ist in Zukunft von ihm zu erwarten?

Der Filmclub vor der Pandemie

Während der Corona-Pandemie war der Filmclub Münster wie die Kinos insgesamt im langen Winterschlaf gefangen. Davor hatte der Filmclub immer wieder verschiedene Reihen zu Personen der Filmgeschichte, anderen Ländern oder gewissen Themen gezeigt. Außerdem gehörten die Russischen Filmtage, bei denen aktuelle Filme aus Russland gezeigt wurden, fest ins Programm.

“Der Filmclub lag jetzt in der Corona-Pandemie flach. Über ein Jahr lang konnten wir kaum im Kino Filmclubprogramm spielen. Und wir haben die Zeit genutzt nochmal zu gucken, was lief und wie wir das vielleicht in Zukunft neu aufstellen wollen.”

Daniel Huhn (Leiter der Filmwerkstatt Münster)

Der älteste noch existierende Filmclub

Die Tradition der Filmclubs in Deutschland beginnt nach dem zweiten Weltkrieg. In den besetzten Gebieten beginnen die Alliierten mit dem Wiederaufbau des zerstörten Deutschlands. Auch Ideell sollte ein Neuanfang her und eine Entnazifizierung der Gesellschaft gelingen. In der britischen Besatzungszone, in der auch Münster lag, beginnen die Briten mit demokratischer Bildung. Verschiedenste Projekte werden angestoßen, darunter auch die Filmclubs.

“Den Anstoß zur deutschen Film-Club Bewegung haben die Besatzungsmächte gegeben, die sich im Zeichen der Reeducation auch des Films bedienten. So wurden […] Film-Clubs gegründet und Filme der Gründerländer vorgeführt und diskutiert.”

Prof. Dr. Walter Hagemann 1954 im Magazin Filmforum

Nachdem in Hamburg und Düsseldorf die ersten beiden Filmclubs entstanden gründete sich am 11.06.1948 auch in Münster ein solcher Filmclub. Ihr erster Präsident war Walter Hagemann , Professor an der Universität Münster. Im Gegensatz zu anderen Städten hat der Filmclub in Münster es aber geschafft zu überleben.

Ziel der Filmclubs

Das Konzept des Münsteraner Filmclubs: Jeden Monat gibt es einen Film zu sehen, der durch einen kurzen Vortrag eingeleitet wird. Anschließend besteht Raum für Diskussion. Auf diesem Wege gelangen Filme auf die Leinwand, die es auf kommerziellem Wege wohl kaum geschafft hätten.

“[Die] Filmproduktion[en] […] schmeichelten den primitiven Schaubedürfnissen der Massen und statt Bild-Aussagen von künstlerischer Beweiskraft, gab es im besten Falle optische Sensation. “

Der erste der Filme, die der Filmclub zeigt, ist “Der Goldrausch” | “The Gold Rush” von Charlie Chaplin aus dem Jahr 1925. Durch die Errichtung eines Vereins mit fester Mitgliederstruktur, konnte man Filme im privaten Rahmen zeigen. Die Zuschauer waren keine Kunden, sondern Mitglieder. Das ermöglichte das Zeigen noch nicht veröffentlichter Filme oder von Filmen, die bisher keine Altersfreigabe erhalten hatten. Neben dem eigentlichen Filmclub Münster, gab es noch ein studentischen Filmclub, der ein eigenes Programm kuratierte. Das Ziel des Filmclubs war hoch. Nicht weniger als die Verbesserung der Filmkultur Deutschlands war der Anspruch. Neben der Bühne, den jungen Mutigen Filmschaffenden aus Deutschland geboten werden sollte, richtete sich das Programm vor allem an das Publikum.

Das Magazin “Der Film-Club”

“Dem Film-Publikum aber sollten wir klar machen, daß es jenseits der seichten Unterhaltungaware den Film als Kunstwerk gibt und daß erst dieses die junge Erfindung im Innersten rechtfertigt.”

Prof. Dr. Walter Hagemann 1949 im Magazin “Film-Club

Von der Gründung bis heute der Filmclub im Wandel der Zeit

In den 1960er Jahren wandelt sich die Kinolandschaft. Programmkinos, wie heute das Cinema Münster, entstehen und zeigen Filme jenseits des Mainstreams und präsentieren ein durchdachtes Repertoire. In dieser Zeit übernehmen “Westfälischer Kunstverein” und Volkshochschule die Leitung des Filmclubs. Auch der AStA der Uni ist zwischenzeitlich involviert.

“Viele Aufgaben, die zunächst allein der Filmclub wahrgenommen hatte, werden inzwischen auch wieder im Kino erfüllt. Seither widmen wir uns verstärkt einer noch intensiveren Pflege der Filmgeschichte und einer konsequenten Schwerpunktbildung. Im Gegensatz zu den Kinos laufen Filme bei uns bevorzugt in der Originalfassung und werden durch ein ausführliches Begleitblatt ergänzt, das über den Regisseur und den filmhistorischen Kontext informiert.”

Reinhard Wulf im Jahr 1981 vom Westfälischen Kunstverein

1995 werden schließlich die “Filmwerkstatt Münster” und die “Münsterschen Filmtheater-Betriebe” mit ins Boot geholt. Das Ziel der Film-Bildung und der Vorführung außergewöhnlicher Filme bleibt bestehen, es musste aber ein neuer Platz neben den Programmkinos gefunden werden.

Die Zukunft des Filmclubs

In Abgrenzung zu den Programmkinos holt der Filmclub auch heute noch Filme wieder zurück ins Kino, die wenig Platz im Kinoalltag haben.

“Die Kinos werden in der Regel und nach Corona noch im Besondere mit neuen Filmen überschwemmt, die sie schon gar nicht alle unterkriegen. Da ist der Filmclub eine Fläche wo wir frei von kommerziellen Zwängen ein Filmprogramm erstellen können.”

Daniel Huhn (Leiter Filmwerkstatt Münster)

Auch künstlerisch anspruchsvolle Filme oder Dokumentarfilme, die sonst kaum im Kino laufen, erhalten so einen Platz auf der großen Leinwand. Ein Gutteil der Filme, die jährlich im Filmclub laufen, steht dabei unter einem bestimmten Jahresthema – dieses Jahr Aufbrüche/ Ausbrüche. Ein Thema, dass dann in Laufe des Jahres von verschiedenen Seiten durch die einzelnen Filme beleuchtet wird.

“Ausbrüche und Aufbrüche ist gerade das naheliegende Thema, in einer Phase, wo man in Unsicherheit darüber, was Corona durcheinander gebracht hat. Gleichzeitig ist wieder die Lust und Notwendigkeit nach Aufbruch da. Und das Thema wird in Filmen in ganz verschiedenen Formen behandelt, was wir jetzt in einer Reihe zusammenbringen wollen.”

Daniel Huhn (Leiter der Filmwerkstatt)

Außerdem soll unter dem Titel “Filmplädoyer” anderen Akteuren Raum gegeben werden Filme vorzustellen und vor allem eine ganz eigene Perspektive auf deinen einen oder anderen Film zu eröffnen.

“Kulturschaffende oder Personen aus der Zivilgesellschaft sind eingeladen einen Film vorzustellen und mit einem flammendem Plädoyer einzuleiten. Dann wird gemeinsam der Film geschaut und wenn am Ende manche im Publikum das anders sehen, dann kann nochmal eine Diskussion beginnen. Es ist immer Ziel des Filmclubs auch Gespräch über Film zu initiieren.”

Daniel Huhn (Leiter der Filmwerkstatt)

Auch rein organisatorisch hat sich mittlerweile etwas geändert. War der Filmclub anfangs als Verein organisiert, dessen Basis über tausend Mitglieder bildeten, hat er heute lediglich vier Mitglieder, die allesamt Kulturistitutionen sind. Neben der “Filmwerkstatt Münster”, den “Münsterschen Filmtheater-Betriebe” und dem “Westfälischen Kunstvereins” beteiligt sich mittlerweile auch die “Burg Hülshoff – Center for Literature” an der Organisation des Filmclubs. Lediglich eine lose Mitgliedschaft ist bestehen geblieben, die den Mitgliedern Rabatt verschafft. Etwas günstiger kommt man aber auch mit dem Kultursemesterticket der Uni Münster ins Kino.


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