Das Traindenkmal – Spuren eines Völkermords in Münster

Das Traindenkmal in Münster. Schonmal gesehen? Bestimmt! Aber welche Geschichte steckt eigentlich dahinter?

111 Jahre hat es gedauert, dass Deutschland den Völkermord an Herero, Nama, Damara und San anerkannt hat. Eine lange Zeit, während der auch ein Gedenken an die Gräueltaten der deutschen Kolonialtruppen kaum stattgefunden hat. Das Traindenkmal beim Ludgeriplatz ist ein Zeugnis dessen.

Am Denkmal sind zwei Tafeln eingelassen (siehe Bilder), eine verehrt zwei Soldaten als Helden, die 1905/06 in Südwestafrika starben, zur Zeit des Völkermordes. Diese Tafeln wurden in den 20er Jahren in revisionistischem Geiste gesetzt und stehen dort bis heute unkommentiert. Bereits in den 80er Jahren gab es Bestrebungen, eine ergänzende Gedenktafel für den Völkermord anzubringen, die Stadt Münster und die Vertretung deren Bürgerinnen und Bürger hatten also lange Zeit, das Denkmal zu verändern.

Aber erst 2010 ist eine Info-Tafel angebracht worden, auf der auch die Opfer der deutschen Kolonialverbrechen Erwähnung finden. Noch immer ist dem Denkmal aber keine explizite Ergänzung, kein Kommentar beigefügt. Jetzt ist der Völkermord anerkannt, das Traindenkmal wird daher wohl bald umgestaltet und kommentiert werden, so streben es die großen Ratsfraktionen jeweils an. Aber ist damit alles gut? Wir erzählen die Geschichte des Denkmals mit vielen Zeitzeugen und beleuchten die heutigen Positionen zur Umgestaltung: 

Der Hintergrund:

Vor fast genau 111 Jahren, am 2. Oktober 1904, verkündete der Kommandant der deutschen Truppen in “Deutsch-Südwestafrika”, Lothar von Trotha, den sogenanntenVernichtungsbefehl. Nachdem die Herero bereits geschlagen waren, schrieb er an den Generalstabschef:

“(…) Deshalb halte ich es für richtiger, dass die Nation in sich untergeht und nicht noch unsere Soldaten infiziert und an Wasser und Nahrungsmitteln beeinträchtigt (…). Sie müssen jetzt im Sandfeld untergehen, oder über die Betschuan-Grenze überzugehen trachten. (…)”

Bei der Verfolgung durch die deutschen Truppen kam ein Großteil der Herero und danach Nama ums Leben. Dass es sich bei diesem Vorgehen um Völkermord handelte, ist inzwischen anerkannt, Deutschland und Namibia stehen nun in Verhandlungen über die offizielle Anerkennung und Entschädigungen.

Material zum Hintergrund:

  • Bericht der SZ und Fotostrecke zur Anerkennung des Völkermords
  • Schlacht am Waterberg: Reportage vom Deutschlandfunk
  • Petition von Herero- und Nama-Vertretungen für die Verhandlungen Deutschlands und Namibias

 

 

Redaktion: Charly Heberer, Timo Matzolleck

Sprecherinnen und Sprecher: Anne Kluger, Charly Heberer, Benedikt Wischer, Johannes Hunger, Laura Bartels, Breddy Hörstrup, Sören Heuer

Musik-credits: “Gondola Blue” und “Column and Law” von Blue Dot Sessions aus dem Free Music Archive. Lizenzen: CC BY NC

Foto-credits (Teaser): Heinrich-Böll-Stiftung


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