Musiktipps vom Eurosonic Festival

Drangsal, Die Höchste Eisenbahn, Roosevelt oder auch Gurr sind national längst nicht mehr unbekannte Acts. Aber was passiert eigentlich außerhalb der deutschen Musikszene und welche Bands solltet ihr dort auf dem Schirm haben? Wir waren auf dem Eurosonic Noorderslag Festival im niederländischen Groningen und präsentieren euch die Newcomer aus ganz Europa.

Neben den vielen kleinen Bands wurden auch schon bekanntere Gruppen wie Her oder Alma beworben oder welche, die wir bei Radio Q schon länger im Programm spielen (Teleman, L.A. Salami, Warhaus). Aber was sind die richtigen Goldstücke und Neuentdeckungen für 2017? Unsere Top 10 und außerdem einige Interviews mit vielversprechenden Acts:

Shame

Herkunft: South London, GB
Genre:Punkrock
Denen ist erst mal alles scheiß-egal, hauptsache sie können ihre Musik machen - das beinhaltet dreckigen Spaß auf der Bühne und wirft die Frage auf, ob die da überhaupt auch schon stehen dürfen. Die fünf Jungs stehen auf der Bühne nach dem Motto: "Rock'n'Roll!!!" Das Publikum bekommt das Bier ab, die Gesten werden vulgär, der Sänger steht halbnackt im Publikum. Aber so jung sie sind, so ehrlich ist das auch, was sie musikalisch und auf der Bühne verbinden: schmutzige Britishness, Rock á la The Libertines oder Sex Pistols. Ihr könnt mitmachen oder ihr geht nach Hause!

Buvette

Herkunft:Schweiz
Genre:Psychedelischer Elektro-Pop
Buvette, Cedric Streuli, vereint elektronische Synthie-Beats aus den 80ern mit zurückgelehntem Gesang. Der allgemeine Sound ist eher schwer, doch die elektronischen Beats bringen die Musik wieder in Bewegung. Sein Auftreten und seine Musik bewegen sich irgendwo zwischen ernst zu nehmend und ironisch. "Elasticity" ist bereits das vierte Album von Buvette, aber eben genau das, das den Durchbruch provoziert. Elastizität im Hörvergnügen: bei rein instrumentalen Stücken wie "Hijole" oder seinem Robotergesang in "Concrete River". Auf der Bühne steht er mit einer klassischen Band - keine Extremausbrüche, keine Extravaganz, sondern ein klassisches Konzertvergnügen.

Memória de Peixe im Interview

Herkunft: Lissabon, Portugal
Genre: Instrumentaler Rock
Wir haben die portugisische Band Memória de Peixe zum Interview getroffen und über ihre Einflüsse gesprochen. Ein Gespräch über Bach, David Bowie und Neil deGrasse Tyson. Wer von diesen Personen ihr Gott ist und was ihr Instrumentalmusik eigentlich aussagen soll, erfahrt ihr im Interview.

Hier geht's zum Interview.

 

 

Goat Girl

Herkunft: Süd-London, England
Genre: Garage-Rock
Die Band aus London gilt als eine der großen Indie-Hoffnungen auf der Insel und steht für den D.I.Y. Stil und eine neue Generation von jungen und rebellischen Musikern im Süden der Englischen Hauptstadt. Die vier Frauen klingen wie eine noch cooler Version von Courtney Barnett (ja, noch cooler als Courtney selber!) und gerade die Stimme erinnert doch sehr an das australische Lyrik-Wunder. Statt bluesig schleppenden Songs gibt es von Goat Girl allerdings flotte und vor allem düsterere Stücke. Garage-Rock mit fetten Gitarren und cooler Attitüde Bisher gibt es nur zwei Songs auf Spotify, ein komplettes Album ist allerdings auf dem Weg.

Indian Askin im Interview

Herkunft: Amsterdam, NL
Genre:Garage/Indierock

In den Niederlanden sind Indian Askin nicht mehr ganz unbekannt, das hat auch ihr Auftritt auf dem Eurosonic bewiesen, bei dem die Leute draußen ewig Schlange standen. Absolut zu Recht, denn sind Indian Askin eine der spannendsten Gitarrenbands aktuell, auch wenn ihr Sound etwas retro klingt. Neben den oft rauen Gitarrenriffs in den Strophen gesellen sich immer wieder sehr Indie-typisch poppige Refrains und Elemente dazu - eine Mischung die der Band besonders gut gelingt. Ihr Debutalbum "Sea Of Ethanol" wurde gerade in ihrer Heimat den Niederlanden sehr gut aufgenommen und nun kommen schon die ersten Vorboten eines zweiten Albums zum Vorschein. Mit ihrer spannenden und besonders gut gelungenen Mischung aus sowohl alten als auch modernen Elementen werden Indian Askin gerade für Freunde von gitarrenlastiger Indiemusik zu einem ganz wichtigen Newcomer!

Pip Blom

Herkunft: Amsterdam, Niederlande
Genre: Indiepop/Folk
Die 20-jährige Niederländerin ist immer noch ziemlich unbekannt, obwohl die großen Platformen bereits auf sie Aufmerksam geworden sind. So zum Beispiel Spotify-Chef Daniel Ek. Ihre Musik lässt sich als reduzierte Rockmusik beschreiben, mal ruppiger und dann wieder ruhiger. Mit oft wenigen Elementen baut Pip Blom eine besondere Emotionalität auf.
Ihre Vorbilder sind Parquet Courts, Courtney Barnett und Blur - das beschreibt die Musik von Pip eigentlich ganz gut! Gitarren-Musik mit ruhigeren Folksongs aber auch immer wieder catchigen Refrains. Auf Bandcamp gibt es einige Veröffentlichungen zu erwerben. 

Teksti-TV 666 im Interview

Herkunft: Helsinki, Finnland
Genre: Indierock, Shoegaze
Bei dieser finnischen Band kann es nie genung sein - nie genug Mitglieder, nie genug Gitarren, nie genug Noise! Ihr Sound wird bestimmt von fünf und teilweise sogar sechs Gitarren, doch klingen die Songs nicht überladen oder zu schwer. In ihrer Heimat ist die Band bereits ein großen Ding und wird mit ihrer typisch finnländisch sympathischen Art auch bald in Europa einschlagen. Im Interview kam wir auf ihre Geschichte, Einflüsse und Politik zu sprechen.

Hier geht's zum Interview.

 

Sonars

Herkunft: Brighton (GB) & Bergamo (IT)
Genre: 'Astral-Pop' / Indierock
Mit einem Mix aus Sixties/Seventies Rock und Neo-Psychedelica Bands wie MGMT und Flaming Lips beschreibt die Band Sonars ihre eigene Musik vielleich noch etwas zu ambitioniert. Ein viel treffenderes Beispiel wäre wohl einfach der Sound von Oasis! Was noch nicht ist, kann ja aber noch werden. Allerdings geht die Soundidee der Band aus der englischen Szenestadt Brighton und dem italienischen Bergamo besonders live sehr gut auf. Ihre Stärken sind die unaufgeregten Songs, die stets wunderbar melodisch und harmonisch aufgebaut sind. Ihre eigenen Beschreibung 'Astral-Pop' passt ganz gut, so umgeht die Band jegliche Schönheitsfehler, Dissonanzen und zu harte Brüche. Wer ein Ohr für alle genannten Referenzen hat, sollte sich diese talentierte Band ganz sicher merken. 

Klangstof

Herkunft:Norwegen, Niederlande
Genre:Synth-Pop, Singer-Songwriter
Wenn man das Album "Close Eyes To Exit" hört, denkt man nicht, dass die Band ein solches Volumen auf die Bühne bringt: die Songs sind eher ruhig, tragend, sphärisch. Auf der Bühne präsentiert die Band jedoch mehr Facetten. Es ist nicht nur der Aspekt, dass die musikalischen Mittel der Platte auch spielbar und nicht nur synthetisch sind, sondern auch das Volumen und die Energie, die durch diese Musik übertragbar sind. Koen van de Wardt, Sänger der Band, ist zudem auch noch sehr sympathisch. Es lohnt sich sehr, sich die Platte auch live anzuschauen und die Musik mit zu erleben.

J. Bernardt

Herkunft:Gent, Belgien
Genre: Synth-Indie-Pop
J.Bernardt, eigentlich Jinte Deprez und eigentlich auch Frontman der Band Balthazar, arbeitet jetzt solo. Und unter J.Bernardt ist er viel elektronischer, aber präzise elektronisch und sehr beat-lastig. Sein Gesangsstil ist noch immer lay-back, nicht ganz leichtfüßig. Diese beiden Ebenen lassen sich jedoch gut kombinieren. Man merkt, dass Jinte Deprez weiß, was er will, sowohl in seinen ersten Singles ("Calm down", "The Other Man"), als auch auf der Bühne: der Song darf auch länger als drei Minuten sein, wenn die Instrumentalisierung dadurch nicht zusammenbricht; lay-back ist seine Art zu singen und er will Bässe, elektronische Sounds, die zu dem Sound von Balthazar vielleicht nicht gepasst hätten. Er weiß auch, womit er punktet: mit Bescheidenheit - es braucht nicht viel, außer vielleicht Bühnenerfahrung, um auf der Bühne mit dem zu überzeugen, was man machen will, nämlich Musik.


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