"Fake News"- die Propaganda von heute

Im Zeitalter, in dem World Wide Web und Social-Media die Welt regieren, fällt es vielen Menschen immer schwerer zu entscheiden, welchen Plattformen man heutzutage noch Vertrauen schenken darf und welche Quellen als seriös und zuverlässig angesehen werden können.

Wie soll man schließlich bei „Fake News“ und „Filterblasen“ noch den Überblick über die wirklich wahren und relevanten Themen behalten? Lassen Sie sich durch den in den Medien vermittelten Content vielleicht sogar beeinflussen, ohne diese zu hinterfragen? Tim Schatto-Eckrodt hat sich jüngst als wissenschaftlicher Mitarbeiter im BMBF-Projekt „Erkennung, Nachweis und Bekämpfung verdeckter Propaganda-Angriffe über Online-Medien“ mit Prof. Dr. Thorsten Quandt, Svenja Boberg und Dr. Lena Frischlich mit der Beeinflussung durch Medien auseinandergesetzt. Die Studie gibt eine klare Antwort auf diese Frage.

Seiner Meinung nach ist durch das „Überangebot an Informationsquellen, das uns heute zur Verfügung steht“ mehr denn je unsere eigene Medienkompetenz gefragt. Wir müssen also „deutlich mehr kognitive Arbeit leisten, um die Informationen zu filtern, einzusortieren und entsprechend zu interpretieren (…)“, die täglich auf uns einprasseln. Dies betrifft laut Schatto-Eckrodt die gesamte Gesellschaft. Schlicht Informationen sammeln und abspeichern ist also unratsam, aber könnte es wirklich zu einer Manipulation der Leser/-innen oder Zuschauer/-innen kommen?

"Big Data", Filterblasen und Co.

Die modernen Strategien und Methoden der Unternehmen – man nenne nur das Stichwort „Big Data“ – passen den medialen Inhalt an den/die „User/-in“ an, um für ihn/sie relevante Informationen schnell und effektiv zugänglich zu machen. Doch geschieht dies wirklich zum Nutzen der Verbraucher/-innen, oder vielleicht eher zu Werbe- und Propagandazwecken? Das Internet ist ein Massenmedium, welches fast jedem Menschen rund um die Uhr zugänglich ist. Damit bietet es die perfekte Plattform, um Meinungen und Botschaften rasant zu verbreiten. Auch Schatto-Eckrodt erkennt das „riesige Potential“ des Internets als Kommunikations-, Informations- und Darstellungsplattform an. Dennoch macht er im gleichen Zug darauf aufmerksam, dass dieses Potenzial mit Vorsicht behandelt werden muss. Es würde demnach zu den zukünftigen gesellschaftlichen Aufgaben zählen „mit den Konsequenzen dieser Technologie umzugehen“.

Propagieren im großen Stil

Seiner Meinung nach besteht die Problematik der Propaganda zwar bekanntermaßen schon länger, als es das Internet überhaupt gibt, doch bietet dieses „die Möglichkeit propagandistische Botschaften in größerem Maßstab und möglicherweise auch effizienter zu verbreiten.“ Dazu würden oft auch sogenannte „Social-Bots“ (also fiktive Nutzer) verwendet.  Diese imaginären User/-innen scheinen dabei als authentisch und ehrlich, damit also vertrauenswürdiger, als Statements auf den eigenen Seiten der Unternehmen.

Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser

Die Leser/-innen müssen scheinbar jegliche Information, die ihnen zugänglich gemacht werden erst einmal gründlich reflektieren und einordnen, bevor sie sie abspeichern können. Das bezieht sich laut Schatto-Eckrodt allerdings nicht nur auf die Onlinemedien. Eine „gewisse Skepsis praktisch allen Informationen gegenüber“ scheint angebracht. Das Problem hierbei liege aber eher beim Zeitmanagement der Leser/-innen. In der Theorie sollte man zwar bestmöglich alle Informationen prüfen und gegenrecherchieren, so Schatto-Eckrodt. In der Realität bleibe dafür allerdings nicht die Zeit und daher müsse man ein „gewisses Risiko eingehen und gewissen Informationen aus bestimmten Quellen auch ohne Prüfung vertrauen.“ Also ist jeder/jede Leser/-in nun selbst gefragt, seinem/ihrem besten Gewissen und persönlichen Erfahrungswerten nach zu entscheiden, welchen Quellen er/sie sein/ihr Vertrauen schenken möchte. Schatto-Eckrodt fasst passend zusammen: „Welche Informationen und Quellen das sind, muss man für sich ausmachen.“ Stellt für sich allerdings klar, dass die „Redaktionen vom Spiegel, der Tagesschau oder von Radio Q (…) unabhängig davon, ob ein Artikel oder ein Beitrag offline oder online erscheint, gewissenhaft“ arbeiten.

Charlotte Möller


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