Damien Jurado – Visions of Us On The Land

Man hört sich die Musik einfach so an, wie man sie gerade wahrnimmt, und findet sie schön. Jedoch ist Musik oft mit dem Hitergrund, woraus die Musik entstanden ist, besser zu verstehen und kann noch interessanter empfunden werden. “Visions of Us On The Land” ist das Ergebnis der vierten Zusammenarbeit von dem amerikanischen Singer-Songwriter Damien Jurado mit dem Produzent Richard Swift seit 2010 und zugleich der letzte Teil einer Trilogie.

Der Anfang der Trilogie war das Album “Maraqopa” aus 2012 und Teil zwei “Brothers and Sisters of the Eternal Son” aus 2014. Jeweils mit 2 Jahre Abstand hat der Singer-Songwriter seine Erzählung nun abgeschlossen. Es geht um eine unbestimmte Person, die sich von der Gesellschaft abtrennen musste, um die universalen Wahrheiten zu entdecken. Dabei ist nichts bestimmt und hat nicht mit der Realität zu tun – weder der Erzähler, der Ort noch die Zeit. Es passiert eher in der Fantasie Jurados. Schon der Title des ersten Story-Albums “Maraqopa” deutet darauf hin: Jurado meint, es sei ein friedlicher Ort, den er nur in seinem Gemüt erreichen kann.

Seine Fantasie entfaltet sich hier zum dritten Mal und mit dem kräftigen Drum-Sound in dem ersten Track “November 20″. Es vermittelt der Anfang der Reise in seine Fantasie. Die Stroy beginnt hier neu, ist aber immer noch verbunden mit den vorherigen Geschichten. Denn in dem zweiten Track “Mellow Blue Polka Dot” erkennt man den zweiten Song “Silver Timothy” des Albums “Brothers and Sisters of the Eternal Son” wieder. Dann in dem folgenden Song “QACHINA” wird Jurados Fantasiewelt gezeigt. Der Sound des Albums ist nicht mal modern, sondern eher vintage. Seine Stimme platziert sich entfernt von den Ohren mit den Sound-Effekten, damit der Hörer sich so vorstellen kann, sich selbst in der Fantasiewelt zu befinden. Die Töne sind manchmal absichtlich verstimmt – z. B. in “Sam and Davy”: die Vokalstimme sollte wohl nicht unbedingt nach einem bestimmten Ton klingen, sondern fließt diese einfach dorthin, wo das Unterbewusstsein Jurados sie gerade hinführt. Hier ist der psychedelische Charakter des Produzenten Richard Swift, der in Jurados anderen Alben mit Swift zu finden ist, wiedererkennbar. Das macht die Stimmung noch unrealistischer. Nach und nach beschränkt sich die ganze Bandbesetzung auf die Gitarre und somit wird der Sound auch natürlicher. Dabei merkt man, dass es von der Fantasiewelt zur realen Welt zurückkehrt. “And there is no applause just the sound of alarms/The register yawns at the sound of you leaving” – so endet langsam ‘the long journey’.

“Visions of Us On The Land” ist ein Album, in dem Jurado die Fetzen der Geschichten, die in seiner Fantasie passieren, erzählt – und zwar weniger wörterlich, mehr musikalisch. Die Erzählung ist somit weniger logisch verständlich, sondern mehr im Unterbewusstsein vorstellbar, unterstützt durch die musikalisch vielseitigen Ideen. Allerdings könnten die 17 Erzählungen zu lang empfunden werden, da überall immer ähnliche Stimmungen die Songs beherrschen, die allerdings auch das Konzept dieses Albums wiedergeben. Aber absoult hörenswert sind immerhin “Mellow Blue Polka Dot”, “QACHINA” und “Walrus”.


Von:
Eunbi Koh
Label: 
Secretly Canadian
VÖ: 
18.03.2016
Herkunft: 
Seattle, Washington (USA)