Bob Mould – Patch In The Sky

Drei junge Männer lernen sich in einem Plattenladen kennen und gründen eine Band, die sich bald als wegweisend herausstellt – die Romantik in der Musikwelt. Bei Robert Arthur “Bob” Mould war es tatsächlich so. Als Teenager zog der US-Amerikaner zum Studieren von New York nach Minnesota, lernte im Memory Lane – einem Plattenladen in St. Paul – Grant Hart und Greg Norton kennen und gründete mit ihnen 1979 die Band Hüsker Dü, die unter anderem als Inspirationsquelle für Nirvana und Pixies gilt. Hardcore und Punk war ihre erste Passion, Alternative-Rock die nachhaltigere. Nach diversen Alben kam es 1988 wegen Drogenmissbrauchs und Streitereien zwischen Mould und Hart zur Auflösung, Moulds Solo-Karriere begann, wurde in den 90ern wegen seiner Alternative-Rock-Band Sugar für wenige Jahre unterbrochen und nahm 1996 wieder Fahrt auf – bis heute.

Nach der Widmung diverser anderer Projekte wie das Schreiben einer Autobiographie, dem Legalisierungs-Versuch der gleichgeschlechtlichen Ehe in den USA oder auch der Erkundung der Welt des Profi-Wrestlings Ende der 90er ist “Patch In The Sky” nun bereits das zwölfte Studioalbum des Musikers und nach “Silver Age” (2012) und “Beauty & Ruin” (2014) “das Ende”, der dritte Teil einer Albumtrilogie. Das Thema: Der Tod.

Textlich düster, musikalisch eingängig – das wäre wohl die kürzeste Beschreibung. Die zwölf Songs auf etwa 40 Minuten Spielzeit schwanken zwischen starkem Alternative-Rock mit schicken Gitarrenmelodien und kratzig-zackigen Punkrock-Attititüden wie “Voices In My Head” oder auch “Daddy’s Favourite”. Von Friede, Freude, Eierkuchen ist bei “Patch In The Sky” zwar weit und breit nichts zu spüren, seinen Spaß kann man dennoch damit haben – wenn man sich nur darauf einlässt. Das Album ist nämlich bei Weitem keine Pionierleistung, die der Herr Mould da vollzogen hat, sondern schlicht Musik, die so ziemlich keinem weh tun dürfte.

In allen Bereichen ausgefeilte Instrumentierungen unterliegen Lyrics, welche zuweilen kaum simpler sein könnten. “Hold on, hold on, hold on to me” (“Hold On”) sei an dieser Stelle erwähnt. Gerettet wird der textlich repetitive Track dann leider nur durch die Musik.
Bei “Losing Sleep” verhält es sich übrigens genau anders herum, und weil die Stimme Moulds besonders bei dem Song extrem herunterproduziert und -gemischt wurde, steht die Musik im Umkehrschluss “leider” sehr stark im Vordergrund. Das Skippen wird allerdings besonders durch den Nachfolger “Pray For Rain” provoziert: Ein Stück Musik, welches Mould im besten Licht erscheinen lässt. Nicht zuletzt auch durch die vielen kleinen Details, die auch nach mehrmaligem Hören noch unfassbar viel Spaß machen – und das, obwohl bei “Patch In The Sky” das Rad eben nicht neu erfunden wird. Muss es manchmal aber auch gar nicht.

Bob Mould hat in seinem Leben wahrscheinlich noch nicht ganz so viel erlebt wie beispielsweise der Schauspieler, Musiker und Nazijäger Christopher Lee (u.a. “Herr der Ringe”, “Star Wars”), doch über sein Leben werden irgendwann einmal gewiss ähnlich viele kuriose Geschichten erzählt werden. Stoff gibt es schließlich schon jetzt genug über den 55-Jährigen. Musik darf der Herr aber gerne noch viel mehr schreiben.


Von:
Leonie Wiethaup
Label: 
Merge Records
VÖ: 
25.03.2016
Herkunft: 
San Francisco, USA