BadBadNotGood - IV

Man kann über BadBadNotGood sagen, was man will, nur nicht, dass sie schlechte Musiker sind. 2011 traten sie mit mit ihrem selbstbetitelten Debütalbum erstmals in Erscheinung und eroberten die Musikwelt von da an im Sturm. Mit "IV" setzen die vier Jungs aus Toronto, Kanada, nun fort, was sie zunächst noch als Trio ins Rollen gebracht haben: Eine Serie innovativer, eigenwilliger und vor allem abwechslungsreicher Alben, irgendwo zwischen Jazz und Hip Hop - und wie das Magazin NOW noch so treffend formulierte: "genre-fucking".

Genau genommen ist "IV" allerdings schon das fünfte Studio-Album der Band - das gemeinsame Projekt mit dem New Yorker Rapper und Wu-Tang-Mitglied Ghostface Killah von 2015 kann man in ihrer Diskographie aber genauso gut auch als kleinen Exkurs betrachten. Nach "BBNG", "BBNG2" und "III" soll also nun mit "IV" der rote Faden wieder augenommen werden. Doch gerade den sucht man auf dem neuen Album vergebens. Kein Song gleicht wirklich dem anderen, stattdessen findet sich ein lockeres Miteinander unterschiedlichster Klangwelten. Gut gelaunter Fusion-Jazz folgt düsteren, nach Gangster-Rap-klingenden Passagen – mal aufbrausend und quirlig, dann wiederum ruhig und nahezu idyllisch. Was die Stücke jedoch verbindet, ist der starke Jazz-Einfluss und eine damit einhergehende Verspieltheit.

Durch Jam-Sessions haben BadBadNotGood ursprünglich mal zusammengefunden und so verleihen sie auch ihren Alben einen Jam-Session-Charakter. Trotz der enormen Vielfalt lässt sich aber ein eigener Sound, eine Handschrift erkennen, die sich durch alle Songs zieht, wodurch "IV" zumindest in dieser Hinsicht ganz in der Tradition seiner Vorgänger steht - ein paar Neuerungen gibt es aber eben auch.

Passend zum Album-Titel kommt Leland Whitty, der bislang nur gelegentlich als Gast-Saxophonist zu hören war, erstmalig als viertes, festes Bandmitglied hinzu. Eine feste Aufgabe scheint allerdings niemand zu haben, sie alle scheinen zu Multi-Instrumentalisten herangereift zu sein und hier und da gerne mal zum Instrument des Nebenmannes zu greifen. Die grundlegende Aufgabenverteilung bleibt aber im Groben die gleiche wie bisher. Viel müssen diese überaus talentierten Jung-Musiker an ihrem Konzept aber auch gar nicht ändern, damit es spannend bleibt, denn allein in Verbindung mit dem lebhaften Spiel jedes Einzelnen ergibt sich daraus immer wieder eine neuartige, zündende Mischung.

Die deutlichste Veränderung stellen allerdings die Auftritte einiger prominenter Feature-Gäste dar und vor allem die Gesangsparts sind nach den rein instrumental gehaltenen Vorgänger-Alben ein Novum. Da ist zum einen die kratzige Stimme von Sam Herring (Future Islands) auf dem herrlich-melancholischen "Time Moves Slow", zum anderen die ebenfalls aus Toronto stammende Sängerin Charlotte Day Wilson auf "In Your Eyes", einer entrückten, souligen Nummer in bester 70er-Jahre-Manier. Mit Mick Jenkins gibt es außerdem einen Gast-MC, dessen Raps sich auf dem psychedelischen "Hyssop Of Love" hervorragend einfügen. Auf dem gewaltigen, bläserlastigen Stück "Confessions Pt. II" wirkt der Saxophonist Colin Stetson mit, der unter anderem auch schon mit Arcade Fire und Bon Iver zusammengearbeitet hat und mit Kaytranada haben sich BBNG für den Song "Lavender" noch einen weiteren Landsmann und aktuellen Emporkömmling am kanadischen Producer-Himmel mit ins Boot geholt. Der Trompeter Tom Moffett unterstützt die Band zulettzt auf "Cashmere", dem verträumten Closer des Albums, der sehr klassisch-jazzig daherkommt und stark an Filmmusik erinnert.

Unter dem Strich machen BadBadNotGood noch immer das, was sie auch schon früher gemacht haben, nur eine noch eine Spur professioneller. Dabei lassen sie dem experimentellen Geist freien Lauf - ständig auf der Suche nach neuen Klängen, unwillig sich auf eine Sache festzulegen. Gleichzeitig scheinen sie ihren eigenen Stil in gewisser Hinsicht schon gefunden zu haben und vor allem eines zu wollen: Einfach in einem Raum zusammen- zukommen und Musik zu machen. Und das tun sie auch. Auf beeindruckende Weise und mit einer erfrischenden Prise jugendlicher Ignoranz.


Von:
Jan Fabian
Label: 
Arts & Crafts
VÖ: 
08.07.2016
Herkunft: 
Toronto, Kanada