The War On Drugs - A Deeper Understanding

Rezensiert von Sophia Kisfeld

"A Deeper Understanding" ist eine Erzählung mit vielen Facetten der Gefühlswelt. Es ist das vierte Studioalbum von The War On Drugs, diesmal jedoch bei Atlantic Records. Oft gerät man als Fan in Panik, wenn es heißt, die geliebte Indie-Band hat einen Vertrag mit einem großen Label, die zukünftige Qualität wird in Frage gestellt. Bei The War On Drugs gibt es aber keinen Grund zur Sorge. Die sechsköpfige Band von Adam Granduciel lässt sich im Alternative-/Classic-Rock einsortieren, mit einem Hang zu den vergangen Rock-Größen der 80er, ohne dabei retro zu klingen. Sie sind aktiv seit 2008 und vor allem durch das Album "Lost In The Dream" (2014) erhielten sie größere Aufmerksamkeit.

Die größte Stärke von The War On Drugs ist aus dieser Vielfalt an Instrumenten ein Album zu schaffen, in das man sich einbetten will. Die Songs haben eine durchschnittliche Länge von mehr als sechs Minuten, sie sind nicht dahingeworfen, sondern bis ins letzte Detail perfekt auskomponiert. Es sind vor allem die Intros oder die Übergänge zwischen Strophen und Refrain, die den Zuhörer auf eine Entdeckungsreise durch das Ich mitnehmen.

Adam Granduciel ist der Geschichtenerzähler zu dieser Entdeckungsreise. Manchmal ist es zwar schwer, ihn inhaltlich zu verstehen, denn er ist sehr poetisch. Dann schaffen es jedoch die musikalischen Hymnen, die Geschichte in verschiedenen Tönen der Abenddämmerung zu malen. Die Lieder haben so viel raum, durch ihre Länge, sich vollends zu entfalten, dem Synthesizer, den Glockenspielen, der Hammond Orgel, dem Piano, dem Basssaxophon oder dem Bass selbst den Raum zu geben, verschiedene Stimmungen beim Hörer auszulösen: Sei es die Losgelöstheit, das Gefühl, voranzukommen, angetrieben durch die unglaublich breiten, einhüllenden Gitarren in "Up All Night"; sei es die melancholische, sehnsüchtige Entwicklung, die man mit ihm in "Pain" durchmacht; den Schmerz endlich hinter sich zu lassen und aus der Vergangenheit zu lernen. Vielleicht ein wenig melancholisch, da jedes Ende zwar einen Anfang hat, man jedoch auch lernen muss, dadurch Dinge hinter sich zu lassen, die man nicht ändern kann: "I resist what I cannot change / I wanna find what can't be found", auf der Suche nach ich selbst: "Give me the deeper understanding of who I am".

Doch der Protagonist lernt aus seinen Fehlern, geht in "Holding On" voran, obwohl er lange an etwas festgehalten hat, "Ain't no way I'm gonna last / Hidin' in the seams / I keep moving past". Der Protagonist erzählt von ehrlichen Gefühlen, die Musik lässt nicht nur die Worte hören, sondern auch die Gefühle nachspüren. Man kann sich gehen lassen und zuhören, ihn verstehen - denn irgendwo und irgendwann ging es einem selbst manchmal vielleicht genau so: Sehnsüchtig, verliebt, verlassen, zuversichtlich, mutig und zukunftsorientiert. Manchmal spüren wir die Wucht, sind überrascht, werden eingeholt von den Gefühle, ebenso wie die der Instrumente mit Wucht einsetzen, an einer unerwarteten Stelle auftauchen oder innerhalb eines Songs immer mal wieder auftauchen und eine Struktur schaffen.

Man wird dieser Erzählung nicht müde, man fühlt sich zu Hause in ihr und will sie immer wieder hören, denn sie ist einfach ehrlich. The War On Drugs haben keinen Fehler gemacht, einen Vertrag mit einem Major-Label zu machen, denn ihnen wurde nichts genommen. Es gelingt ihnen noch immer, prachtvolle Klangmalereien zu erschaffen, die für so viele Stimmungen passen. Sie werden beeindruckender von Album zu Album.

 


Label: 
Atlantic Records
VÖ: 
25.08.17
Herkunft: 
Philadelphia, USA