Tuvaband - I Entered the Void

Rezensiert von Alessa Voelskow

Tuva Hellum Marschhäuser startete im Herbst 2016 noch als Duo mit dem britischen Sänger Simon Would mit einer Doppelsingle in die Indie-Musikszene. Das Debut “Soft Drop” mit minimalistischen Klängen wurde sowohl in ihrem Heimatland Norwegen als auch international gefeiert. Nun steht im Gegensatz dazu das zweite Album “I Entered The Void”, was einen sehr schweren und vollen Klangcharakter aufweist. Dieses wurde von Tuva alleine als Soloprojekt geschrieben. Für die Produktion zog sie sich zurück und akzeptierte die soziale Isolation.

Die Songs rangieren zwischen Synth-Pop-Balladen („Young Adults And Old Grown Ups“), instrumentalen Postrock-Songs („The Void“) und kantigen Indie-Rock-Songs (“Genuine”). Allgemein wirken die Stücke eher düster. Tuvas zarte, gefühlvolle und verletzlich wirkende Stimme schlägt den Hörer jedoch sofort in den Bann. Instrumentiert sind die Songs recht schlicht mit Gitarre, Bass, Schlagzeug und begleitenden Synthesizern. Thematisch bewegen sich die Songtexte unter anderem um die Angst vor Einsamkeit und Fragen zur eigenen Identität. Die Künstlerin verarbeitet dabei nicht nur die Veränderungen in ihrem Leben durch den Umzug nach Berlin, sondern auch die selbstgewählte Isolation. Dazu sagt die Sängerin selbst: “Es handelt sowohl von den Nachwehen als auch dem Seelenzustand, in den man geraten kann, wenn man zu viel Zeit mit den eigenen Gedanken verbringt, ohne mit anderen zu kommunizieren. Von Gefühlen und Gedanken über frühere Beziehungen, die Erwartungen der anderen, Ängste, Einsamkeit, Empathie und Identität."

Der Eröffnungssong “I Entered The Void” lässt die Klangfarbe des gesamten Albums erahnen. Ein melancholisch- depressiver Charme mit zurückhaltendem Gesang, der jedoch unter der Last der Gefühle fast zu zerbrechen scheint. Es geht um die Verirrung in die Leere, in “The Void”. Dabei wirken manche Textzeilen eher gesprochen, als gesungen, was an die Künstler Anika und Cat Power erinnert.  In der zweiten Vorab-Single “He Said Me Too” wird eine einengende Atmosphäre vermittelt, die den Hörer wie einen Sog in den Song zieht. In den Lyrics wird die Dynamik von Gruppen angesprochen, das Verhalten und die Werte der Mitglieder.  

Schaut man sich die Lyrics mal genauer an, scheint Tuva Fragen sowohl sich selbst als auch den Hörern zu stellen wie in dem Song “Young Adults and Old Grown Ups”. Erlebnisse werden verarbeitet und fast wie eine Geschichte erzählt. Dabei bleibt ihre Musik stehts ruhiger, als die ernsten Themen der Texte erahnen lassen.  Mit Gegensätzen wird in dem Song “Submerged” gespielt, der auch zwischendurch mal etwas lauter wird. Dabei fallen einem besonders die genutzten Synthesizers auf.

Den Abschluss findet das Album mit dem instrumentalen Stück “The Void”. Dieses unterscheidet sich stark von den anderen Stücken des Albums, denn hier wurden verzerrte Klänge genutzt. Beim Hören des Albums könnte man meinen, am Ende der Welt zu stehen und ins Nichts zu blicken

Im Januar 2020 geht Tuvaband auf Deutschlandtour.


Label: 
Brilliance Records / Tuvaband Music
VÖ: 
29.11.2019
Herkunft: 
Oslo, Norwegen / Berlin, Deutschland