Thunderpussy - Thunderpussy

Rezensiert von Lennart Knebel

Thunderpussy. Alleine der Bandname sollte bei vielen eine lange Reihe musikalischer Assoziationen hervorrufen. Und höchstwahrscheinlich sind die meisten davon korrekt, denn die vier Mädels aus Seattle machen mit ihrem gleichnamigen Debutalbum keinen Hehl aus ihren Einflüssen. In jedem Riff und jeder Strophe erkennt man die Vorbilder. Ganz vorne dabei sind natürlich Hardrock-Größen wie AC/DC, Led Zeppelin oder Black Sabbath. Aber auch auch Vergleiche mit den Rolling Stones, The Who oder Deep Purple sind nicht weit hergeholt.

Die Band dabei lediglich als kompetente Retro Musiker zu bezeichnen wäre eine Beleidigung, denn man merkt jedem Song die Inbrunst und Passion an, die dahinter steckt. Bereits der Opener "Speed Queen" beginnt mit einem starken Gitarrenriff, der so auch von AC/DC stammen könnte. Darüber hört man Frontfrau Molly Sides’ kraftvolle, theatralisch-bebende Stimme und das Bild wird abgerundet. Thunderpussy klingen hier gleichzeitig altbekannt und erfrischend neu.

“Velvet Noose” hat den vielleicht stärksten Refrain der Platte. Über mächtigen Gitarren und monumentalem Background Gesang ruft Sängerin Sides dann einen Text, der genretypischer eigentlich nicht sein kann: "Can you hear me breathing // While me watch me swinging // From the velvet noose". Zu diesem Song hat Pearl Jam-Gitarrist und selbsternannter Thunderpussy-Fan Mike McCready die Leadgitarre beigesteuert und seine kurzen aber effektiven Soli bereichern das Lied noch weiter und machen es zum Highlight des Albums.

Trotz des muskulösen Hardrock-Images, das die Band mit den meisten Liedern der Platte aufbaut, trauen sich die Amerikanerinnen auch emotionale Songs mit sanften Arrangements und sogar Streichern mit auf die Platte zu setzen. Hier sticht besonders die gefühlvolle Slow-Tempo Nummer “Torpedo Love” heraus, die sich zu Beginn immer weiter steigert und dann mittendrin eine 180° Drehung vollzieht und Jazzelemente mit einbaut. Zum Schluss wird das Lied dann aber nochmal richtig episch und ausufernd. Hier erinnert die Musik dann besonders an die Rolling Stones und den frühen Progressive Rock der 1970er Jahre.

Ein paar Längen haben sich trotz allem eingeschlichen. Das Lied “Gentle Frame” kommt nie so richtig in Fahrt und auch “All In” klingt in erster Linie nach einem Filler. Die beiden Songs bleiben zwar hinter dem Standard, den Thunderpussy sich mit dem Rest der Platte gesetzt haben, sind dabei aber nicht repräsentativ für das Album.

Das erstaunlichste an der Platte ist wohl, dass es sich dabei um ein Debutalbum handelt. Thunderpussy bewerkstelligen es mit 12 Songs, sich eine eigene Identität im Zentrum eines Rock’n’Roll-Revivals zu schaffen und dabei nicht ihre Einflüsse und Vorbilder zu vergessen. Man könnte an dieser Stelle noch viel darüber diskutieren, welchen Stellenwert diese Wegbereiter in der Musik von Thunderpussy haben, was es heißt, als Frauenband in diesem von Männern überlaufenen Genre aufzunehmen und zu performen und, überhaupt, ob es nicht Parallelen zu #metoo gibt. Am Ende ist das alles aber nicht so wichtig. Es ist eigentlich nur eins wichtig: ob es rockt. Und das tut es.


Label: 
Stardog Records
VÖ: 
10.08.2018
Herkunft: 
Seattle