They Owe Us - Broken English & Sad Serenades

Rezensiert von Carlotta Rölleke

Mit einer zufälligen Begegnung auf einer Hausparty fing alles an – zwischen spielenden Kindern, Wein trinkenden Eltern und zu der Musik eines lokalen DJs kommen die beiden Musiker Kris und Rane ins Gespräch und erkennen eine gemeinsame künstlerische Sprache. Berauscht (vom Wein und ihrem Gespräch) beschließen die beiden, eine Band zu gründen, ein Duo mit zwei Frontsängern: They owe us.

Ein Jahr brauchen die beiden Schweden ,um ihr Debütalbum „Broken Englisch & Sad Serenades“ aufzunehmen. Alle Songs schreiben sie zusammen während ein paar intensiven 24-Stunden-Sessions, das verteilt über Monate – herausgekommen ist ein Album, so breitgefächert an musikalischen Einflüssen, dass man manchmal gar nicht weiß, ob man sich jetzt an Kraftwerk oder Sigur Rós erinnert fühlt – aber nie im negativen Sinn. Und als Fan von skandinavischer Musik, mit ihrem immer etwas sphärischen Klang, hat mich dieses Album spätestens bei dem ersten Einsatz der analogen (!) Synthesizer in den Bann gezogen.

Die Musik als Zufluchtsort vereint das Duo. Beide wurden in ihrer Jugend gemobbt und ausgeschlossen, weil sie an unkonventionellen Orten aufwuchsen. Kris wird in einer Einrichtung für Menschen mit körperlichen Behinderungen groß, Rane auf einer riesigen Schweinefarm. Die schwere Jugend prägt beide Künstler und so klingt ihr erstes gemeinsames Projekt auch wesentlich tiefgründiger als Debütalben sonst. Wenn man den beiden Stimmen zuhört, die wie zwei Puzzelteile in einander passen, hat man das Gefühl, das Rane und Kris schon seit vielen Jahren miteinander Musik machen.

Das Album beginnt mit dem energischen „Harvest Time“, ein abwechslungsreiches Rhythmusgeflecht trifft auf progressiven Elektrosound. Die folgenden 12 Tracks sind so vielfältig und experimentell, mal wird man mitgerissen von den treibenden Rhythmen wie in „Don't think about me“ oder ist plötzlich auf einem psychedelischen Elektro-Trip in „Robots“. Zwischendrin gibt es immer wieder Ruhepole, wo der Sound durch den Fokus auf dem Klavier auch mal richtig jazzig wird, wie bei „Rest my mind“. All das macht „Broken English and Sad Serenades“ zu einem der besten Debütalben, die ich seid langem gehört habe. Die Bandbreite an musikalischen Einflüssen, die die beiden Schweden hier präsentieren ist unglaublich, dabei bleiben sie sich aber immer irgendwie treu, und bauen in jeden Song einen wirklich gut produzierten Synthesizer-Beat ein, mal mehr, mal weniger im Vordergrund. Ein weiteres Highlight: „There is a way if there is a will“ - hier trifft alles zusammen, Klaviersoli, eindringlicher Rhythmus und dann auch noch Bläser:

They owe us präsentieren auf ihrem ersten Album intelligenten Techno vom Allerfeinsten und folgen dabei ihrem Motto: „two Swedes who play music without any rules“. Ein paar Konzerte haben die beiden Musiker schon in Deutschland gespielt, und sind jetzt noch in den USA unterwegs. Das Indie- Elektropop- Duo steht am Anfang seiner Karriere und gibt auf „Broken english and Sad Serenades“ einen Ausblick auf all das was in den nächsten Jahren hoffentlich noch kommen wird.


Label: 
One-RPM / Bengans
VÖ: 
07.06.2019
Herkunft: 
Schweden