Superorganism - Superorganism

Rezensiert von Lennart Knebel

Es ist ein klarer Sommertag, alle Mitbewohner treffen sich auf der WG-Dachterrasse, vorher tragen sie noch die alte, aber gemütlich eingesessene Couch mit nach oben. Dabei trinken sie lokales Bier, rauchen selbstgedrehte Zigaretten und sprechen bis zum späten Abend über Kunst, Musik und alles, was sie sonst noch bewegt. So oder ähnlich kann man sich wohl den Schaffensprozess von Superorganism vorstellen.

Die Anfang 2017 gegründete Band passt perfekt ins digitale Zeitalter. Das Projekt wurde dadurch ins Rollen gebracht, dass die Sängerin Oroni Noguchi über ihre YouTube-Empfehlungen auf die Gruppe The Eversons aufmerksam wurde. Nachdem sie ein Konzert besucht hatte, freundeten sich Noguchi und der Rest der Band an. Sie begannen, über Skype miteinander zu kommunizieren und tauschten Ideen aus. Hierbei entstand schon bald die erste Single “Something For Your M.I.N.D.”. Superorganism war geboren - und die Band macht ihrem Namen alle Ehre. Die acht Mitglieder kommen aus allen Ecken der Welt, von England, über Australien, bis nach Japan und Südkorea. Die Altersspanne reicht von von 17 bis 32 Jahren. Mittlerweile leben sie zusammen in einem WG-Haus in London, das auch rund um die Uhr als Studio genutzt wird.

Am 2. März ist jetzt ihr gleichnamiges Debütalbum erschienen. Passend zur Band ist ihre Musik ein bunter Flickenteppich aus Geräuschen, Effekten und verzerrten Sprachsamples. Die Platte ist eine knallige Soundcollage, die so wirkt, als ob jede noch so kleine Idee der acht Bandmitglieder irgendwie in die Songs gequetscht wurde. Es blubbert und rauscht, es springt und knirscht und ab und zu stoppt ein Song auch mal komplett. Bei dem Einsatz der Geräusche bekommt man das Gefühl, sie hätten die Soundbibliothek einer Hörspielproduktion geplündert. Da gibt es Vogelgezwitscher und Regen, knallende Autotüren und Kinderlachen, quakende Frösche und Explosionen. Aber bevor jetzt der Eindruck erweckt wird, dass es sich um ein Avant-Garde Album voller “Revolution #9”-Klone handelt: In der Soundkulisse sind ziemlich eingängige Popsongs versteckt. Es kommen einem Bilder von spektakulär fehlgeschlagenen Experimenten im Chemieunterricht in den Kopf, bei dem am Ende Schüler und Lehrer von oben bis unten mit Farbe bedeckt sind, aber trotzdem alle eine Menge Spaß hatten.

Dabei könnte man jetzt denken, die Musik sei wild zusammengewürfelt worden. Wenn man sich das Album anhört, wird aber schnell klar, wie viel Aufmerksamkeit und Mühe in jeden Aspekt der Produktion gesteckt wurde. Die Songs funktionieren und machen Laune, dabei wird es einem bei dem Hören nie langweilig. Hinter jeder Ecke versteckt sich eine neue Idee und man wird immer wieder von der Kreativität der Gruppe überrascht. Es ist schwer, einzelne Lieder herauszuheben, denn die ganze Platte wirkt wie ein zusammenhängendes Gesamtwerk. Ein paar Highlights gibt es aber trotzdem. Dazu gehören der Bubblegum-Pop Song “Everybody Wants To Be Famous”, das wunderbar schräge “The Prawn Song” und die erste Single “Something For Your M.I.N.D.”, die sogar einen begehrten Platz in der Playlist des Spiels FIFA 18 bekommen hat. Mit nur zehn Liedern und einer Spieldauer von gerade mal 33 Minuten ist “Superorganism” auf der kurzen Seite. Dabei kann man das Album perfekt in einem Durchgang hören und sich auf die ausgelassene Stimmung einlassen. Wer also Lust auf experimentierfreudigen Bubblegum-Pop mit WG-Feeling hat, für den ist Superorganism genau das Richtige.


Label: 
Domino
VÖ: 
02.03.2018
Herkunft: 
Australien, England, Japan, Neuseeland, Südkorea