Stella Donnelly - Beware of the Dogs

Rezensiert von Jan-David Wiegmann

Manche Ereignisse sind kein Zufall – zum Beispiel, dass “Beware of the Dogs” von Stella Donnelly am Frauenkampftag, dem 08.03., veröffentlicht wird. Auf dem Album rechnet die Australierin mit jeglichen Typen von Sexismus und toxischer Männlichkeit ab. “Beware of the Dogs” ist das erste Studioalbum von Stella Donnelly, nachdem sie bereits 2017 mit ihrer EP “Thrush Metal” in der weltweiten Musiklandschaft für Aufruhr gesorgt hat.

Ein Song der damals im Zuge der #metoo Debatte seinen Weg ins Rampenlicht gefunden hat ist “Boys Will Be Boys”. Ein auffällig ruhiger und intimer Song, den sie bereits 2016 geschrieben hat und der das Thema Victim Blaming behandelt. Täglich werden Frauen nach sexuellen Übergriffen mit Vorwürfen bombardiert, dass sie durch Kleidungsstil oder Verhalten quasi selbst die Schuld an der Tat tragen würden. Auch Donnelly kennt diese Vorwürfe:  "Why was she all alone / Wearing her shirt that low? / They said, "Boys will be boys". Der Song ist einer Freundin gewidmet die nach einem Übergriff selber Opfer von Victim Blaming wurde. Die Sängerin musste ihre Wut in dem Song verarbeiten, denn “the alternative is driving to someone’s house and throwing eggs, but that’s not legal” wie sie zynisch in einem Interview mit dem Fact Mag mitteilt. Doch auch nachdem die große #metoo Welle abgeflacht ist, ist das Thema Victim Blaming leider immer noch so aktuell wie zuvor. Ein Grund warum Donnelly den Song neben ihrer EP nun auch auf “Beware of the Dogs” veröffentlicht.

Auch der Opener von “Beware of the Dogs”, “Old Man”, ist stark von der #metoo Debatte beeinflusst. Damals, als Hollywoodgrößen wie Woody Allen die #metoo Debatte eine “Hexenjagd” nannten und versuchten, die jahrzehntelange körperliche und finanzielle Ausbeutung von Frauen zu relativieren, musste Stella Donnelly diesen ganzen alten weißen Männern zeigen wie angewidert sie ist. “Oh, are you scared of me, old man? / Or are you scared of what I'll do? / You grabbed me with an open hand / The world is grabbin' back at you”, singt sie mit sehr scharfer Zunge.

Die Kritik zieht sich weiter durch das Album – in  “U Owe Me” spricht Donnelly über einen ehemaligen Chef im Pub, der sie nie ausgezahlt hat aber ständig am Koksen war und sie herumkommandierte. “Season’s Greeting” zeichnet das Bild von einer Weihnachtsfeier, die gründlich daneben geht und in einem “Fuck up your life (Alright, yeah, fuck off then)” endet.
Dort wo Donnelly die direkten Angriffe etwas zurückfährt, werden die Songs eingängiger. “Tricks” ist inspiriert von Donnellys ersten Auftritten, auf denen sie hauptsächlich Cover gespielt hat und vom Publikum - größtenteils reaktionäre Männer - so lange verspottet wurde, bis sie für sie Country Songs ausgepackt hat. Der Song kommt locker leicht daher und geht auch erstmal nicht mehr aus dem Ohr. Das schafft auch “Die” - ein Song der eigentlich von einer scheiternden Beziehung handelt.

“Beware of the Dogs” ist ein Album, das sein Publikum stark beansprucht – ein Album bei dem genau auf die Texte geachtet werden muss – ein Album das klingt wie die Ruhe vor dem Sturm – ein Album das auf die letzten Tage des Patriarchats abzielt. Von daher ist “Beware of the Dogs” genau das Album was die Welt gerade verdient und vielleicht jetzt schon das wichtigste 2019. Stella Donnelly zeigt sich rebellisch und übt Kritik, welcher sich gerne weitere Musiker*innen im Popbusiness anschließen dürfen. Pop als Rebellion – eine Verbindung die viele heutzutage gar nicht mehr ziehen. Gerne mehr davon!


Label: 
Secretly Canadian
VÖ: 
08.03.2019
Herkunft: 
Perth, Australien