Sophie Auster - Next Time

Rezensiert von Jonas Klein

Endlose Weiten, staubtrockener Sand, 20er Jahre Nostalgie, die vielleicht beste Küche des Erdballs und ganz viel Platz für die eigene Fantasie. So ähnlich muss sich das Sophie Auster wohl vorgestellt haben als sie ihr Album "Next Time" schrieb. Mit dem Opener „Ma-ma-ma-ma-ma-ma-ma-Mexico“ hat sie sich jedenfalls schonmal einen Top-Platz in der Liste der einprägsamsten Refrains des Jahres verdient. Ihr neuestes Album ist so etwas wie eine Wundertüte an Klangfarben und Stimmungen. In erster Linie wirkt es aber wie eine kleine Reise. Eine Reise so bunt wie das Land das zwei Kontinente eint.

Als Tochter von Schriftsteller-Paar Paul Auster und Siri Hustvedt traute sie sich mit 17 bereits aus dem Schatten der erfolgreichen Eltern zu treten. Damals veröffentlicht sie ihr Debüt - mit vertonten Übersetzungen ihres Vaters von französischen Gedichten. Nach einem längeren Intermezzo als Schauspielerin, ist sie schließlich doch wieder bei der Musik gelandet. Wenig überraschend ist es da vielleicht auch, dass die Songs auf dem mittlerweile drittem Album „Next Time“ wie Kurzgeschichten (und meist Liebesgeschichten) aus dem Leben verschiedener Personen anmuten.

Ihre Stimme wechselt auf „Next Time“ mühelos zwischen Flüstern, kraftvollen Soul, luftiger Kopfstimme bis hin zu atmosphärischen Sprechpassagen. Teilweise passiert das auch mal in einem einzigen Song. Das Album versprüht dadurch eine Spielfreude und Leichtigkeit die ansteckt. Man kann jedenfalls den Spaß den sie beim Schreiben und Aufnehmen der Songs haben musste gut nachempfinden. Umso überraschender ist bei all der Abwechslung, das ihr drittes Album trotzdem wie aus einem Guss wirkt. Dazu fühlt sie sich auf dem gesamten Album besonders in ihrem neu entdeckten tiefen Stimmregister wohl, die sie auf Anraten ihres Produzenten ausprobiert hatte - ein Experiment das voll aufgeht.

Zwar schwächelt „Next Time“ im Mittelteil etwas, spätestens bei „Medications“ ist sie aber wieder da: Die Spannung die in der Luft liegt, wenn sie im Film-Noir-geprägtem Song plötzlich in den Sprechgesang wechselt und nachruft: „And you know what’s coming, She’s gonna shot you down!“

Manchmal streift sie haarscharf am Kitsch vorbei, immer wieder schafft sie es aber, ihr Gespür für Melodien und einprägsame Hooks unter Beweis zu stellen. So glänzen neben „Mexiko“ vor allem „Missing“ und „My Baby“ mit charmanten Mitsing-Refrains. Songs wie „Dragon Blood Tree“ könnten glatt dem neuen Bond-Film entsprungen seien, während „My Baby“ mit Country liebäugelt und die soulige Single-Auskopplung „Dance with me“ Melancholie und Euphorie miteinander vereint.

Eine verrauchte Bar hier, ein schattiger Drachenbaum dort, Auster beherrscht es mit lebendigen Texten und ihrem teils lasziven Gesang starke Bilder im Kopf des Hörers zu erzeugen. Dazu bewegt sie sich souverän zwischen Jazz, Pop, Folk, Soul und Indie - aber wozu sich auch auf ein Genre beschränken? "Next Time" war scheinbar auch die Devise beim Schreiben des Albums, so hat sie sich vorgenommen, diesmal nichts aufzuschieben und alles zu tun was sie gerne in einer Platte unterbringen wollte. Das ist vor allem bis zur ersten Hälfte des Albums deutlich hörbar. Jeder Song bespielt irgendwie andere Stimmungen und Instrumente. Wie ein roter Faden zieht sich da nur die ausdrucksvolle Stimme von Auster und die immer wiederkehrenden Mariachi-Bläser durch das Album. Wie auf einem Road-Trip leiten sie einen bis zum hymnenhaften "Tom Collins" durch das Land der Atzteken. Die letzten beiden Songs sind als letzte Highlights der Platte gleichzeitig Ende einer Reise, die einen von der ersten Sekunde an einlullt.
Wer also diesen Sommer schonmal seinen Mexiko-Urlaub plant, der findet mit "Next Time" die vielleicht schonmal perfekte musikalische Einstimmung.


Label: 
BMG
VÖ: 
12.04.2019
Herkunft: 
New York, USA