Robert Finley - Goin' Platinum

Rezensiert von Doretta Farnbacher

Mit inzwischen 63 Jahren veröffentlicht Robert Finley nach „Age Don't Mean A Thing" seine zweite Platte, die er eher augenzwinkernd „Goin' Platinum" nennt. Denn dem amerikanischen Sänger, Songwriter und Gitarrist geht es nicht um Erfolg und Ruhm. Vielmehr liebt er die Musik und seine Arbeit und liefert mit seinem neuen Album einen wunderbar mitreißenden Mix aus Blues und Soul.

Robert Finley stammt aus dem ländlichen Louisiana, wo er noch heute lebt. Mit elf Jahren kaufte er sich seine erste Gitarre und brachte sich das Musikmachen selber bei. Eine musikalische Karriere kam damals jedoch nicht in Frage. Mit 19 Jahren musste Finley zum Militär, wurde unter anderem in Deutschland eingesetzt und spielte nur nebenbei immer mal wieder in kleinen Bands. Später arbeitete er dann als Zimmermann, bis er nahezu vollständig sein Augenlicht verlor und endlich sein Hobby zum Beruf machte. Gleich mit seinem 2016 erschienenen Debütalbum erregte er die Aufmerksamkeit von The Black Keys-Sänger Dan Auerbach. Vollkommen von der Stimme Finleys begeistert bezeichnete er diese als "the greatest living soul singer", nahm ihn bei seinem Label unter Vertrag und begann, mit ihm Songs zu schreiben. In Zusammenarbeit mit bekannten Sessionmusikern wie Elvis Presleys Schlagzeuger Gene Chrisman und Keyboarder Bobby Woods ist nun "Goin' Platimum" entstanden - ein halbstündiger Mix aus himmlischer Andersartigkeit und Grandiosität.

Das Album ist gleichermaßen zeitgemäß und zeitlos. Finleys retro-moderne Songs erinnern an die musikalische Ära von 1960, bringen den Hörer zurück in verrauchte Bars an amerikanischen Straßenrändern. Die zehn Songs ergeben einen variantenreichen Mix aus Blues, Soul und Rock'n'Roll und überzeugen mit einem vollen Paket von Authentizität und Coolness. "Medicine Women" ist dabei sicherlich der interessanteste Song der ganzen Platte. So berauschend wie der Titel selbst, verwöhnt er mit Finleys roher, erdiger Stimme und wirkt dabei gleichzeitig romantisch und betörend. "That song's the cure to a broken heart. That's the power of love. Medicine woman, she's all it takes to make your life complete and life can be messed up without her" sagt Finley selbst über den Song.

Finleys raue, krächzende Stimme ist definitiv einzigartig und unglaublich mitreißend. Der schlaksige Typ mit Cowboy-Hut und Western-Hemd ist nicht nur auffallend lebhaft und natürlich, sondern gleichzeitig auch einfach unfassbar cool. Es scheint, als spiele Finley mit dem Kontrast zwischen seiner reibeisernen Stimme und den gefühlvollen, emotionsgeladenen Texten und Melodien. Doch wer sich mit seinem Werk vertraut macht, wird feststellen, dass die Musik für Finley nicht nur ein Spiel ist -- sie ist Leidenschaft und scheint ihn jedes Mal aufs Neue in spürbare Ekstase zu versetzen.

"Goin´Platinum" ist ein wundervolles Album, dass dem Soul eine völlig neue Lässigkeit verleiht. Es ist unglaublich reich an Aura und Authentizität und weckt dabei eine musikalische Ära, die vielleicht schon ganz in Vergessenheit geraten war.


Label: 
Easy Eye Sound / Nonesuch
VÖ: 
08.12.2017
Herkunft: 
Lousiana, USA