Parcels - Parcels

Rezensiert von Steffen Jöne

Weltweit ausverkaufte Konzerte, über 65 Millionen Streams, unzählige, begeisterte Festivalbesucher, eine Zusammenarbeit mit Daft Punk und noch kein Album. Das schafft nicht jede Band. Parcels aber haben genau das geschafft. Seit 2014 machen die fünf Australier zusammen Musik. Auf ein Album mussten Fans also lange warten. Dass nach all dem Erfolg ein ganzes Album erscheinen würde, war nur eine Frage der Zeit. Nach zwei EPs (“Clockscared”, 2015 und “Hideout”, 2017) folgt jetzt das selbstbetitelte Album “Parcels”. Ein Album zwischen Dream-Pop und beeindruckender Leichtigkeit, das Kitsch nie kitschig wirken lässt.

Betrachtet man das Cover von “Parcels”, könnte man denken, Louie Swain (Synths), Patrick Hetherington (Synths), Noah Hill (Bass), Anatole Serret (Schlagzeug) und Jules Crommelin (Gitarre) wären in den 70er Jahren stecken geblieben: Topfschnittfrisuren, Kleidungsstil und dazu die Bärte. Ihre Vorliebe für die 70er spiegelt sich auch in der Musik wider. Der Sound ist so funkelnd wie die 70er Jahre. Dazu gesellen sich elektronische Upbeats und der mehrstimmige Gesang.

Dass sie diesen verträumten Elektroklänge perfekt beherrschen, beweisen die Wahl-Berliner direkt im Opener “Comedown”. Der Song besitzt ein einminütiges Intro, das die Erwartungen an das Album fast ins Unermessliche steigen lässt. Gleichzeitig wird die Vorfreude immer stärker. Nach der Minute kann man sich schließlich beruhigt zurücklehnen, denn die Erwartungen werden erfüllt. Lässige Gitarren vereinen sich mit funky Pop und sanften Orgelklängen. Genauso funktioniert auch die erste Singleauskopplung “Lightenup” aus dem Album. Und wer jetzt denkt, es könnte schnell eintönig werden, der irrt sich. Die Jungs beherrschen nämlich ebenso gut die ruhigeren Töne, was sie in Songs wie “Withorwithout”, “Yourfault” oder “Everyroad” beweisen. In “Withorwithout” ist der Text nicht ganz so minimalistisch gehalten wie zum Beispiel im Opener. Komplett überzeugen kann der Track insbesondere durch sein Gitarrensolo. “Tape” ist ein schönes Zwischenspiel, während “Everyroad” sich als achteinhalbminütiges Epos entpuppt. Dabei will der Song bis zum Ende gehört werden. Stetige Wendungen zwischen Synthesizern, Sprechgesang und Gitarrenriffs bis er kurz vor Ende noch einmal eine ganz neue Facette zeigt.

Wie abwechslungsreich Parcels sind, zeigen sie gleich darauf in “Yourfault”. Schüchterne Gitarren begleiten einen traurigen Gesang. Schöner klang traurig sein lange nicht mehr. In “Closetowhy” und “IknowhowIfeel” wird es wieder positiver. Die beiden Songs greifen erneut funky Pop-Elemente und eingängige Gitarren auf und bieten eine Mischung aus Pop, Rock, Funk und elektronischer Experimentierfreudigkeit. “Exotica” ist wiederum ein gelungener Song, der, im Gegensatz zu “Everyroad”, jedoch etwas in die Länge gezogen wird. Mit “Tiedemuprightnow” kommt gegen Ende des Albums dann nochmal ein Highlight, bevor nach “Bemyself” wohl einer der kreativsten Closer für eine Platte wartet. In “Credits (ft. Dean Dawson)” liest der Berliner Rapper Dean Dawson alle Mitwirkenden vor.

Man darf fast dankbar sein, dass die fünf Jungs von Parcels ihre Heimat, das idyllische Surferparadies Byron Bay in Australien, verlassen haben und nach Berlin gezogen sind. Denn dort haben sie in vollkommener Eigenleistung ein Album produziert, was durch eine komplexe Eingängigkeit und sanfte Melancholie überzeugt. Eigenschaften, die sich durch die gesamte Platte ziehen und eine ganz spezielle Stimmung transportieren.


Label: 
Kitsuné Musique
VÖ: 
12.10.2018
Herkunft: 
Berlin