Moop Mama - ICH

Rezensiert von Jan-David Wiegmann

Moop Mama sind in Deutschland einzigartig. Es gibt keine andere Band die einen ähnlichen Mix aus Blasmusik und Rap auf die Bühne bringt! Berüchtigt sind Moop Mama vor allem für ihre Guerilla Auftritte, wenn sie spontan mit kompletter Blaskapelle durch Deutschlands Innenstädte rennen und Frontmann Keno seine Lines ins Megafon rappt. Generell bringt die münchener Rapkapelle einen fetten Sound auf die Bühne. Dementsprechend sind Moop Mama das, was man als klassische Live Band bezeichnet. Doch die Songs für Live Bands kommen nicht aus dem Nirgendwo, sondern müssen auch irgendwo erscheinen. Im Falle Moop Mamas erscheinen die neuen Songs auf dem Album „ICH“, dem man auch in jeder Pore anmerkt, dass das Album für die Bühne gemacht ist. Doch das ist überhaupt nicht schlimm, sondern sorgt dafür, dass das Album einfach Spaß macht.

Der wilde Ritt beginnt mit „Wildnis“. Und die Wildnis blickt einem in diesem Song in jeder Sekunde ins Auge. Der Beat galoppiert wie ein Wildpferd, die Posaunen erinnern an das Tröten einer Elefanten Stampede und später mischen sich noch Schreie wie die wilder Hyänen in den Sound mit ein. Auch ein alter bekannter rappt auf dem Track mit und zwar Kryptik Joe von Deichkind der mit seinem Part die Partytauglichkeit des Tracks unterstreicht. Die Einladung auf solch einen wilden Ritt nimmt man doch gerne an.

Wie ein wilder Ritt kommen einem auch oft die stressigen Arbeitsanforderungen der Gesellschaft vor. Du musst immer präsent sein und bis zur Erschöpfung arbeiten. Moop Mama rufen auf „Feuer mich“ dazu auf, seinen Job hinzuschmeißen und aus dem aufgezwungenen Rodeoritt auszubrechen. Dabei sind Kenos Lyrics wie auf nahezu jedem Song voller Referenzen und Wortspiele. Jeder Fettes Brot Fan wird Spaß an der Zeile „Außen topfit – Innen ein Wrack“ haben, die klar eine Referenz an Fettes Brots Album „Außen Top Hits – Innen Geschmack“ darstellt. Aber auch Aussagen wie „All you need is Schlaf“, sorgen für ein Grinsen. Diese Band nimmt sich nicht wirklich ernst und wirkt dadurch sehr authentisch und sympathisch, wie ein guter Kumpel auf einer WG Party. Doch wer Wortspiele kindisch findet und mit tanzbarer Musik nichts anfangen kann, wird an diesem Album keinen Gefallen finden. Der Rest wird bei vielen Tracks des Albums auf seine Kosten kommen.

Immer wieder merkt man die Spielfreude des ganzen Ensembles. Bei Kapuze explodiert die Hook förmlich durch die aufdrehenden Blasinstrumente. Und selbst wenn der Song textlich nicht ganz so stark ist wie andere Songs des Albums, macht das Brassfeuerwerk einfach Laune. Generell sind die Songs des Albums tanzbarer als auf den Vorgängeralben, die mit Songs wie „Stadt die immer schläft“ oder „Meermenschen“ auch durchaus mal melancholisch und ruhig wurden. Der einzige Song der auf diesem Album in dieser Tradition steht, ist der Closer „Nüchtern“, der sich mit dem Gefühlschaos eines Betrunkenen auseinandersetzt. Doch auch auf diesem Album sind es vor allem die energiegeladenen, tanzbaren Songs die im Ohr bleiben. Diese sind auf „ICH“ auch gerne mal gesellschaftskritisch. Da vergucken sich in „Molotow“ ein Polizist und eine Demonstrantin ineinander, auf „Feuer mich“ kritisieren Moop Mama wie bereits erwähnt die Leistungsgesellschft und auf „Shitstorm“ wird zusammen mit Danger Dan von der Antilopen Gang die deutsche Kleinlichkeit persifliert. Letzterer Song ist zwar sehr tanzbar und bricht im Refrain komplett aus, aber den Text hat man gefühlt schon x-mal in anderen Varianten gehört.

Ein weiteres Manko des Albums ist die Nutzung von Autotune. Dabei ist es egal ob dieser wie im Track „Hier bin Ich“ mit Kenos ehemaligen Creme Fresh Partner Fatoni ironisch genutzt wird, oder auf „Geist“ als Stilmittel zum Einsatz kommt. Beide Songs haben textlich was zu bieten und Autotune hat die Gruppe echt nicht nötig.

Hoffentlich gefällt Keno diese Rezension, denn auf „Wenn ich du wär“ rappt er „Ich wär' gern Kritiker für Plattenkritiken / Denn die meisten Kritiken kann ich nicht ticken / Ich fand’ die beschissen / Ich habe die zerrissen“. Doch eigentlich sollte er bei diesem Album wenig Frust durch negative Kritiken haben, denn „ICH“ ist ein durch und durch unterhaltsames Album, das selbst das kleinste WG-Zimmer in eine Bühne verwandelt. Deshalb sollte man das Album vielleicht mal auf der nächsten WG Party einsetzen. Doch vor allem darf man sich freuen, wenn Moop Mama das Album live auf die Bühne bringen, denn bei den Songs wird niemand ruhig stehen bleiben können.


Label: 
Mutterkomplex
VÖ: 
07.09.2018
Herkunft: 
München